Das sind die Hotspots für den Blow-Job der Meeresriesen

Von Brigitte von Imhof
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Buckelwal in Alaska. Bild: Anchorage CVB

Beim Ausatmen stossen sie eine riesige Fontäne in die Luft, kurz darauf drehen ihre mächtigen Leiber an die Wasseroberfläche - wir verraten die besten Orte und Zeiten zur Walbeobachtung.

Wale sind Langstrecken-Reisende, die tausende Kilometer zwischen den nahrungsreichen Futterplätzen im Norden und den warmen Gewässern zurücklegen, wo sie ihre Jungen grossziehen. Daher sollte man ihre Fahrpläne kennen, um sie nicht zu verpassen:

Wal-Kindergarten auf den Kanarische Inseln

Die Gewässer vor dem südlichen Teneriffa und La Gomera zählen zu den Hochburgen für Walbeobachtungen. 28 Wal- und Delfinarten sind hier heimisch, unter anderem Pottwale und Schnabelwale. Am häufigsten vertreten sind Grindwale, auch bekannt als Pilotwale. Sie sind die grössten Vertreter der Delfin-Familie. Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich Wale zu sehen, wird mit 80 bis 90 Prozent angegeben. Auf Teneriffa ist oft vom «Wal-Kindergarten» die Rede, weil immer wieder Gruppen von Muttertieren mit ihren Jungen zu sehen sind. Urlauber sollten darauf achten, dass sie bei zertifizierten Touranbietern buchen, die sich den Regeln des Tier- und Naturschutzes verschrieben haben. Bei diesen Anbietern ist meist ein Biologe beziehungsweise Naturführer mit an Bord. Viele Touren starten im Süden und Südwesten Teneriffas, etwa in den Häfen von Los Gigantes über Playa de las Americas bis nach Costa Adeje.

Walsaison: ganzjährig

Schottland: Spielplatz der Minkwale

Die Isle of Mull gilt als einer der Hot Spots für Walbeobachtung in Europa. In den Gewässern der Inneren Hebriden tummeln sich unzählige Minkwale (Zwergwale). Veranstalter der Ausflugsfahrten beziffern die "«Trefferquote» mit 98 Prozent. Neben Walen gibt es auch Seelöwen und mehrere Delfinarten zu sehen, darunter die Orca- oder Schwertwale (die fälschlicherweise oft der Familie der Wale zugeordnet werden).

Walsaison: April bis September

Island: Wal-Boom

Walbeobachtung ist der am schnellsten wachsende Tourismussektor Islands. Mink- oder Zwergwale tummeln sich zuhauf vor den Küsten der Insel im Nordmeer. Aber auch Buckelwale, Finnwale und der seltene Blauwal werden gesichtet. Die Exkursionen dauern je nach Abfahrtsort zwischen drei und zehn Stunden. Eine gute Ergänzung ist der Besuch des Walmuseums in Husavik im Norden Islands.

Walsaison: April bis Oktober

Azoren: Wal-Heimat

Auf Wale scheinen die Azoren eine magische Anziehungskraft auszuüben. In azorischen Gewässern lassen sich zwei Dutzend verschiedene Walarten beobachten, das ist ein Drittel der weltweit vorkommenden Walarten. Aufgrund der zentralen geografischen Lage der Azoren findet sich rund um die Azoreninseln eine Vielzahl von Walen. Unter ihnen sind Pott-, Blau- und Finnwale sowie die seltenen Entenwale und andere Schnabelwale. Einige von ihnen leben permanent hier, andere ziehen auf ihren Wanderungen nur vorbei. Wal-Fans müssen nicht unbedingt mit dem Boot auf den Ozean fahren, um die Tiere bei ihren Sprüngen zu sehen. Als Aussichtsposten dienen die sogenannten Vigias, die früher von den Walfängern benutzt wurden. Heute, viele Jahre nach dem Ende der traditionellen Waljagd, tummeln sich Walbeobachter auf den Aussichtstürmen am Atlantikufer. Von manchen aus kann man an klaren Tagen Wale und Delfine in bis zu 30 Kilometern Entfernung sehen. Neben der Walbeobachtung vom Land aus kann man auch mit dem Boot zum Whale Watching gehen und kommt den Riesen noch näher.

Walsaison: Mai bis Oktober

Norwegen: Wale mit Elchtest

Wer sich nicht von Kälte und Dunkelheit abhalten lässt, kann in Norwegen auch den Winter über Wale beobachten. Treffpunkt für Wal-Freunde ist der Ort Storjord, knapp 90 Kilometer südlich von Narvik gelegen, wo das Tysfjord Turistsenter steht. Hier starten die Walbeobachtungstouren im Tysfjord. Dass dort, im schmalsten Fjord Norwegens, viele Orcas überwintern, hat einen guten Grund: Die «Killerwale» folgen den Heringen in ihre Laichgebiete. Bedingt durch die Verschiebung von Meeresströmungen ist der Norwegische Hering vor gut 20 Jahren im Tysfjord gelandet - was sich schnell bis zu den Orcas herumgesprochen hat. Wer im Winter in diese Region kommt, kann nicht nur Wale beobachten, sondern bekommt mit etwas Glück auch Polarlichter zu sehen. Die Saison für dieses Naturphänomen beginnt Mitte September. Auch eine Kombination mit einer Elchsafari ist möglich. Die meisten übernachten in dem 55-Zimmer-Hotel, das zum Tysfjord Turistsenter gehört.

Walsaison: Juli/August (Vesteralen) und Oktober bis Januar (Tysfjord)

Südafrika: Pendler aus der Antarktis

Hermanus am Western Cape nennt sich ganz unbescheiden «Welthauptstadt der Wale». Kein Wunder: Nirgendwo anders auf der Welt kann man Wale von Land aus besser beobachten. Im Juli kommen die Meeresriesen in grosser Zahl aus der Antarktis an die Küsten von Hermanus, um sich hier in den geschützten wärmeren Gewässern zu paaren, zu kalben und die Jungen grosszuziehen. Wer seinen Besuch am Western Cape mit einer Wildtier-Safari verbindet, kann seine «Big Five» dank der Wale auf «Big Six» aufstocken.

Walsaison: Mitte Juli bis Ende November

Mexiko: Liebesspiele vor der Baja California

Hunderte von Grauwalen versammeln sich im Winter, aus der eisigen Beringsee kommend, zur «Sommerfrische»" vor Baja California zur Paarung. Sie tummeln sich in den warmen Gewässern rund um die Halbinsel, bringen ihre Jungen zur Welt und geben sich erneut den Trieben hin. Dabei vollführen die bis zu 40 Tonnen schweren Tiere unter lautem Prusten akrobatische Luftsprünge. Die besten Walbeobachtungsposten sind Bahía Magdalena, Laguna San Ignacio und Laguna Ojo de Liebre. Mit kleinen Booten nähert man sich den Tieren bis zu einem gesetzlich vorgeschriebenen Abstand.

Walsaison: Januar bis März

Dominikanische Republik: Flirten mit Gesang

Hunderte Buckelwale ziehen aus ihrer arktischen Heimat in die warmen Gewässer der Bucht von Samaná im Osten der Inselrepublik. Dort pflanzen sich die Tiere fort, bringen ihren Nachwuchs zur Welt und ziehen ihn gross. Die Walbeobachtungsschiffe sind mit einem Unterwassermikro ausgestattet, der die Gesänge der Walmännchen hörbar macht. Damit versuchen sie die Weibchen zu betören. Die Halbinsel von Samaná mit ihren grünen Tropenbergen, Wasserfällen und Traumstränden zählt zu den schönsten Regionen der Dominikanischen Republik. Wer einen guten Tag erwischt, bekommt Delfine, Pelikane, Fregattvögel und vielleicht sogar einen Papagei zu sehen.

Walsaison: Mitte Januar bis Mitte März

Alaska: Wale und kalbende Gletscher

Jedes Frühjahr ziehen scharenweise Buckelwale aus Hawaii nach Alaska, um sich in den nahrungsreichen Gewässern des Nordpazifik satt zu essen. Die Resurrection Bay auf der Kenai Halbinsel ist der beste Spot. Auf den Schiffen der Kenai Fjords Cruises, die von Seward aus starten, gibt es neben Walen auch noch Seelöwen, Delfine und Vogelkolonien sowie ins Meer kalbende Gletscher zu sehen. Ein guter Wal-Spot ist auch der Prince William Sound. Bei den Ausflügen der «26 Glacier Cruises» bekommt man neben Buckelwalen nicht weniger als 26 Gletscher zu sehen.

Walsaison: Juni bis September

Hawaii: Wale zum Sundowner

Den Buckelwalen ist in Alaska zu kalt zum Spielen. Wenn sie sich im Nordmeer satt gefressen haben, treten sie die über 5000 Kilometer lange Reise durch den Pazifik nach Hawaii an, um sich in den badewannenwarmen Gewässern der Aloha-Inseln zu paaren und die Jungen aufzuziehen. Am besten kann man die Meeresriesen, die für ihre Unterwassergesänge bekannt sind, vor der Südwestküste von Maui beobachten. Nicht nur von Ausflugsbooten aus, sondern auch als Rahmenprogramm zum Sundowner von den Hotels des Makena Beach oder Wailea Beach aus.

Walsaison: Dezember bis Mai

Brasilien: Seltene Glattwale

In der Region um Garopaba und die Praia do Rosa im Süden Brasiliens tummeln sich hunderte Glattwale, die hier ihre Jungen grossziehen. Der Bestand dieser bis zu 18 Meter langen Walart ist gefährdet. Man kann die Wale und ihre Kälber vom Strand aus beobachten oder bei einer Bootstour: Ein Biologe des hier beheimateten Schutz- und Forschungsprojekts Baleia Franca ist mit an Bord.

Walsaison: Juni bis November

Australien: Meeresriesen vor Queensland

Die Bucht zwischen Hervey Bay und Fraser Island mit ihren warmen, geschützten Gewässern hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum für Whale Watching entwickelt. Von hier aus geht es mit Schiffen auf Wal-Safari. Über Hydrophones sind die Unterwassergesänge der Meeressäuger zu hören. Auf Fraser Island bekommt man mit etwas Glück Wale von der Küste aus zu sehen, etwa vom Indian Head aus an der Nordküste, den man mit einem Geländewagen erreicht.

Walsaison: Juni bis September