Das fünftgrösste Skigebiet der Welt im Test

Von Daniel Gerber
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77 Kilometer präparierte Skipisten warten aktuell in Arlberg. Bild: Daniel Gerber.

Arlberg punktet mit eindrücklichen Investitionen und freundlichen Menschen — und die Schneekanonen stehen im Dauereinsatz.

Im Hotel «Pfeffermühle» in St. Jakob haben die Gastgeber viel Geld für den neuen Wellnessbereich ausgegeben. «Wenn man mithalten und zufriedene Gäste haben will, dann muss man einfach investieren», sagt Herbert Klimmer, der Hotelier. Was im kleinen überschaubaren Familienbetrieb gilt, das wurde im Skigebiet hinter dem Arlberg im Grossen umgesetzt: die Vision vom «Weissen Ring». Dieser ist eigentlich das längste Skirennen der Welt, für das 1000 Startplätze vergeben werden. Hier im Arlberg ist der Weisse Ring ein Skigebiet, das eine Tagesrunde auf immer neuen Pisten erlaubt.

Das an sich schon grosszügig angelegte Skigebiet von St. Anton, St. Christoph und Stuben wurde mit der Flexenbahn verbunden und besitzt somit Anschluss an die Skigebieten von Zürs und Lech, von denen aus Warth und Schröcken erreichbar sind. «45 Millionen Euro wurden investiert für die vier neuen Bahnen, die in dieser Saison Saison in Betrieb gehen», erklärt Frau Magister Andrea Saexinger, zuständig für Marketing und PR bei der Arlberger Bergbahnen Aktiengesellschaft.

Der Schweizer staunt über die unübersehbaren, grosszügig dimensionierten Gebäude im modernen kantigen Stil – sowohl im Tal wie auf dem Grat. Ein 85 Meter hoher Mast lässt in der Bahnkabine Fluggefühle aufkommen und auch den Gedanken, dass im Heimatland die administrativen Dokumente für die Bewilligungsverfahren wohl eine ähnliche Höhe erreichen würden.

Der künstliche Kubikmeter Schnee kostet zwei bis fünf Euro

Wieso konnten hier Bahnen und neue Gaststätten derart zügig realisiert werden? «Bei der Flexenbahn konnten wir deutlich machen, dass wir nur eine Bahn und keine neuen Skipisten bauen», begründet Markus Siembjcka, stellvertretender Betriebsleiter der Bahnen von St. Christoph. Eine Anwohnerin erklärt, dass es sich bei den Projekteinreichern um einige wichtige Familien handeln würde – die seien auch in der Politik gut vertreten. Wenn man dann als Normalmensch gegen solche Projekte sei, dann gelte man praktisch als Landesverräter.

Das alles ist für den Feriengast wohl zweitrangig. Zwar konnten in den vergangenen Tagen die 305 Pistenkilometern nur zum Teil erfahren werden. Auch im als schneesicher geltenden Skigebiet liegt der Naturschnee nicht üppig. Immerhin sind 77 Kilometer bestens präpariert und 36 Anlagen in Betrieb. Die unzähligen Schneekanonen sind dank der tiefen Temperaturen im Dauerlauf und produzieren den Kubikmeter Schnee für zwei bis fünf Euro, wie Andrea Saexinger verrät.

109 Euro für die Dreitageskarte – aber kein Hüttenkaffee

Die Reaktionen auf das marketingmässige Zusammengehen der von zwei verschiedenen Aktiengesellschaften betriebenen Skigebiete seien «sehr gut». «Nach zwei Wochen Vorsaisonbetrieb ist es unmöglich schon ein Resümee zu ziehen», meint die Marketingverantwortliche, «aber soweit ich das beurteilen kann, sind die Buchungen zu Weihnachten sehr gut.»

109 Euro kostete die Dreitageskarte für gut präparierte und gut zu befahrende Pisten bis hinunter ins Tal. Schnitzel/Pommes mit einem grossen Bier sind für 19 Euro zu haben. Dazu scheint es kein Klischee zu sein, dass die österreichischen Mitarbeitenden von Bahn, Gastwirtschaft, Ski-Bar und Hotel dem Gast mit Freundlichkeit begegnen. Wie kann die Schweiz das toppen? Vielleicht mit dem Hüttenkaffee – der wurde im Skiparadies nirgendwo gefunden.«Buffi», der Barchef vom Arlberg Thaja, erklärt das Fehlen: «Für die Steuer müssten wir Kaffee, Schnaps und Rahm separat ausweisen. Und das lohnt net!»