Nicht nur Agatha Christie und Steffi Graf sind begeistert

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Die Ferieninsel Gran Canaria im Atlantischen Ozean lockt mit ihrer Vielfältigkeit nicht nur Promis an, sondern dieses Jahr auch so viele Touristen wie noch nie.

Feuer ist auf Gran Canaria ein grosses Thema – im Jahr 2007 verbrannten auf der Insel 18 Hektar Bäume, ein Viertel des gesamten Baumbestands. Mehr als 2000 Menschen mussten evakuiert werden, der Schaden summierte sich auf 10,7 Millionen Euro. Und das alles, weil ein Mann vom Naturschutz aus Frust über seine drohende Kündigung zündelte. Gleich an mehreren Orten Gran Canarias legte er Feuer.

Mittlerweile hat sich die Insel mit 320 Tage Sonne im Jahr wieder erholt. Das paradiesische Fleckchen Erde auf dem Feigen und Orangen gedeihen sowie Zitronen, Papayas, Mangos, Mandeln und Bananen hat nur ein Problem: Das Wasser. Dieses floss in den vergangenen Jahren im Süden der Insel immer seltener. Dabei braucht so ein Bananenbaum zwischen 16 und 21 Liter des kostbaren Nasses. Doch der grösste Stausee der Insel bei Soria, der eigentlich zur Bewässerung der Felder dienen soll, ist nur mehr eine armselige Pfütze.

36 Millionen Kubikmeter Wasser könnte die Presa de Soria maximal fassen, aber dazu bedürfte es tagelanger kräftiger Regenfälle. Auch die anderen Stauseen schwächeln in diesen Tagen. Die spärlichen Regenfälle im Herbst haben zwar dafür gesorgt, dass die Hänge "grüne Pullover" tragen, aber nachhaltig waren sie nicht. Verwaist sind die kleinen Gräben, die auf den karstigen Bergen die ersehnten Wassermengen in die richtigen Bahnen lenken sollen. Dabei bräuchte nicht nur die Landwirtschaft dringend Bewässerung, auch die Hotelburgen am Meer sind auf Wasser angewiesen.

Szenen von «Moby Dick» wurden hier gedreht

Schön sind sie nicht, die von weissen Häuserquadern überzogenen Hänge von Puerto Rico und Playa del Ingles. Schön sind auch die von oft zerrissenen Planen bedeckten Felder nicht, die man schon beim Anflug auf Gran Canaria entdeckt. Auch die Zementfabrik, die nahe Maspalomas im Meer steht wie eine Burg aus einer Anti-Utopie, ist kein schöner Anblick. Gran Canaria ist eine Insel der Gegensätze. Da die Hotelhalden, die Shopping Malls, das Nachtleben – dort die kleinen Dörfer, die Bougainvilleas über den Höhlenwohnungen, die Mandel- und Olivenbäume.

Es muss doch seinen Grund haben, dass Menschen wie der Dirigent und Festival-Oranisator Justus Frantz hier ihren Wohnsitz haben – weit ab von den Hochburgen des Massentourismus auf dem Monte Leon. In der luxuriösen Finca des Ehrenbürgers von Gran Canaria war auch Altkanzler Helmut Schmidt schon zu Gast, Steffi Graf erholte sich hier wie auch Leonhard Bernstein.

Sieben Millionen Touristen

Der Minikontinent Gran Canaria hat schon lange vor dem Massentourismus interessante Menschen angesprochen. 1927 kam Agatha Christie mit ihrer Tochter aus Teneriffa ins Hotel Metropole in der Hauptstadt Las Palmas, wo sie in einer Kurzgeschichte die Schönheit der Kanaren lobte. 1960 drehte John Houston Szenen von "Moby Dick" auf der Insel, und bis heute kommen Filmteams, die Gran Canarias Natur als Kulisse schätzen. Auch das Retorten-Touristendorf Puerto Mogan war schon Schauplatz einer Krimi-Komödie. Mit den kleinen Kanälen, den andalusischer Architektur nachempfundenen Häuschen und den üppig in allen Farben des Regenbogens blühenden Bougainvilleas ist das 1988 fertig gestellte Puerto Mogan ein Gegenentwurf zu den meist weissen Hotelgebirgen an der Südküste. 

Die Kanaren gehören zu den Gewinnern dieses Jahres. 30 Prozent mehr Touristen schickte allein die TUI auf die "Inseln des ewigen Frühlings", und nirgends war die Gästezufriedenheit so hoch wie auf Gran Canaria. Beliebt ist auch die Küche: Fische, Gemüse und Obst spielen eine wichtige Rolle. Ein typisches kanarisches Fischgericht ist Sancocha, ein Eintopf aus Stockfisch und Kartoffeln, der mit "Mojo rojo", der pikanten kanarischen Sauce serviert wird. Dazu schmecken kanarische Weine oder auch das auf der Insel gebraute Tropical-Bier. Und auch die Inselbewohner begeistern die Touristen: Sie haben trotz der sieben Millionen Touristen und einer Arbeitslosenquote von 26 Prozent nicht ihre Freundlichkeit und ihre Lebenslust verloren.

(SFL/SRT)