Scheinwerfer auf Le Havre

Von Didier Walzer
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Die Metropole in der französischen Normandie feiert 2017 ihr 500-Jahre-Jubiläum. Die meist unterschätzte Stadt Frankreichs bietet viele Vorzüge.

Le Havre ist mit seinen 170‘000 Einwohnern nicht nur die grösste Stadt der Normandie, sondern auch die grösste Wirtschaftsmacht der Region – besonders da der Hafen von Le Havre die Nummer eins in Frankreichs ist und mit China Handelsbeziehungen pflegt. Die Stadt hat ihren Blick schon immer gerne in die Ferne gerichtet.

Die Stadt, die sich zwei Autostunden nördlich von Paris befindet, wurde während des Zweiten Weltkriegs im September 1944 durch Luftangriffe zerstört. Nur wenige Häuserblöcke wurden von der deutschen Luftwaffe verschont, darunter auch das Gebäude des Museums „Maison de l’Armateur“, das auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Dank dem entschieden modernen Wiederaufbau wurde Le Havre 2005 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Lange Schifffahrtstradition

Der erste transatlantische Linienseeverkehr zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten wurde in den 1850er-Jahren in Betrieb genommen.

Le Havre beherbergt heute einen Handelshafen, in dem alleine im Jahre 2017 150 (!) Zwischenstopps von Kreuzfahrtschiffen vorgesehen sind und der zudem der grösste französische Hafen hinsichtlich des Frachtbetriebs ist.

Übrigens, um das 500-Jahre-Jubiläum besonders feierlich zu gestalten, wird das berühmte Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 eine einmalige Kreuzfahrt von Le Havre nach New York unternehmen. Die Kabinen für diese Fahrt verkaufen sich wie heisse Semmel.

Ein Strand mitten in der Stadt!

Die Küstenmetropole ist auch ein Badeort und bekannt für sein Wassersport-Angebot. Als kleine Anekdote sei erwähnt, dass der Strand mitten in der Stadt liegt. Der warme Sand befindet sich tatsächlich gerade mal 800 Meter vom Rathaus entfernt. Wer kann das überbieten?

Architekten der Moderne errichteten die junge Stadt: Besonders Jean Nouvel hat in der Form eines wunderschönen Wasserparks mit rund zehn Wasserbecken seine Spuren hinterlassen. „Im Grunde genommen handelt es sich um ein öffentliches Schwimmbad, obwohl man dies auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennt“, präzisiert Eric Baudet, Kommunikationsverantwortlicher von Le Havre.

Die vielfältige Metropole, die eine prächtige Universitätsbibliothek besitzt, widerspiegelt die Wiege des Impressionismus. „Da sie in der Mündung der Seine liegt, entsteht eine besondere Lichtatmosphäre, welche damals die Maler regelrecht verführt hatte“, erklärt Eric Baudet. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Le Havre die zweitgrösste Sammlung impressionistischer Kunst Frankreichs beherbergt – sie ist allerdings weit kleiner als jene des Musée d’Orsay in Paris.

In künstlerischer Hinsicht zieht Le Havre immer wieder Fotografen und Filmemacher wegen seiner geometrischen Konturen an. Des Weiteren besuchen Le Havre jedes Jahr eine Million Touristen und Geschäftsleute. Ein Kongresszentrum öffnet zudem im November seine Tore. Übrigens können am Hafen kulinarische Spezialitäten aus aller Welt gekostet werden.

Der Beginn der Feierlichkeiten zum 500-Jahre-Jubiläum ist auf den 27. Mai 2017 angesetzt. Diverse Regatten – der älteste Yacht-Club Europas befindet sich in Le Havre – werden im Rahmen der Festivitäten stattfinden, welche mit der berühmten Transat Jacques Vabre beendet werden.

Weitere Infos: www.lehavretourisme.com