Extremreisen sind auf dem Vormarsch

Von Ben West
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Base Jumping in San Luis Potosi, Mexico. Image: xtremespots.com

Noch nie war es so populär, in den Ferien mit Haien zu tauchen, mit einem Fallschirm von Klippen zu springen oder Touren durch Kriegsgebiete zu machen, begleitet von bewaffneten Guides.

Manchmal entpuppen sich unangenehme Ferienerlebnisse als bereichernder als die bequemen und luxuriösen, weil sie uns auch prägen können und uns mit Erinnerungen belohnen, die wir nie mehr vergessen.

Ein Beispiel dafür ist meine erste Reise nach Afrika. Nach drei Wochen in Kamerun kehrte ich mit zwei Formen von Malaria, Komplikationen davon, Schwarzwasserfieber und Filariose, einer anderen Tropenkrankheit, zurück. Ich stand so kurz vor dem Sterben, dass ein Pfarrer an mein Krankenbett gerufen wurde.

Nichtsdestotrotz hat diese Erfahrung meine Sicht auf das Leben und seine Wege komplett verändert und bewirkt, dass mich heute eine unendliche Liebe mit Afrika verbindet. Und trotzdem würde ich niemals eine Reise buchen, die mit einem grossen Gefahrenpotential und Unannehmlichkeiten wirbt. Ich verstehe nicht, wieso Extremreisen, bei denen die Teilnehmer sich für gefährliche Aktivitäten wie Kriegsgebietstouren oder andere todesmutige Dinge anmelden, immer mehr an Beliebtheit zunehmen.

Base Jump in eine Höhle

Dieser Trend machte sich Anfang dieses Monats deutlich bemerkbar, als eine Touristengruppe beim Sightseeing in Afghanistan angegriffen wurde. Fünf westliche Mitglieder der achtköpfigen Reisegruppe – bestehend aus einem Deutschen, acht Briten und drei Amerikanern – wurden in der Provinz Herat verletzt, als ihr Minibus und die Eskorte durch Kämpfer der Taliban beschossen wurden. Beim Angriff wurde niemand ernsthaft verletzt, und doch stellt sich die Frage, wie klug es ist, in Ländern wie dem Irak, Iran, Somalia, Syrien, Afghanistan, Pakistan, Tschetschenien oder Nordkorea Urlaub zu machen.

Neben diesen zweifelhaften Destinationen nimmt auch das Angebot an fragwürdigen Extremaktivitäten zu, wie beispielsweise Haitauchen in Fidschi. Hierbei gibt es keine schützenden Käfige für die Taucher; sie sind lediglich durch ein Seil von der Haifütterungszone getrennt.

Bei den unzähligen Base Jump-Angeboten weltweit kann man zum Beispiel in Norwegen von Klippen oder in Mexiko in eine Höhle springen, in der ein ganzes Hochhaus Platz hätte. Die sogenannte Schwalbenhöhle im Regenwald des Bundesstaats San Luis Pontosi ist unglaubliche 333 Meter tief.

In Chile können Mutige Bungee-Jumping im Vulkan erleben. Bei einem Sprung kopfüber aus einem Helikopter baumelt man nur 200 Meter über der heissen Lava. Leider gibt es keine Geld-zurück-Garantie wenn man es nicht lebendig rausschafft.Aber auf der anderen Seite wird das wohl das letzte sein, an das man in einer solchen Situation denkt...

Afghanistan, Algerien, Irak, Burundi

Anbieter, die solche Erlebnisse ermöglichen, sind unter anderem Aquatrek für Touristen, die gerne Haie von nahem erleben wollen und Hinterland Travel, die britische Firma, die die Reise der attackierten Touristen in Afghanistan organisierte. Untamed Boarders ist ein weiteres britisches Unternehmen, das Polospielen im Hindukuschgebirge oder Skitouren in Afghanistan anbietet. Bei Wild Frontiers kann man Reisen in Länder wie Afghanistan, Algerien, Irak, die Demokratische Republik Kongo oder Burundi buchen. Mit War Zone Tours besucht man den Irak, Beirut oder Somalia.

Die Angebote und Destinationen, die diese Firmen anbieten, können weitere Probleme mit sich bringen. Viele Versicherungen haften nicht für Kunden, die Gebiete bereisen, von denen die Regierung klar abrät. Wird einem also die Kamera geklaut, während man eine Schiesserei des IS beobachtet, wird man ziemlich sicher keine Entschädigung bekommen. Aber auf der anderen Seite wird das wohl das letzte sein, an das man in einer solchen Situation denkt...