Sieben Serien, Dokus und Filme, die dich vom Sofa hauen

Von Andreas Güntert
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Netflix Reisen: der bildstarke Ersatz für auf dem Sofa gestrandete Reisefans. Bilde: Screenshots

Richtig schön verreisen, querweltein und unbesorgt: Grad etwas schwierig momentan. Aber man kann auch auf seinem Wohnzimmer-Sofa einen Trip starten – per Netflix Reisen. Film ab für sieben TV-Tipps.

In den fernen Zeiten vor Corona waren Filmreisen ein beliebtes Genre der touristischen Welt. Also Trips dorthin, wo berühmte Streifen des Hollywood- und Bollywood-Kinos gedreht worden sind. Orte, wo man sich als Blockbuster-Fan wie im richtigen Film fühlen kann.

Jetzt, da wir alle unseren Reisedrang etwas einschränken müssen, verkürzen wir das Prozedere. Wir verreisen weniger an Netflix-Drehorte – wir verreisen mit Netflix. Immerhin bietet der Streaming-Dienst eine Vielzahl von Reise-Serien, Reise-Filmen und Reise-Dokus an. Der Vielfalt sind dabei keine Grenzen gesetzt – egal ob es um indische Frauen oder einen Engländer geht, der mit einem gelben VW-Käfer durch die Welt fährt. Aber genug geplaudert: Reisen wir los. In einem Gastbeitrag von David Torcasso.

The Dark Tourist

Die wohl bekannteste Reise-Serie von Netflix ist «The Dark Tourist». Die Serie wurde 2018 lanciert und hat sofort viele Fans aktiviert. In der Serie besucht der Filmemacher David Farrier die seltsamsten Orte der Welt.

So etwa einen nuklearverseuchten See, Terroristencamps oder einen Geisterwald. Die Orte sind makaber, und meistens auch ziemlich gefährlich.

«Dark Tourism» ist ein Reisetrend für Menschen, die wirklich schon alles gesehen haben und nun ein nächstes Level an unbekannten Orten brauchen. Farrier zieht uns mitten in diese Welten hinein und wir bangen das eine oder andere Mal mit ihm um sein Leben.

Das macht «The Dark Tourist» so einzigartig.

Was die hier wohl sehen? Wahrscheinlich etwas, das Du noch nie gesehen hast.

The Kindness Diaries

Diese Doku ist herzergreifend, sympathisch und eben richtig authentisch. Der Brite Leon Logothetis reist in dieser Serie in einem alten Käfer von Alaska nach Argentinien.

Dabei legt er Tausende von Kilometern zurück, hat immer wieder Pannen oder wird von der Polizei angehalten.

Aber vor allem nimmt der Brite immer wieder Kontakt mit Fremden auf, in seiner unbefangenen und herzlichen Art, und lässt sich von ihnen die besten Tipps und Tricks in Bezug auf das Essen oder das Übernachten geben.

Logothetis ist ein liebenswürdiger Kerl, dem Menschen aus den verschiedensten Kulturen deshalb Aufmerksamkeit schenken.

Leon Logothetis, unterwegs mit seinem Käfer, muss zahlreiche Pannen überstehen.

Pedal the World

Das ist ein 90-minütiger Film vom Deutschen Felix Starck – ein gelungener Versuch, Menschen näherzubringen wie es ist, ein Jahr lang mit dem Rad unterwegs zu sein.

Davon träumen nämlich viele. Aber nicht jeder kann das schaffen.

Starck bringt dem Zuschauer eindrucksvoll näher, wie es ist, innerhalb von nur einem Jahr 22 Länder zu durchqueren und dabei 18’000 Kilometer zurückzulegen.

Das Filmmaterial, welches dabei entstanden ist, ist absolut hochwertig und liefert starke Bilder. Starck lässt uns an seinem Abenteuer teilhaben – inklusive Sehenswürdigkeiten.

Gut gepackt und leicht geschürzt: Unterwegs mit dem Velozipeden.

Chef’s Table

Bei Chef’s Table geht es eigentlich, wie der Name schon sagt ums Kochen und nicht primär ums Reisen. Trotzdem gehört Chef’s Table zu meinen Lieblings-Reisedokus.

Weil die Macher in die Welt der besten Köche der Welt eintauchen. Und sie natürlich in ihren Restaurants und ihrem Zuhause besuchen. Überall auf dem Globus. Netflix Reisen bringt Dich mitten ins gastronomische Geschehen.

Egal ob Paris, Rom oder Tokio. Damit nehmen sie den Zuschauer an ganz spezielle Orte auf dieser Welt mit. Dabei habe ich eine Empfehlung für eine ganz konkrete Folge – nämlich die über Francis Mallmann. Der Argentinier ist einer der besten Köche Südamerikas und wohnt auf einer Insel in Patagonien.

Mallmann kocht am liebsten mit Feuer und mitten in der Natur. Das liefert beeindruckende Landschaftsaufnahmen und regt alle Sinne an.

Das Auge isst auch beim Outdoor-Cooking immer mit.

The Trader

Auch diese Reisedoku ist keine Serie, sondern ein Kurzfilm, der nur 23 Minuten dauert. Aber diese Minuten haben es in sich: Sie zeigen einen ergreifenden und authentischen Einblick in das Leben der ärmeren Landbevölkerung im postsowjetischen Land Georgien.

Auch deshalb gehört er persönlich zu meinen Favoriten, weil ich Georgien auch schon bereist habe, aber vorwiegend in der hippen Stadt Tbilisi verweilte.

Dieser Film spielt aber weitab von dieser Welt und zeigt einen Händler auf, der Gebrauchtes gegen Kartoffeln tauscht.

Bei dieser Art von Netflix Reisen entstehen ruhige Bilder der kargen und doch so vielfältigen georgischen Landschaft.

Eine Sendung, die zum Ausbruch aus der eigenen Filterblase verhilft.

Period. End of Sentence

Dieser Film gibt einen Einblick in ein Land, das wir alle kennen, aber nicht viele wirklich etwas davon wissen: Indien. Ich habe selbst ein halbes Jahr in Indien gewohnt und mir dabei immer viele Gedanken um die patriarchalische Gesellschaft dort gemacht.

Diese Doku, die 2018 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, nimmt uns mit ins ländliche Indien. In Dörfer, in denen die alten Rollenbildern noch immer bestehen.

Wir netflixen dabei durch indische Dörfer, in denen Frauen versuchen, ein Tabuthema aufzubrechen. Die Menstruation. Sie wollen dort günstige Damenbinden herstellen und bauen dazu Maschinen auf den Dorfplätzen zusammen.

Ich mag den Film, weil er einen authentischen Einblick gibt, viele Schauplätze und Szenen wirklich so sind, wie sie gezeigt werden und weil er den Frauen in Indien eine Stimme verleiht.

Out of Taj Mahal: Szenen aus dem indischen Dorfleben.

The World’s Most Extraordinary Homes

Ich liebe Architektur, und Sendungen über Architektur ziehen mich immer wieder in den Bann von neuen Ländern und Bauweisen.

Auch wenn ich in die Ferien fahre, lege ich Wert darauf, die wichtigsten architektonischen Gebäude einer Stadt oder eines Landes zu sehen.

Diese Serie nimmt einem mit in Häuser, die Du noch nie gesehen hast. Dabei wird das Ganze von bekannten Architekten wie etwa Piers Taylor kommentiert.

Dies auf eine locker-flockige Art, die auch zum Mitlachen animiert und nicht ganz so schwer daherkommt wie etwa eine konventionelle Dokumentation über das Leben in Indien.

Haus, sweet Haus: In solche Gebäude-Gefilde lässt man sich vom Sofa aus gerne entführen.