Ein Lied auf Kasachstan

Von Daniel Tschudy
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Unbekanntes, faszinierendes Kasachstan: das riesige, zentralasiatische Land wartet mit zahlreichen Highlights auf. Bilder: Daniel Tschudy & Marek Dlugopolski

Kasachstan ist kein Reiseland, das es bisher auf die Listen der top Reiseziele geschafft hat. Ein Stopp im riesigen, zentralasiatischen Land zeigt aber: da gibt es viel zu sehen. Wir nennen die Top Five, die Kasachstan-Reisende nicht missen sollten.

Eine Reise der alten und der neuen Seidenstrasse entlang erfordert Zeit und Geduld. Schliesslich ist das an der Seidenstrasse gelegene Kasachstan 66 Mal grösser als die Schweiz. Die Dimensionen im neuntgrössten Land der Welt sind enorm, und jede Sehenswürdigkeit liegt schnell mal ein paar Hundert Kilometer entfernt.

Das kasachische «Ministry of Foreign Affairs» organisierte kürzlich eine Rundreise und so erhielt travelnews.ch die Gelegenheit, sich im Herkunftsland der Tulpen und Äpfel umzusehen. Wir nennen die fünf Höhepunkte im Binnenstaat, der zwischen dem Kaspischen Meer im Westen und dem Altai-Gebirge im Osten liegt und es bisher kaum je auf die Top-Listen der favorisierten Reiseziele geschafft hat. Dabei gibt es viel Interessantes und Überraschendes zu sehen.

Nationalpark Scharyn

Rund zweihundert Kilometer östlich der ehemaligen Hauptstadt Almaty, tief in der 3-Länder-Ecke Kasachstan, Kirgistan und China, liegt das Nationalparkgebiet Scharyn. Mit ähnlich bizarren Felsformationen wie im amerikanischen Grand Canyon, zeigt sich hier eine 150 Kilometer lange und eigenartige «Mond-Landschaft». An manchen Stellen ist der Canyon, dessen Gesteinsschichten bis zu 12 Millionen Jahre alt, fast 300 Meter tief.

Was erstaunlich ist: in dieser scheinbar toten Gegend gedeihen 1500 Pflanzenarten. Für Touristen wurde ein etwa vier Kilometer langer Wanderweg vorbereitet, aber Trockenheit und Hitze mahnen trotzdem zur Vorsicht und zu viel Wasserkonsum. Aus dem rotbraunen Gestein haben sich dem Wanderweg entlang spektakuläre Skulpturen gebildet, die an Ruinen oder alte Burgen erinnern.

Am Ende der Hitzewanderung wartet der kleine «Scharyn Eco Park» mit einem einfachen Restaurant und der Möglichkeit zur Übernachtung. Man kann dort im eigenen Zelt campieren, in einer Jurte schlafen oder in einer Holzhütte unterkommen. Der Park liegt am Scharyn Fluss, ein ziemlich erfrischendes Ziel dieses Erlebnisses. Begeisterungsstufe (auf einer Skala von 6): 6

Christi-Himmelfahrt-Kathedrale Almaty

Das russisch-orthodoxe Kirchengebäude wurde zwischen 1904 und 1907 erbaut und gehört zu den eindrücklichsten Sightseeing-Spots der ehemaligen Hauptstadt Almaty, die sich bis 1993 Alma-Ata nannte. In ihrer Zeit diente das hölzerne Gebäude als Kathedrale, Rundfunksender, Heimatmuseum, dann als Museum für Architekturgeschichte, und seit 1995 erneut als Gotteshaus. Diese unterschiedliche Nutzung war jeweils Folge der politischen Führung des Landes; vor allem die damalige Sowjetunion hatte ihre eigene Agenda, was Glauben und Religion betrifft.

Die Geschichte der hölzernen St. Nicholas-Kathedrale bietet somit auch ein Schnellkurs über Kasachstans letzten einhundert Jahre. Die Kirche wurde vollständig mit Holz und im eklektischen Stil gebaut; die Bögen im Inneren sind Art Déco. Das Holz wurde komplett verputzt und gibt so den Eindruck von Stein. Aus geschichtlicher Perspektive ist bemerkenswert, dass es im Kirchengang ein im traditionellen Stil der Ikonen erstelltes Kunstwerk hat; zum Gedenken der Opfer des sowjetischen Kommunismus. Russland heute ist aber noch omnipräsent. Neben Kasachisch ist Russisch die offizielle Landessprache, mit dem nördlichen Nachbarn gibt es viel Handel, Unterhaltung und Medien sind stark russisch geprägt, die Verpflegung ähnlich, und es gibt auch ein wenig Tourismus aus Russland. Begeisterungsstufe: 5

Mausoleum Khoja Ahmed Yawui

Am südlichen Rand der Steppe Kasachstans und an einer der einstigen Seidenstrassen liegt Turkestan. Das Gebiet wurde während seiner spannenden Geschichte schon von iranischen Völkern besiedelt, von den Mongolen beherrscht und heute als Stammland der Turkvölker als eine Art «Heimat der Türken» verstanden. Dort liegt das Khoja Ahmed Yasawi Mausoleum, Weltkulturerbe der UNESCO, und eines der höchsten Heiligtümer des Islam. Man sagt dazu, dass jeder Kasache einmal im Leben hierher gepilgert sein soll.

Ausländische Reisende sieht man noch selten; allenfalls aus den Nachbarländern oder ein paar Individualreisende aus Frankreich oder Italien. Man spürt aber die Aufbruchstimmung. Die Zufahrtsstrassen werden gerade betoniert, WC-Häuschen und Verpflegungskioske aufgebaut, und irgendwie bringen sich alle in Stellung. Aber Turkestan liegt nicht gerade am Weg; der Massentourismus muss noch ein bisschen warten. Das ist auch gut so, denn damit bleibt vorerst das Mausoleum im Zentrum der Dinge und nicht die Tourismusindustrie darum herum.

Ahmed Yasawi brachte den Sufismus mit dem Nomadenleben in Einklang, starb 1166, und gilt heute als wichtigster Religionsstifter Zentralasiens. Der Militärführer Temür ibn Taraghai Barlas liess das Mausoleum, die 40 Meter hohe Kuppel und die unterirdischen Gänge und Gebetsräume im 14. Jahrhundert zu Yawawi’s Gedenken erstellen. Begeisterungsstufe: 5-6

Das Nationalmuseum in Nur-Sultan

Neues und Modernes findet man primär in der Hauptstadt Nur-Sultan, dem ehemaligen Astana. Ausgelöst und motiviert durch die Expo 2017 hat sich die schnell wachsende Metropole zur Millionen-Stadt entwickelt. Was und wie seit 2010 gebaut wurde, erinnert stark an Dubai der Anfang 2000er-Jahre. Ein Beispiel ist das im westlich-klassischen Stil erbaute Opernhaus – natürlich auch ein politisches Statement des ersten Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew.

Aber auch Ausdruck der Eigeninteressen von Kasachstan, die nicht unbedingt identisch mit den Vorstellungen des Westens sein muss. Auch das Nationalmuseum, 2014 eröffnet, tritt mit modernster Herrlichkeit und neuem Selbstverständnis auf und zeigt mit Stolz auf Kasachstan und sein kulturelles Erbe. Das Museum, auf 74'000 m2, befindet sich am Unabhängigkeitsplatz in der Nähe der «Hazret Sultan»-Moschee. Man bietet mehrere Ausstellungen an, zum Beispiel eine eher politische zur Unabhängigkeit, eine zur Mittelalterlichen Geschichte, eine zur Ethnographie oder eine zur modernen Kunst. Sämtliche Erklärungen sind auch in Englischer Sprache vorhanden. Begeisterungsstufe: 5

Kasachstans Küche

Die kasachische Küche wurde im Laufe der Zeit stark von den benachbarten zentralasiatischen und ostslawischen Ländern beeinflusst. «Palau» ist ein für ganz Zentralasien typisches Reisgericht mit Hammelfleisch und meist gelben Mohrrüben. Viel Butter ist dabei, lecker zwar, aber ziemlich füllend. Das eigentliche Nationalgericht Kasachstans ist «Beschbarmaq» mit fettem Pferdefleisch und mit einem Lasagne-ähnlichen Teigfladen. Manchmal kommen noch Kartoffeln und Zwiebeln als Beilage dazu.

Schaffleisch ist beliebter, aber Pferdefleisch wird immer mal wieder serviert, auch für uns Westler als gewöhnungsbedürftige Wurst. Auch bei den Getränken gibt es «Fremdes», denn Kasachstan ist bekannt für seine Sauermilcherzeugnisse; Qymys aus gegorener Stutenmilch oder Schubat aus gegorener Kamelmilch. Und sonst einfach immer Tee, der mit Rosinen, Nüssen und kleinen in Öl gebackene Brotbällchen serviert wird. Und die Nachspeisen? Immer ziemlich süss, mit zwei, drei Prisen Zucker! Begeisterungsstufe: 4-5