Saskatchewan – das unverfälschte Kanada

Von Lukas Scheid
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Die weiten Prärie-Landschaften Saskatchewans sind durchzogen von zahlreichen Flüssen und Seen. Bild: Tourism Saskatchewan, Hans-Gerhard Pfaff

Selbst für Vielgereiste ist der Name der zentral-kanadischen Provinz kaum ein Begriff. Zu Unrecht! In Saskatchewan erlebt man das echte Kanada: abwechslungsreiche Landschaften abseits grosser Touristenströme.

An der Westküste scheint die Sonne? Mag sein, aber in der kanadischen Mitte scheint sie definitiv häufiger. Keine andere Provinz Kanadas verzeichnet mehr Sonnenstunden im Jahr als Saskatchewan.

Das trifft sich gut, denn die zahlreichen Flüsse, Seen und sattgrünen Graslandschaften sind bei schönem Wetter einfach noch betörender. Sie laden ein zum Angeln, Wandern, Kayak und Mountainbike fahren. Für echte Outdoorer kann es fast nichts Schöneres geben, als von einer Ranch aus die umliegende Natur zu erkunden und dabei auf First Nations zu treffen oder filmreife Panorama-Aussichten einzufangen. Die Provinz, die fünfzehn Mal so gross wie die Schweiz ist, aber nur ein Fünftel der Einwohner hat, bietet ein einzigartiges Naturerlebnis, das selbst langjährigen Kanada-Kennern meist gänzlich unbekannt ist.

Auf dem Churchill River lässt sich beim Paddeln auch mal ein Elch am Flussufer entdecken. Bild: Tourism Saskatchewan, Hans-Gerhard Pfaff

Die weiten Prärie-Landschaften Saskatchewans sind durchzogen von zahlreichen Flüssen und Seen. Insgesamt besteht ein Achtel der Fläche der Provinz aus Frischwasser. Kein Wunder, dass vor allem Wassersportarten hoch im Kurs stehen.

Der Churchill River zum Beispiel war einst eine der wichtigsten Handelsrouten der Ureinwohner in der Region. Seine Wildwasser-Passagen locken heute abenteuerlustige Kanuten und Kayakfahrer in die Gegend. Während am Flussufer gelegentlich Elche zu sehen sind, und am Himmel Weisskopfseeadler nach Beute Ausschau halten, rauscht man auf dem Wasser durch gewaltige Stromschnellen.

Ein Weisskopfseeadler im Anflug. Bild: Tourism Saskatchewan, Brian M. Wolitski

Gemächlicher geht es an vielen der über 100'000 Seen der Provinz zu. Im Cypress Hills Interprovincial Park ist das Stand-Up Paddle Board ein geeignetes Fortbewegungsmittel, um einen Blick auf die bis zu 600 Meter hohen, mit Zypressen bewachsenen Hügel zu werfen.

Der Park im Südwesten der Provinz liegt weit entfernt von grossen Städten und Siedlungen, die Lichtverschmutzung bei Nacht ist dementsprechend äusserst gering. Beim Camping auf den fast naturbelassenen Zeltplätzen an den Seeufern erwartet einen nachts ein atemberaubender Sternenhimmel. An einem solchen Ort schmeckt der Fisch, den man nur wenige Stunden zuvor aus dem See geangelt hat, vom Grill noch besser.

Das landschaftliche Kontrastprogramm erfährt man im Grasslands Nationalpark. Zwar ist der Sternenhimmel bei Nacht ebenso beeindruckend, doch statt Fischen sollte man lieber nach Bisons, Gabelhornantilopen und anderen Prärie-Bewohnern Ausschau halten. Denn die weite, grasbewachsene grüne Fläche ist typisches Cowboy-Land. Sobald man sie erreicht hat, möchte man umgehend das Pferd satteln, mit Mundharmonika-Melodien in den Sonnenuntergang reiten und die Nächte in Tipis verbringen. Auch auf Dinosaurier trifft man in dieser Gegend, wenn auch nur auf deren Fossilien. Denn der Nationalpark, der im Süden an den US-Bundesstaat Montana grenzt, gilt als erstklassige Fundstätte urzeitlicher Skelette in Kanada.

Ein echtes Naturphänomen erleben Reisende am Little Manitou Lake. Ähnlich wie das Tote Meer im Nahen Osten hält der See eine aussergewöhnlich hohe Konzentration an Salz und anderen Mineralien. Ohne Mühe treibt man an der Oberfläche des Sees – ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Zudem ist das Bad im Little Manitou Lake mit einem Wellness-Ausflug gleichzusetzen, denn Magnesium, Kalium und Kieselerde im See verfügen über natürliche, hautpflegende Eigenschaften.

Keine Reise nach Saskatchewan ist komplett ohne einen Besuch im berühmten Prince Albert Nationalpark. Das fast 4000 Quadratkilometer grosse Areal ist im Sommer wie im Winter Austragungsort sämtlicher Outdoor-Aktivitäten. Auf so manchem See toben sich Wakeboarder und Wasserskifahrer aus, am Strandufer herrscht echtes Beach-Flair und auf den insgesamt 150 Kilometern Wanderweg taucht man ein in die einzigartige Landschaft des Prince Albert. Sobald der Schnee fällt zieren die Spuren von Skilangläufern die Pfade zu den gemütlichen Wildlife Cottages. Eine dieser Hütten wurde einst von dem bekannten Schriftsteller und Tierschützer Grey Owl bewohnt, der durch seine Beobachtung von Biberstämmen im Prince Albert Nationalpark weltweite Berühmtheit erlangte.

Saskatchewan ist zwar geprägt von Weite und Natur, doch auch den beiden grössten Städten der Provinz, Regina und Saskatoon, sollte man einen Besuch abstatten.

Einen Besuch wert: Regina. Bild: Tourism Saskatchewan, Greg Huszar Photography

Während Saskatoon mit der Vielzahl an Festivals, Kunstgalerien und Shopping-Möglichkeiten das kulturelle Zentrum der Provinz ist, birgt die Hauptstadt Regina eines der historischen Wahrzeichen Kanadas. Die berittene und in den traditionellen roten Jacketts gekleidete königlich-kanadische Polizei, Mounties genannt, hat ihre Ausbildungsakademie in Regina. Besucher können den in den Sommermonaten stattfindenden Paraden mit Voranmeldung beiwohnen – ein wahrlich kanadisches Erlebnis.

Dieser Artikel erschien zunächst auf REISEWELTEN, dem Reisemagazin des Fernreise-Spezialisten knecht reisen.