Im Reich der 10'000 Pingpong-Tische

Von Andreas Güntert
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2 der 10'823 Pingpong-Tische, die auf www.pingpongmap.net zu finden sind, stehen an der Limmatstrasse 90 in Zürich. Bilder: Der Internaut

Landschaften, Verkehrsnetze, Wanderwege: Für alles gibt es Online-Karte. Der Internaut hat die etwas exotischere Ausgabe getestet: Die Weltkarte der Tischtennis-Tische. 

Aus meinen Traveller-Zeiten ist es mir in allerbester Erinnerung geblieben: Es gibt kaum einen besseren Ort für ein spontanes Kennenlernen als den Ping Pong Tisch. Wo solche grün-weisse Dinger in Hostels, an Sprachschulen oder auf Dorfplätzen stehen, bildet sich schnell eine multikulturelle Runde. Man spielt, man lacht, man spricht.

Ping Pong ist wohl deshalb so völkerverbindend, weil es wenig Material und Können braucht. Du machst einfach mal mit. Darf ich kurz etwas philosophisch werden? Dann sag ichs so: Der Ping Pong Tisch ist ein Weltparlament, das die Menschen beim kleinsten gemeinsamen sportlichen Nenner abholt.

Mäxle, China,Ringelpietz, Rundgangerl

Vor allem beim Rundlauf-Spiel, auch als China, Mäxle oder Ringelpietz (besonders schön: das österreichische «Rundgangerl») bekannt, vereinen sich die Nationen. Du hast keinen Schläger? Egal, ein Buch oder ein Schneidebrett aus der Küche bringt Dich unkompliziert ins Spiel.

Was aber, wenn Du Lust hast auf ein wenig Tischtennis, aber nicht weisst, wo in Deiner Umgebung ein öffentlich zugänglicher Ping Pong Tisch steht? Easy: Dann schaust Du auf die weltweite Ping Pong Karte, die Ping Pong Map.

Das wunderbare Teil, programmiert vom Berliner Grafik- und Webdesigner Peter Ulrich, steht zwar schon seit dem Jahr 2006 im Internet. Aber der Internaut – shame on him – hat erst kürzlich davon erfahren. Wie mir Peter erzählt, sind aktuell weltweit zehntausendachthundertdreiundzwanzig Tische eingetragen. Ja genau: 10'823. Der gute Mann kommt vor allem durch sogenannten «User generated Content» zu seinen Informationen. Auf Deutsch: Leute auf der ganzen Welt suchen und finden Ping Pong Tische. Und melden das dann auf der Karte.

Auch verzeichnet: ein Pingpong-Tisch im Basler Gundeldinger-Quartier.

Wunderbar. Aber stimmt das auch? Der Internaut hat sich auf einen kleine Suche gemacht. Sorry, alle zehntausendachthundertdreiundzwanzig Tischtennis-Tische konnte ich nicht recherchieren. Aber zwei Locations in meinem persönlichen Wirkungskreis habe ich ausgecheckt.  Und zwar am Hauptbahnhof Zürich und am Bahnhof Basel SBB. Stehen dort wirklich Tische, so wie sie auf der Karte eingezeichnet sind?

Die simple Antwort: Ja, sie stehen dort. An der Limmatstrasse 90 – drei Gehminuten weg vom Hauptbahnhof – bin ich ebenso fündig geworden wie im Basler Gundeldinger-Quartier. Schon oft bin ich an diesen Orten durchmarschiert, ohne einen Blick auf die grün-weisse Schönheit.

Auch Billard-Tische und Töggeli-Kästen

Wie mir der Ping-Pong-Webmaster Peter Ulrich erzählt, kommen die meisten Einträge von den Usern. Unser Mann in Berlin prüft dann über Google Maps, ob da wirklich ein Tisch steht.

Nur ganz selten – etwa einmal pro Monat – komme es vor, dass die Angabe nicht stimme. Rein quantitativ sind weltweit die meisten Ping Pong Tische in Berlin und Deutschland eingezeichnet.

Wenn Du bis hierhin gelesen hast, bist Du vielleicht etwas unzufrieden. Weil Du Ping Pong zwar magst, aber eigentlich der Meinung bist, dass das wirkliche Uno-Weltparlament eher an Billard-Tischen oder Tischfussball-Kästen tage.

Da hab ich was für Dich. Es dürfte Dich nämlich interessieren, dass Peter Ulrich auch an solche Menschen gedacht hat. Auf der weltweiten Billard-Map zeigt er die nämlichen Tische, und auf der Kickerspots-Map die wunderbaren Kästen. Weil diese Karten erst 2011 online gingen, herrscht hier noch Entwicklungsbedarf. Der Aufruf kann hier eigentlich nur lauten: Misch Dich rein ins Spiel! Offline und Online.