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De Luxe Ventus Australis – Einmaliges Naturkino am Ende der Welt
Carsten K. RathPunta Arenas ist mehr als nur eine Hafenstadt - sie ist das Tor zum Ende der Welt. 1520 entdeckte Ferdinand Magellan diesen strategischen Durchlass zwischen den Ozeanen, der bis zur Eröffnung des Panamakanals die wichtigste Lebensader des Welthandels war. Der Reichtum, den Walfänger, Kapitäne und Schafbarone einst hierherbrachten, glänzt noch immer in den prachtvollen Villen der Stadt.
Heute weht in der 120'000-Einwohner-Metropole ein neuer Geist, eine Art modernes Goldgräber-Feeling. Doch das neue Gold ist grün: Neben der traditionellen Ölförderung und der Schafzucht ist die Region zum Vorreiter in der Produktion von synthetischen Kraftstoffen geworden. Zwischen diesen geschichtsträchtigen Fassaden und der futuristischen Energiepolitik beginnt meine Reise mit der «Ventus Australis».
Zwischen Naturwunder und «militärischer» Etikette
Hinter dem Kreuzfahrtschiff steht die chilenische Familie Lecaros-Menendez – wahre Pioniere, die mit ihrem Unternehmen Australis seit über 30 Jahren diese Gewässer befahren. Man spürt die Expertise: Die Ventus ist ein grundsolides Vier-Sterne-Plus-Haus auf dem Wasser.
Zeichneten die «101 Besten» auch Kreuzfahrtschiffe aus, würde es die Ventus sicher ins Ranking schaffen. Meine Kabine bietet auf rund 17 Quadratmetern ein hervorragendes 2x2-Meter-Bett und ein Fenster zur Welt: Eine riesige Panorama-Scheibe macht die patagonische Landschaft zum ständigen Begleiter.
Kulinarisch ist das Niveau ordentlich, das Housekeeping tadellos und die Laufruhe des Schiffes beeindruckend; selbst drei Meter hohe Wellen gleicht die Ventus Australis souverän aus.
Gewöhnungsbedürftig ist hingegen die Organisation, die fast schon militärische Züge trägt. Wenn die Crew beim Empfang wie eine Riege von Staatsgästen angekündigt wird und man als Gast zum Applaus aufgefordert wird, schmunzle ich als ehemaliger Grandhotelier.
Auch der Schutzwall, den die Rezeption um die ansonsten hervorragende Expeditionsleiterin Claudia errichtet, wirkt etwas deplatziert. Ein bisschen weniger Pathos um die eigene Mannschaft und ein bisschen mehr Nahbarkeit täten dem Service-Verständnis gut.
Digital Detox und das Erbe Shackletons
Aber sobald es heisst «Leinen los», beginnt ein Abenteuer, das einen zwangsläufig aus der Zeit fallen lässt. Das liegt an der atemberaubenden Route durch die Magellanstrasse und den Beagle-Kanal, aber auch am konsequenten Digital Detox. WLAN ist an Bord der Ventus Australis ein Fremdwort. Für jemanden wie mich, der gewohnt ist, «always on» zu sein, ist das im ersten Moment ein Schock. Was ich dabei lerne: Wer nicht auf den Bildschirm starrt, sieht mehr vom Horizont.
Und der hat es in sich. Das Expeditionsteam versteht es meisterhaft, die wilde Natur mit der Geschichte der Entdecker zu verknüpfen. Bewegend finde ich eine Dokumentation über Sir Ernest Shackleton, die abends im Bordkino läuft. Dass seine Männer nach der Zerstörung der Endurance im Packeis überlebten, verdanken sie auch Punta Arenas. Von hier aus koordinierte Shackleton 1916 die Rettung seiner Crew von Elephant Island.
Zwischen Pinguinen und blauem Eis
Natürlich ist eine Expedition in diesen Breiten immer ein Pakt mit den Elementen. Als die Fahrt zu den Tucker-Inseln und ihren Magellanpinguinen wegen des rauen Wetters abgesagt werden muss, schmerzt mich das kurz – doch die Natur lässt sich nicht terminieren. Die Exkursionen, die stattfinden konnten, waren dafür umso prägender.
Besonders die Einfahrt in die Pia-Bucht bleibt unvergesslich. Dort schiebt sich eine massive Gletscherzunge majestätisch von den Gipfeln der Cordillera Darwin hinunter bis ins eiskalte Meer.
Wenig später passieren wir die legendäre «Gletscher-Allee». Hier reihen sich massive Eisfronten aneinander, die nach europäischen Nationen benannt sind. Die Namen «Alemania», «Italia» und «Francia» sind ein Erbe der Forscher aus dem 19. Jahrhundert, die ihre Heimatländer so im ewigen Eis verewigten. Die Bordküche greift dieses Thema am Abend charmant auf. Das Küchenteam serviert kulinarische Miniaturen der jeweiligen Länder.
Dass es bei Deutschland ganz klassisch Bratwurst und Sauerkraut gibt, lässt mich schmunzeln – welch bodenständiger Kontrast zur erhabenen Einsamkeit Feuerlands.
Das Ende der Welt und ein digitales Wiedersehen
Nach einem Besuch des Kap Hoorn-Nationalparks heißt es Abschied nehmen vom Schiff. Wir laufen in Ushuaia ein, der südlichsten Stadt Argentiniens. Nach dem Ausschiffen geht es hinauf zum «Arakur Ushuaia Resort & Spa», das majestätisch im Naturschutzgebiet Cerro Alarkén thront.
Während ich in den beheizten Infinity-Pool gleite und auf die schneebedeckten Gipfel schaue, passiert es: Mein Smartphone vibriert. Nach Tagen der digitalen Isolation holt mich das kostenfreie WLAN des Arakur zurück in die Realität. Die Welt hat sich ohne mich weitergedreht, aber ich nehme ein Stück patagonische Gelassenheit mit in den Alltag.
Jetzt neu: Podcast – «Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101» von Carsten K. Rath, der bei den besten und spannendsten Gästen und herausragendsten Hoteliers hinter die Kulissen blickt.
Zum Autor
Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotel Rankings im deutschsprachigen die-101-besten.com ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für Travelnews schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor des Buches «Iconic Hotels of the World», das hier bestellt werden kann: