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Das 1908 fertiggestellte Nara-Gefängnis gilt als architektonisches Meisterwerk der Meiji-Ära – und ist bald als Luxus-Hotel. Bild: Nara Prison Museum

Hoshino Resorts verwandelt Gefängnis in Luxus-Refugium

Im Juni 2026 eröffnet in der japanischen Kulturmetropole Nara das «Hoshinoya Nara Prison». Wo einst Häftlinge der Meiji-Zeit untergebracht waren, residieren künftig anspruchsvolle Reisende in einem nationalen Kulturgut.

Japan-Reisende kennen Nara primär für seine verbeugenden Hirsche und den imposanten Daibutsu-Buddha im Todaiji-Tempel. Doch ab dem 25. Juni 2026 erhält die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Stadt eine Attraktion der besonderen Art: Das Hoshinoya Nara Prison. Es ist das zehnte Flaggschiff der renommierten Hoshino Resorts und markiert eine Premiere im japanischen Gastgewerbe – die Umwandlung eines historischen Strafvollzugs in ein Ultra-Luxushotel.

Das 1908 fertiggestellte Nara-Gefängnis gilt als architektonisches Meisterwerk der Meiji-Ära. Entworfen vom Architekten Keijiro Yamashita, besticht der Bau durch seine markante rote Backstein-Optik, elegante Kuppeln und Bogentore. Es ist das einzige der fünf grossen Gefängnisse aus dieser Epoche, das vollständig intakt geblieben ist.

2017 wurde der Betrieb eingestellt, doch statt des Abrisshammers folgte die Ernennung zum wichtigen nationalen Kulturgut. Hoshino Resorts hat das Gebäude seither behutsam restauriert, um den historischen Kern zu bewahren und gleichzeitig modernen Luxus zu integrieren.

Minimalismus auf 70 Quadratmetern

Die Transformation der Räumlichkeiten ist radikal. Aus den ehemaligen Einzelzellen entstanden 48 grosszügige Suiten. Wo früher Enge herrschte, dominieren heute hohe Decken und ein Design, das rohe Backsteinmauern geschickt mit warmer Holzvertäfelung kombiniert. Die «Deluxe Signature Suite» wurde aus insgesamt elf ehemaligen Zellen zusammengefügt. Auf 70 m² bietet sie neben einem privaten Ankleidezimmer auch eine kuratierte Auswahl an Büchern und Musik. Das exklusive Erlebnis hat seinen Preis – die Übernachtungsraten starten bei 233 US-Dollar pro Person.

Aus den ehemaligen Einzelzellen entstanden 48 grosszügige Suiten. Bild: Nara Prison Museum

Das Hotelkonzept setzt konsequent auf Immersion. Gäste können in die Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts eintauchen. Ein Café serviert westlich beeinflusste Gerichte der Meiji-Zeit. Zu den Aktivitäten gehören Parfüm-Mischkurse nach traditionellen Techniken, Rikscha-Touren durch Nara oder abendliche Drinks bei Grammophon-Klängen.

Parallel zum Hotel eröffnet das Nara Prison Museum. Unter der Leitung von Experten wie Taku Sato und Adrien Gardère beleuchtet die Ausstellung nicht nur die Architektur, sondern auch das Leben der Insassen und das japanische Strafvollzugssystem. «Der Besuch eines Gefängnisses mag unkonventionell klingen, doch das Erlebnis ist als kontemplativer Rückzugsort konzipiert, der zum Nachdenken über Freiheit und menschliche Werte anregt», lautet das Credo der Betreiber.

(TN)