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«Die Information kann ich dir besorgen.» Schnell sind derartige Zusagen gemacht. Bild: Fotolia

Verbindlichkeit ist eine Zier...

Von Felix Frei

«Ich werde mich darum kümmern.» «Klar, die Auswertung haben Sie bis morgen.» Psychologe Felix Frei schreibt über nicht eingehaltene Zusagen – und darüber, wie schnell Ihr Ruf beim Chef ruiniert ist.

Wohl jeder von uns hat so seine Liste von Dingen, die ihm wirklich auf den Geist gehen. Die Aufzählung der Beispiele aus der Zusammenarbeit im beruflichen Alltag dürfte da lang und vielfältig sein. Und weit oben steht sicherlich bei vielen die üble Erfahrung, sich nicht auf jemanden verlassen zu können.

«Klar, die Auswertung haben Sie bis morgen.» «Ich werde mich darum kümmern.» «Die Information kann ich dir besorgen.» Schnell sind derartige Zusagen gemacht, und im Moment sind sie – so ist wenigstens zu hoffen – auch wirklich ernst gemeint. Wenig später aber stellt man fest, dass die Person, die ihre Zusage in einem ganz verbindlichen Ton, ohne Wenn und Aber, geäussert hat, einfach nicht liefert.

Bestenfalls erhält man auf Nachfrage ein entschuldigendes «Oh, sorry, das habe ich ganz vergessen» und manchmal nicht einmal das. Schlimmstenfalls werden einem Ausreden aufgetischt, die so faul sind, dass man sich unweigerlich die Nase zuhält. Ärgerlich. Mehr als ärgerlich.

Vier Besonderheiten

Die Sache mit der Verbindlichkeit (Sie können auch Verlässlichkeit oder Zuverlässigkeit sagen) hat zumindest vier interessante Besonderheiten:

Erstens existiert sie nur, wenn sie nicht existiert. Wenn Ihre Kollegin zugesagt hat, eine Auswertung bis morgen zu liefern, und sie dann morgen liefert, dann denken Sie nicht: «Wow, die ist verbindlich.» Wenn ein Kollege aber einige Mal nicht gehalten hat, was er Ihnen zugesagt hat, dann rutschen seine Zusagen bei Ihnen in die Schublade «unverbindliches Gerede, auf das man sich nicht verlassen kann».

Zweitens ist Verbindlichkeit etwas, das im konkreten Einzelfall wichtig ist, aber nur aus einer langen Reihe von gemachten (guten) Erfahrungen hergeleitet wird. Man weiss dann einfach: «Wenn der das sagt, dann gilt das auch». Leider verträgt solch eine lange Reihe nur ganz wenige Ausnahmen.

Drittens ist Verbindlichkeit eine der wenigen Tugenden, von denen es kein Zuviel gibt. Während es ja sehr wohl ein Zuviel an Ehrlichkeit, Offenheit, Intelligenz, Schnelligkeit usw. gibt (man wird dadurch vielleicht verletzt oder fühlt sich blamiert oder beschämt), freut man sich über totale Verbindlichkeit.

Viertens kommt ein Mangel an Verbindlichkeit stets nur bei anderen Menschen vor: Bei anderen sehen wir einen Mangel an Verbindlichkeit schnell. Bezogen auf uns selbst hingegen haben wir alle wohl eher einen blinden Fleck – bis sich jemand bei uns beschwert, natürlich, aber da fallen uns dann allerlei Ausreden ein.

Kurzum: Nicht nur bei Ihren Kollegen, vor allem auch bei Ihrem Chef ruinieren Sie Ihren Ruf rasch, wenn Sie nicht haargenau auf Ihre Verbindlichkeit achten. Und ringsum holen Sie sich die schönsten Lorbeeren, wenn Sie ohne jegliche faule Ausreden einfach wirklich verbindlich sind.

Deshalb geht mein Titel ja auch nicht zu Ende wie der berühmte Spruch aus dem Volksmund «Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.» Hier heisst es vielmehr: Verbindlichkeit ist eine Zier, und weiter kommt man nur mit ihr.