Karriere

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Der StudyTrip@Sea konnte dieses Jahr erneut nicht auf hoher See stattfinden. Nach dem zweitägigen Seminar lockte jedoch eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee zum gemütlichen Ausklang. Alle Bilder: zVg

Das war der StudyTrip@Sea 2021

Am Beispiel der Herausforderungen der Hochseeschifffahrt und Kreuzfahrtbranche wurden die Studierenden des BZLU Bildungszentrum Luzern während zwei Tagen geschult, aktuelle komplexe wirtschaftliche und touristische Zusammenhänge zu verstehen, zu reflektieren und Lösungsansätze zu entwickeln.

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage verlegte das BZLU Bildungszentrum Luzern seinen StudyTrip@Sea, der auch dieses Jahr in Partnerschaft mit der estnischen Reederei Tallink Silija Line durchgeführt wurde, ins Auditorium Hans Erni des Verkehrshauses der Schweiz.

Patrick Rüedi, Inhaber und Direktor des BZLU Bildungszentrum Luzern eröffnete das Seminar, indem er die Wichtigkeit betonte, sich kritisch, aber dennoch optimistisch mit Herausforderungen auseinanderzusetzen und innovative Lösungsansätze zu entwickeln.

Seminarleiter Thomas P. Illes brachte die Seminarinhalte den andächtig zuhörenden knapp 100 Studierenden der HFT Höheren Fachschule für Tourismus Luzern sowie der HFW Höheren Fachschule für Wirtschaft Luzern folgendermassen auf den Punkt: «Aufgrund der Wichtigkeit von Umwelt-, Nachhaltigkeits-, Klima-, Sicherheits- sowie Kommunikationsthemen vermitteln wir unseren Studierenden das nötige Wissen und Können, um im Umgang mit zukünftigen wirtschaftlichen Herausforderungen neue Perspektiven und Kompetenzen zu entwickeln.»

Knapp hundert Studierende waren im Verkehrshaus Luzern anwesend.

Was das für ihre eigene Berufspraxis bedeuten könnte, wurde den Studierenden nach und nach bewusst. So manche erkannten nach einer Weile die vorher unterschätzte thematische Breite, Komplexität und Relevanz der Hochseeschifffahrt sowie ihre elementare Bedeutung als Rückgrat des Welthandels. Seminarleiter Thomas P. Illes schaffte es mit seiner langjährigen Moderationserfahrung, seinem Fachwissen, seiner Eloquenz und Empathie sowie seinem feinen Humor gekonnt, packend durch ein geballtes und vielfältiges Programm zu führen und die Studierenden in rege Diskussionen und Diskurse mit einzubeziehen.

Hochkarätige Gastreferenten

Massgeblichen Anteil am Erfolg des Seminars hatten auch die eingeladenen Gastreferenten. Marina Selikowitsch, Business Development Director von Tallink Silja GmbH Hamburg, diskutierte mit den Studierenden mögliche Verbesserungen in der Nachhaltigkeitsbilanz, nahm von ihnen interessante Vorschläge auf und stellte in der Folge bereits getroffene sowie zukünftige Massnahmen ihres Unternehmens in einem seit jeher nachhaltigkeitsfokussierten Umfeld wie Skandinavien und dem Ostseeraum vor. Dimitra Vlachou, ausgewiesene Marketing-, Kommunikations- und PR-Fachfrau mit Erfahrung in diversen leitenden Stellungen in griechischen und zypriotischen Tourismus- und Kreuzfahrtunternehmen, schlug die Brücke nach Südeuropa, zeigte Best Practice Beispiele und die Learnings in Sachen Krisenkommunikation bei Schiffsunfällen. Ebenso teilte sie ihre Erfahrungen mit ihrem Start-Up Hospitality Stories, mit dem sie nachhaltigeren, authentischeren und individuelleren Tourismus in Griechenland und der Türkei fördern will, wie Travelnews bereits einmal berichtete.

BZLU Inhaber und Direktor Patrick Rüedi (rechts) und die diesjährigen Gastreferenten Pythagoras Nagos, Marina Selikowitsch und Dimitra Vlachou.

Pythagoras Nagos, der ehemalige Schweizer Länderchef von MSC Kreuzfahrten und international tätige Unternehmens- und Strategieberater für Schifffahrts- und Tourismusunternehmen, präsentierte spannende Fakten, Thesen und Learnings zum erfolgreichen Restart diesen Sommer von Griechenland und der Region des östlichen Mittelmeers als touristischen und wirtschaftlichen Hot Spot für eine mögliche Post-Corona-Phase. Travelnews hat bereits zur Pandemie mit dem Experten im Rahmen eines Interviews über mögliche Auswirkungen gesprochen.

Aktiver Miteinbezug der Studierenden

Hoch geschätzt von den Studierenden wurde, wie flexibel auf ihre Diskussionsbedürfnisse zu kontroversen Themen und unter anderem das Trainieren der Grundlagen ihrer Medienkompetenz eingegangen wurde. So meisterten sie unter anderem die Aufgabe, zum Thema Kreuzfahrten und Umwelt in diversen Medien zu recherchieren, ihre Resultate in einem Panel auf der Bühne zu präsentieren und diese anhand des aktuellen Stands der technischen Möglichkeiten und Optionen einem Faktencheck zu unterziehen und zwischen Vorurteilen, reisserischen Schlagzeilen, Interpretationen und Fakten zu unterscheiden.

Oder eigene Standpunkte zu entwickeln, als Seminarleiter Thomas P. Illes TV-Ausschnitte mit seinen gemachten Aussagen denjenigen von prominenten Influencern wie des Philosophen Richard David Precht, des Soziologen Harald Welzer, des Zukunft- und Trendforschers Matthias Horx oder des Satirikers Dieter Nuhr gegenüberstellte und aufzeigte, wie vermeintlich unvereinbar, zuweilen aber auch faktisch fragwürdig über das gesellschaftsrelevante Spannungsfeld zwischen Wirtschaftswachstum, Technologiegläubigkeit, Mobilität, Nachhaltigkeit, Klimakrise und angeregtem notwendigem Verzicht debattiert wird.

Die Studierenden wurden beim Workshop aktiv von Seminarleiter Thomas P. Illes (ganz rechts) mit einbezogen.

Ungewohnt aber inspirierend

Für viele Studierende war diese Art der Informationsbeschaffung und Meinungsbildung laut ihren eigenen Aussagen ungewohnt und inspirierte sie, sich zukünftig vermehrt und aktiver damit auseinanderzusetzen, vieles kritischer, gleichwohl fundierter zu hinterfragen und eine breitgefächerte Diskussionskultur anzustreben. «Wenn Sie wissen, wie Ihre Zielgruppen in Sachen Mediennutzung ticken», wandte sich Seminarleiter Thomas P. Illes an die Studierenden, «sind Sie im Vorteil. Vor allem aber können Sie massgeblich an der konkreten Umsetzung zukünftiger nachhaltiger Wirtschaftskonzepte beteiligt sein. Der Schlüssel dazu ist unter anderem eine gute und fundierte Informationsbeschaffung und -verarbeitung.» BZLU Direktor Patrick Rüedi ergänzte: «Informieren Sie sich, setzen Sie sich kritisch mit der Lage auseinander und gestalten Sie die Zukunft pro-aktiv mit».

Ein weiterer zentraler Programmpunkt, bei dem landgestützte Unternehmen und Betriebe viel von der Schifffahrt lernen können, war das von der Luftfahrt übernommene Themenfeld BRM/CRM Bridge/Crew Resource Management. Dieses zielt darauf ab, Teamwork, Vertrauen, Kooperation, Methodik, situative Aufmerksamkeit, Führungsverhalten, Entscheidungsfindung und die Kommunikationskultur unter der Brückenbesatzung von Hochseeschiffen unter Einbindung der restlichen Schiffscrew zu schulen, damit eine effektive Zusammenarbeit im ganzheitlichen System «Schiffsführung» gewährleistet und Unfälle vermieden werden können.

Auf dem Vierwaldstättersee nutzten die Studierenden die Gelegenheit, sich mit Pythagoras Nagos, dem ehemaligen Schweizer Länderchef von MSC Kreuzfahrten, zu unterhalten.

Ein wichtiger Teilbereich des BRM ist die Förderung einer teamorientierten Fehlerkultur, die Aufteilung von Aufgaben und die Absprache darüber, wer welche Rollen und Aufgaben übernimmt. Der Kapitän – erfreulicherweise immer mehr auch die Kapitänin – soll zwar weiterhin das letzte Wort haben, die übrigen Besatzungsmitglieder aber viel stärker in Entscheidungen und Verantwortungen eingebunden werden. Wie etliche Studierende in einer weiteren lebhaften Diskussionsrunde auf der Bühne herausarbeiteten, wenden einige Firmen und Branchen dieses Prinzip der teamorientierten Führung bereits teilweise oder ganzheitlich an. Für viele andere dürfte es einen Paradigmenwechsel bedeuten.

Ausklang auf dem Vierwaldstättersee

Nach zwei Tagen mit einer geballten Ladung an Input fand das Seminar seinen Ausklang bei einem Sonnenuntergangs-Apéro auf dem MS Diamant vor beeindruckender Zentralschweizer Kulisse auf dem Vierwaldstättersee. Da das diesjährige Seminar nicht wie üblich an Bord der komfortablen und innovativen Kreuzfahrtfähren von Tallink Silja Line von Stockholm über Helsinki nach Tallinn und zurück durchgeführt werden konnte, wurde dem Seminarnamen der Zusatz «ashore» (engl.: an Land) verpasst. Zumindest auf der Minikreuzfahrt «on the lake» zeigte sich aber anhand der fröhlich-entspannten Gesichter, dass ein Ausflug auf einem heimischen Binnengewässer zwar kein Ersatz für das Meer, aber wenigstens ein akzeptables Trostpflaster sein konnte. Und dem engagierten und erneut regen Austausch zwischen den Studierenden, Gastreferenten sowie der Seminar- und BZLU-Leitung war zu entnehmen, dass das Seminar einmal mehr als voller Erfolg und wertvolle Erfahrung mit zahlreichen neuen Lernerfahrungen für alle Beteiligten gewertet werden durfte, welches noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Manchen hat es laut eigenen Aussagen in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet und buchstäblich den Horizont erweitert. Das abschliessend schönste Kompliment stammte wohl von einem Studierenden, der auf dem Sonnendeck meinte: «Jetzt, wo wir gegen Ende das komplexe Ineinandergreifen vieler uns vorher nicht bewusster Zusammenhänge und immer mehr das ganzheitliche Bild erkannten, wäre es spannend und schön gewesen, nochmals eine Diskussionsrunde zu eröffnen ...». Für das BZLU Bildungszentrum Luzern und seine Partner kann das nur eines bedeuten: Schiff ahoi & see you again next year – dann hoffentlich wieder auf hoher See!

(TN)