Karriere

Lukas_Keiser.jpg
Lukas Keiser gibt sein Amt als Schulleiter der HFT Luzern in den kommenden Monaten ab. Im Interview spricht er über die vielseitige Tätigkeit. Bild: HO

«Wichtig ist, dass man in den Startlöchern steht»

Von Nina Wild

Lukas Keiser ist noch-Schulleiter der Höheren Fachschule für Tourismus in Luzern. Dieses Amt wird er in den kommenden Monaten niederlegen, aber weiterhin als Geschäftsführer des Bildungszentrums Luzern agieren. Im Interview sagt er, wie die Pandemie den Alltag an der Bildungseinrichtung verändert hat und wieso jetzt der beste Zeitpunkt für ein Tourismusstudium ist.

Herr Keiser, die Pandemie hat die Welt noch immer fest im Griff und der Reiseverkehr ist weitgehend stillgelegt. Was spricht aus Ihrer Sicht dennoch dafür, gerade jetzt eine weiterführende Ausbildung im Tourismus zu starten?

Lukas Keiser: Ich glaube, dass es aktuell eine riesige Chance ist. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas abstrakt in der jetzigen Situation, aber ich bin überzeugt, dass eine Tourismuswelle auf uns zukommen wird. Spricht man dies bildlich, ist diese zwar noch weit weg am Horizont, aber sie türmt sich auf. Ich bin sicher, dass die Reiserei in absehbarer Zeit wieder losgehen wird. Wenn es soweit ist, finde ich es wichtig, dass es top ausgebildete Touristiker und Touristikerinnen auf dem Markt gibt, welche mit den neusten Skills ausgerüstet sind. Der Tourismus verändert sich und wird nicht mehr so sein wie vorher. Themen wie die Digitalisierung oder Nachhaltigkeit werden in Zukunft eine matchentscheidende Rolle spielen und im Tourismusgeschehen präsent sein. Gerade in diesen Bereichen können die Höheren Fachschulen für Tourismus die Studierenden sehr gut vorbereiten und ausbilden. Unsere Abgänger können den Tourismus von morgen mitentwickeln, aufbauen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Vermehrt wird wohl auch der Inlandstourismus in den Fokus rücken. Auf alle diese Bereiche können wir in der Weiterbildung Bezug nehmen und die Studierenden vorbereiten. Wer jetzt eine Ausbildung startet, hat seinen Abschluss in zwei Jahren. Dann wird der Tourismus zurück sein.

Wie steht es aktuell um die Nachfrage für einen Studienplatz an der Höheren Fachschule für Tourismus Luzern?

Es liegt eine gewisse Zurückhaltung und Unsicherheit in der Luft. Wir führen deshalb mehr individuelle Beratungsgespräche durch und spüren, dass der persönliche Austausch wichtiger geworden ist. Die Interessenten rufen uns an, wird organisieren Videogespräche oder vereinbaren Gesprächstermine in unseren Räumlichkeiten. Die Leute versuchen herauszuspüren, ob momentan der richtige Zeitpunkt ist, um einzusteigen. Auch werden die Anmeldungen kurzfristiger gemacht. Es ist wichtig, dass wir mit den potenziellen Studierenden regelmässig im Austausch stehen. Ein grosses Thema ist auch der Präsenz- und Online-Unterricht. Seit dieser Woche begrüssen wir die Studierenden wieder vor Ort. Die Hälfte des Unterrichts findet nun wieder physisch in Luzern und der Rest zuhause online statt. Das gibt den Studierenden eine gewisse Sicherheit und wird von ihnen auch sehr geschätzt.

«Der Unterricht wird künftig anders sein als bisher.»

Welche Veränderungen in Bezug auf die Ausbildung haben Sie in den letzten Monaten beobachtet?

Es hat sich einiges verändert. Ich würde sagen, dass gewisse Kompetenzen wichtiger geworden sind. Gerade die Selbstkompetenz ist durch den Online-Unterricht noch wichtiger. Die Studierenden müssen sich selber organisieren und sich gewisse Arbeitstechniken aneignen, worin wir sie unterstützen. Das wird auch in Zukunft so sein. Der Unterricht wird künftig anders sein als bisher. Es wird grösstenteils Präsenzunterricht geben, davon bin ich überzeugt und dies zeigen auch verschiedene Entwicklungen. Aber es wird auch ein Teil der Ausbildung online abgehalten werden.

Gab es durch die Pandemie auch Veränderungen im Lehrstoff?

Wir haben auch inhaltliche Änderungen vorgenommen. Im Fach Kommunikation wird ab dem nächsten Schuljahr auch die Krisenkommunikation behandelt. Die letzten Monate haben uns gezeigt, wie wichtig Kommunikation gerade im Tourismus ist. Wir haben zudem neue Formate entwickelt, die auch in Zukunft fortbestand haben werden. Dazu gehört beispielsweise die Lunch-Break-Session. In der Mittagspause behandeln hierbei Experten ein touristisches Thema. Weiter haben wir verschiedene Seminare online abgehalten – oder zwischen Juli und Oktober sogar vor Ort, als dies möglich war.

Als sich die Situation hierzulande im Winter wieder verschlechtert und der Bundesrat neue Massnahmen ergriffen hat, mussten wir wieder umdisponieren und ein Alternativprogramm für das Alternativprogramm planen. Das war eine grosse Herausforderung für uns, aber dadurch sind wir auch noch flexibler geworden. Auch eine Input-Reihe haben wir ins Leben gerufen. Dort geben Experten den Studierenden Tipps für die Stellensuche. Wir haben uns der Situation angepasst und gleichzeitig die Ängste und Sorgen der Studierenden abgeholt und sie unterstützt.

«Jetzt ist der richtige Moment, um sich möglichst gut und professionell aufzustellen für die Zeit nach Corona.»

Wie sieht es aktuell aus mit Jobaussichten für die Lehrabgänger? Man hört im Moment ja eher, dass Stellen im Tourismus abgebaut werden. Kürzlich hat die Swiss verlautet, dass mehrere hundert Jobs im Unternehmen verloren gehen…

Diese Bedenken sind sicher berechtigt und die Studierenden sind unsicher. Solche Hiobsbotschaften wie von der Swiss sind natürlich nicht förderlich. Die Entlassungen werden leider ziemlich sicher auch einige unserer Studenten treffen. Wir haben gewisse Studierende, welche aktuell in Kurzarbeit sind und andere, die ihren Job verloren haben. Doch wir versuchen positiv zu bleiben, in dem wir für die Zukunft arbeiten. Jetzt ist der richtige Moment, um sich möglichst gut und professionell aufzustellen für die Zeit nach Corona. So ist man eine Nasenlänge vor der Konkurrenz und ergattert vielleicht einen besseren Job. Mit unserem Input-Seminar haben wir das Ziel verfolgt, aufzuzeigen, um welche Details es bei der Stellensuche geht. Denn die Welle wird kommen, da sind wir uns alle einig. Die Frage ist nur noch wann – aber wichtig ist, dass man in den Startlöchern steht. Darauf bereiten wir unsere Studenten vor.

Haben die Studierenden weitere Bildungsmöglichkeiten an der HFT Luzern?

Wir haben ein neues Angebot lanciert für Tourismusfachleute, welche einen HF Abschluss verfügen. Diese können bei uns ein Zusatzstudium absolvieren und innert weniger als einem Jahr den Titel dipl. Betriebswirtschafter/in HF erarbeiten. Diese Zusatzausbildung wird im Sommer lanciert und wir spüren bereits jetzt eine grosse Nachfrage. Die Absolventen können sich noch besser qualifizieren und in eine höhere Funktion im Tourismus einsteigen – oder sich ein zweites Standbein in der Wirtschaft aufbauen, um sich für die Zukunft besser abzusichern. Das wird sehr geschätzt und in Anspruch genommen.

«Stillstand ist für uns etwas vom schlimmsten.»

Welches waren für Sie als Schulleiter die grössten Herausforderungen in den letzten Monaten?

Eine grosse Herausforderung war sicherlich, den direkten Kontakt zu den Studierenden nicht zu verlieren. Wenn die Studierenden hier in der Schule präsent sind, kann auch der persönliche Kontakt gepflegt werden, man weiss wie sie sich fühlen und kriegt die Sorgen mit. Der Online-Unterricht birgt die Gefahr, dass einerseits die Dynamik verloren geht und es andererseits schwierig ist mitzubekommen, was die Studenten beschäftigt. Die Kommunikation und Führung auf Distanz ist herausfordernd. Um dem entgegenzuwirken, habe ich mich einmal monatlich mit den Klassensprechern für den Online-Austausch verabredet. So konnte ich Verbesserungsvorschläge entgegennehmen und direkt an die Dozierenden weitergeben oder selber umsetzen.

Sie geben Ihr Amt als Schulleiter in den kommenden Monaten ab. Was darf Ihr Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin von dieser Tätigkeit erwarten?

Eine hochinteressante Stelle, ein Bildungsgang der einwandfrei funktioniert und durchwegs positive Feedbacks erhält. Sowohl das Dozenten- als auch das Administrationsteam sind überaus motiviert und eingespielt. Auch die Studierenden leisten tolle Arbeit, sind hochmotiviert, begeisterungsfähig und ehrgeizig. Unser Unternehmen läuft gut und ist stabil, was für die neue Persönlichkeit ein guter Einstieg ist. Die zukünftige Schulleiterin oder der zukünftige Schulleiter hat bei uns viele Gestaltungsmöglichkeiten. Wir suchen deshalb jemanden, der unternehmerische Fähigkeiten hat, kreativ ist und neue Ideen mitbringt. Denn auch in der Vergangenheit haben wir uns immer wieder weiterentwickelt. Stillstand ist für uns etwas vom schlimmsten. Deshalb ist jemand gefragt, der Lust und den nötigen Drive hat, mit uns diesen weiteren Weg zu gehen.

Wie sehen Ihre beruflichen Zukunftspläne aus?

Die HFT Luzern gehört nebst der HFW und der SEITZ zum BZLU Bildungszentrum Luzern. Ich übernehme die Funktion als Geschäftsführer und werde mit dem Direktor Patrick Rüedi das Bildungszentrum Luzern führen. Wir sind bereit für die Zukunft.