Karriere

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Begeisterung am Lernen. Foto: Mayk Wendt

Sponsored Studierende entwickeln touristische Edutainment-Angebote zum Gletscherrettungsprojekt «MortAlive»

Von Krimi-Lunch bis Kunstaustellung – Studierende der Höheren Fachschule für Tourismus (HFT) Graubünden entwickeln interessante Tourismusangebote für das Engadin. Dabei gilt es nicht nur Ideen zu generieren, die Angebote zu konzipieren und zu budgetieren, sondern auch Finanzierungen auszuloten und Partnerschaften aufzubauen. Patinnen und Paten aus der Praxis stehen beim handlungsorientierten Unterricht mit Rat und Tat zur Seite.

Bereits in einem früheren Artikel wurde auf die Bedeutung der Handlungsorientierung und den engen Praxistransfers an den Höheren Fachschulen hingewiesen. Zusätzlich dazu integriert die HFT Graubünden konsequent die Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den Lehrplan und weist sie fächerspezifisch aus. Im Unterricht werden bewusst Möglichkeiten geschaffen, damit die Studierenden kritisch-konstruktiv und vernetzt denken, Verantwortung übernehmen und Handlungsspielräume nutzen lernen. Denn der Tourismus tangiert jegliche Themen der sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit. So ist auch das Projektmanagement an unmittelbare Anwendungsmöglichkeiten gekoppelt. Das Gletscherrettungsprojekt «MortAlive», das in den letzten Monaten mehrfach in den Medien war, bietet eine ideale Anknüpfung zur Entwicklung nachhaltiger Tourismusangebote.

Projektarbeit auf der Diavolezza. Foto: Mayk Wendt

Nachhaltigkeitsrelevante Themen erlebbar machen

Gletscherschmelze und Trinkwassersicherheit sind keine Themen, mit denen sich eine Touristin resp. ein Tourist primär auseinandersetzen möchte. Dennoch, verantwortungsbewusste Reisende lassen sich von vermeintlich negativ belasteten Themen nicht irritieren und schätzen einen Blick hinter die Kulissen der touristischen Inszenierung. Diese Entwicklung gilt es aufzugreifen und in interessante Tourismusangebote zu integrieren. Der Morteratschgletscher, bereits heute ein Highlight des touristischen Erlebens im Oberengadin, dient den Studierenden als Leitmotiv in ihren Projekten.

Lernen und dabei der eigenen Neugier folgen

Sinnhaftes Lernen ist, wenn Bedürfnisse und Motive von Lernenden so mit den Unterrichtszielen in den Einklang gebracht werden, dass Begeisterung, Interesse und Spass an der Sache gefördert werden. Es ist keine neue Erkenntnis, dass Menschen, folgen sie ihrer eigenen Neugier, viel schneller, intensiver und mit mehr Engagement und Motivation lernen. Diese neuen Ausrichtungen in Lerninhalten werden an der HFT Graubünden aktiv eingesetzt. Am Beispiel zweier Projekte im Rahmen des Grossprojektes zur Gletscherrettung «MortAlive» werden diese neuen Kompetenzen verdeutlicht. Die Dozierenden im Fach Projektmanagement stellen sich hier bewusst in die zweite Reihe. Der Auftrag an die Studierenden in der ersten Studienwoche lautet: Ein touristisches Angebot zu entwickeln, das die Besucher/innen auf positive Art auf das Thema «Gletscherschmelze und Trinkwassersicherheit» sensibilisiert. Unter Zuhilfenahme von «Design Thinking Methoden» werden kreative Ideen entwickelt. Die Studierenden präsentieren ihre beste Idee in einer Kurzpräsentation, einem sog. «Pitch» vor einer Jury und erhalten ein ehrliches Feedback zur Machbarkeit. Daraufhin werden ausgewählte Angebote weiter konzipiert und budgetiert. Die Ideen, die am meisten Erfolg und auch eine mögliche Finanzierung versprechen, können in der Folge zur Durchführung gebracht werden. Für die Durchführung melden sich die Studierenden freiwillig und werden dabei von Dozierenden fachlich gecoacht und von Mentorinnen und Mentoren aus der Praxis unterstützt, die ihr Netzwerk und Know-how zur Verfügung stellen.

Krimi-Lunch «Mord am Gletscher»

Das Krimi-Lunch-Angebot «Mord am Gletscher» verspricht ein rasantes und informatives Edutainment-Programm rund um die Gletscherwelt der Diavolezza. Die acht Protagonisten des Krimis erleben sowohl eine Hundeschlittenfahrt ab der Talstation, besuchen das Virtual Reality Experience Besucherzentrum und erfahren durch einen informativen Fachinput die Grundidee hinter dem «MortAlive»-Projekt, welches daran forscht, die Gletscherschmelze am Morteratschgletscher um Jahrzehnte aufzuhalten. Dabei wird deutlich, dass die Engadiner Erkenntnisse für die Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung in anderen Berggebieten der Welt (Himalaja, Anden) sehr hilfreich sein könnten. Die Studierenden des Projekts haben ein eigenes Krimidrehbuch geschrieben, nach welchem es gilt, der Täterschaft am Ende des Drei-Gang-Lunches auf der Diavolezza-Bergstation auf die Spur zu kommen. Die Talente der Studierenden werden deutlich – so gibt es nicht nur solche, die gerne schreiben und organisieren, auch eine international erfolgreiche Musherin befindet sich im Projektteam.

Alternativen entwickeln lernen

Eine Kompetenz, die sich ausgelöst durch die ständige Unsicherheit im Covid-19-Setting – als äusserst relevant herauskristallisiert hat, ist die Fähigkeit, in Szenarien zu denken und zusätzlich einen Plan B und C vorzubereiten. So war erst ein Krimi-Dinner geplant, was aber durch geschlossene Restaurants nicht durchführbar war. Auch sollte das Angebot im April, mit acht Vertreterinnen und Vertretern der touristischen Leistungsträger und der Presse, stattfinden. Ihre kritisch konstruktiven Rückmeldungen sollten helfen, dass das Angebot bis ins Detail finalisiert wird und so auch in Zukunft weitere Gäste begeistern kann. Aufgrund der aktuellen Situation mussten die Studierenden den Anlass auf den kommenden Winter verschieben. Sie hoffen aktuell aber, dass zumindest die Schlittenhundefahrt durchgeführt werden kann.  

Die Chance, die im Nicht-Gelingen liegt

Es ist durchaus praxisnah, dass Projekte nicht zur Durchführung kommen. Die Ursachen sind vielseitig. Entweder lässt sich eine Finanzierung nicht auf die Beine stellen, das Angebot ist zu wenig einzigartig, es lässt sich nicht mit den aktuell gültigen «Covid-19-Massnahmen» vereinbaren oder die Zusammenarbeit in der Gruppe oder mit Partnern erweist sich als schwierig. Aber gerade aus diesen herausfordernden Situationen lernen die Studierenden für die Zukunft. So gehört es zum Leistungsnachweis, dass das Projekt und die jeweilige Gruppenleistung begleitet und in geschütztem Rahmen reflektiert wird und so wichtige Erkenntnisse für die Zukunft abgeleitet werden. Gerade dieser Schritt der «auferlegten» Reflexion der Gruppendynamik ist in Zeiten des «Distance-Learnings» umso wichtiger, da die Chance, dass man dem Konflikt ausweicht, um ein Vielfaches höher ist.

Kunstaustellung «Art Dschieta»

Eine andere Studiengruppe plant die Durchführung einer Kunstausstellung unter dem Namen «Art dschieta» – Rätoromanisch für gefrorene Kunst. Ziel ist es dabei, die Besucherinnen und Besucher auf die Wichtigkeit der Gletscher als Süsswasserspeicher hinzuweisen und ein Bewusstsein für das Schwinden der Gletscher zu schaffen. Einerseits soll das Projekt Kunstschaffenden aus der Region eine Plattform bieten, andererseits soll das Gletscherrettungsprojekt «MortAlive» unterstützt werden. Geplant ist die dreiwöchige Ausstellung in St. Moritz im Oktober 2021. Die Herausforderung dieser Gruppe besteht einerseits darin, Kunstschaffende zu finden, die sich am Projekt beteiligen, andererseits darin, die Finanzierung der Ausstellung sicherzustellen. Dabei lernen die Studierenden, durch Mentoren aus der Praxis begleitet, wie Anträge an Gemeinden und Stiftungen geschrieben werden müssen und welche Fristen einzuhalten sind.

Zeit für neue Perspektiven – mehr als Tourismus studieren

Projektarbeit an der HFT Graubünden. Foto: Fabian Gattlen © Academia Engiadina AG

Die Angebotsvielfalt der Höheren Fachschule für Tourismus (HFT) Graubünden

Die HFT Graubünden setzt nebst den modernsten Lerninhalten und dem direkten Praxistransfer auf eine breit gefächerte Ausbildung. So stehen nicht nur tourismusrelevante, sondern auch betriebswirtschaftliche Themen im Fokus. Denn gerade in der heutigen Zeit ist ein breit abgestütztes Know-how gefragt.

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(TN)