Karriere

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Die Situation für Lehrabgänger in der Reisebranche ist frustrierend. Bild: Adobe Stock

Weniger als die Hälfte der Lehrabgänger konnten bleiben

Schwierige Situation für Reisebüro-KV-Absolventen: Berufsberater raten, einen Branchenwechsel in Betracht zu ziehen. Von den 69 Absolventen bei den Top Five Reiseunternehmen erhielten nur 34 einen Job, zeigt die Recherche von Travelnews.

Das Bruttoinlandprodukt ist im zweiten Quartal um acht Prozent gesunken, der Wirtschaft geht es schlecht. Davon betroffen sind vor allem auch junge Arbeitnehmende. Das SRF-Wirtschaftsmagazin Eco nahm sich am Montag der Problematik an und hat die dreiteilige Serie zunächst mit einer KV-Absolventin der Reisebranche begonnen.

Für Laura de Angelis, die ihre KV-Lehre bei Globetrotter Luzern erfolgreich abgeschlossen hat, gibt es bei ihrem Arbeitgeber keine Weiterbeschäftigung mehr. Beim Gang zur Berufsberatung wird ihr nahegelegt, einen Berufs- oder Branchenwechsel ins Auge zu fassen. Die Reisebranche müsse sie wohl hinter sich lassen, sagt eine BIZ-Beraterin. Nun denkt Laura de Angelis auch über Jobs im Treuhand oder in der IT nach. Das ist nur ein Schicksal von vielen.

ETH-Forscherin Ursula Renold hat neulich 3000 Lehrbetriebe über alle Branchen hinweg gefragt, wie sich die verfügbaren Stellen für Lehrabgänger entwickelt haben: das Resultat ist ernüchternd. In diesem Sommer wurden 16 Prozent weniger Lehrabgänger im Betrieb gehalten. In der Reisebranche konnten noch weit weniger Abgänger weiterbeschäftigt werden, rund 50 Prozent wie nachfolgende Recherche zeigt.

Nur die Hälfte der 102 Lehrabgänger erhielt einen Job

Insgesamt 102 KV-Lehrabgänger verzeichnete die Schweizer Reisebranche in diesem Sommer. «In den nächsten ein, zwei Jahren wird diese Zahl sicherlich kleiner», sagt Ramona Stutz, Ausbildungsverantwortliche beim Schweizer Reise-Verband (SRV), «doch wir glauben weiterhin an die Zukunft der Branche und werden weiterhin in die Ausbildung investieren».

Wie viele der diesjährigen Lehrabgänger an Bord gehalten werden konnten, teilten uns die fünf grössten Reiseunternehmen mit:

Bei TUI Suisse haben im Sommer 2020 zwölf Lernende erfolgreich abgeschlossen. «Fünf wollten und konnten bei uns bleiben», sagt TUI-Sprecherin Bianca Schmidt. Im Sommer 2020 sind wiederum zehn neue Lernende bei TUI Suisse an den Start gegangen.

Bei DER Touristik Suisse schlossen 28 Lernende ihre Lehre in diesem Sommer ab. Davon fanden acht eine weitere Anstellung im Unternehmen. «Wir legen grundsätzlich Wert darauf, möglichst viele freie Stellen mit unseren Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern zu besetzen», sagt DER-Touristik-Sprecher Markus Flick, «auch an den Lehrverträgen, die noch vor der Pandemie für Lehrbeginn 2020 vereinbart wurden, hat DER Touristik Suisse festgehalten. Damit verbunden ist unsere Überzeugung, dass Branche und Unternehmen die Krise erfolgreich bewältigen können und damit auch in der Lage sind, jungen Talenten eine vielversprechende Perspektive zu ermöglichen.»

Carla Aeschlimann, Leiterin Berufsbildung Hotelplan Suisse, schreibt: «In diesem Sommer erhielten 21 Lernende von Hotelplan Suisse ihr Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis. Davon haben 6 ihre Lehre bei Hotelplan Suisse am Hauptsitz in Glattbrugg absolviert und 15 in einer Filiale von Hotelplan Suisse. Wir legen grossen Wert darauf, unsere Lernenden nach Möglichkeit nach der Ausbildung weiter zu beschäftigen. Von den Lernenden, die eine Weiterbeschäftigung bei Hotelplan Suisse wünschten, konnten wir bis auf 2 Personen für alle eine Lösung finden. Trotz der aktuellen Herausforderungen glauben wir an die Zukunft der Branche. Wir haben daher an allen Lehrverträgen, die für 2020 abgeschlossen wurden, festgehalten. Nach den Sommerferien haben insgesamt 33 Lernende ihre Lehre bei Hotelplan Suisse begonnen.»

Bei Knecht Reisen schlossen sechs Lernende ab und zwei konnten weiter engagiert werden. Neu haben fünf Lernende die Lehre begonnen.

Und bei Globetrotter Travel Service beendeten zwei Lernende ihre KV-Lehre, beide mussten das Unternehmen aber verlassen. Neu geht bei Globetrotter ein Lehrling an den Start.

Total verblieben also von den 69 Lehrlingen der fünf führenden Unternehmen nur 34, weniger als die Hälfte.

(GWA/NWI)