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Ab sofort muss zuhause gebüffelt werden. Bild: Dillon Shook

Der Tourismus-Schulbetrieb bleibt gewährleistet

Spätestens seit der Ausrufung der ausserordentlichen Lage durch den Bundesrat bleiben alle Schulen geschlossen. Das trifft auch die Tourismus-Ausbildungsstätten, etwa die Höheren Fachschulen für Tourismus. Wir haben uns bei diesen umgehört, wie sie mit der Situation umgehen.

IST Zürich/Lausanne

An der IST Höhere Fachschule für Tourismus hatte man sich wohlweislich und vorausschauend schon vergangene Woche intensiv vorbereitet. «Wir sind fit und seit Montagmorgen haben wir den kompletten Unterricht sowohl in Zürich als auch in Lausanne auf Fernunterricht umgestellt», berichtet Schuldirektorin Hanna Rychener. Dank dem «Home Schooling» laufe alles weiter und der Semesterbeginn im Sommer sei garantiert. Auch die Quereinsteiger-Kurse werden voll fortgesetzt und bei den üKs werden die Schulungstage nach hinten verschoben. Der neue Stundenplan ist bereits auf der Website aufgeschaltet. «Neue Reiseprofis werden bereit sein, wenn das Geschäft wieder anzieht», sagt Rychener selbstbewusst.

HFT Luzern/Tourismusfachschule Bern Oberland (TFBO)

Auch an diesen Schulen darf kein Präsenz-Unterricht mehr stattfinden. «Aus diesem Grund haben wir auf Distanz-Unterricht umgestellt», berichtet Stefan Otz (Inhaber TFBO), «der Schulbetrieb findet also weiter statt.» Die Studierenden seien durch ihn selber bereits am Freitag persönlich informiert worden und teilten sich in Gruppen auf, mit denen die Schulleitung den Kontakt hält. Ebenso wurde je ein Klassenchat inklusive Schulleitung auf WhatsApp eingerichtet. Die Dozierenden wurden per Mail informiert, am Montag ergingen an die Studierenden wie Dozierenden weitere Informationen, wie der Unterricht gestaltet wird. Schultage an der TFBO sind jeweils Donnerstag/Freitag.

Auf den bisherigen Plattformen für Studierende/Dozierende (SharePoint) werden nach wie vor und wie gewohnt die Programme pro Unterrichtseinheit veröffentlicht. «Hierzu haben wir seitens Schulleitung nähere Vorgaben kommuniziert, wie diese für Distanz-Unterricht vorzubereiten sind», so Otz, «ferner haben wir anerboten, diverse Techniken, bei denen sich Dozierende sicher fühlen und Studierende nicht überfordert werden, proaktiv für den Unterricht zu nutzen, sei das Microsoft Teams, YouTube, FaceTime, Skype oder ähnlich.» Ende Woche werden die ersten Resultate ausgewertet, woraus sich für die weiteren Wochen Vorgaben dazu ergeben, was man verbessern und optimieren könne.

Otz zieht folgendermassen Fazit: «Den Studierenden darf man etwas zutrauen, sie werden die Situation gut meistern. Ein engmaschiges Kontaktnetz ist aufgebaut zwischen Schulleitung, Studierenden, Dozierenden und Arbeitgebern. Laufende Analysen und Optimierungen sorgen dafür, dass der Schulbetrieb unter neuen Voraussetzungen aufrecht gehalten wird. Prüfungen werden ebenso situativ gestaltet und durchgeführt.»

Eine kurzzeitige Abflachung des allgemeinen Interesses für Weiterbildung im Tourismus sei denkbar. «Wir gehen jedoch davon aus, dass dies in kurzer Zeit wieder korrigiert wird, je nach je wie sich die Situation entwickelt», so Otz, «der Tourismus ist sich Krisen gewohnt und wird gestärkt daraus wachsen.»

HFT Graubünden

Schulrektorin Ursula Oehy erklärt,  dass bereits am letzten Freitag mitgeteilt werden musste, dass gemäss den Vorgaben des Kantons Graubünden der Präsenzunterricht bis am 30. April (d.h. bis zu den Maiferien) eingestellt wird und auch die öffentlichen Räume wie Kraftraum, Turnhallen sowie die Mediathek sofort geschlossen werden. Die Studierenden-Wohnhäuser seien von der Schliessung nicht betroffen, denn da bestehen normale Mietverträge. Aufgrund der Campus-Situation sei die HFT Graubünden dank schon früher geforderten Hygienevorschriften zum Glück sehr gut vorbereitet gewesen, «da wir zum Beispiel seit Jahren zur Grippezeit Desinfektionsständer aufstellen», so Oehy.

Inzwischen habe die HFT Graubünden den Schulbetrieb auf «distance-learning» umgestellt. «Bereits bis anhin waren unsere Unterlagen digital verfügbar», so Oehy, «nun haben wir aber den bereits gestarteten Integrationsprozess von Office365 (inkl. OneDrive, Zoom) schneller abgeschlossen. Diese Woche erhalten die Studierenden ihre Logins und die letzten Schulungen finden statt. So, dass wir ab nächster Woche bereit sind, noch mehr digitales, kollaboratives Lernen mit Video-Konferenzen, Video-Chats, Lernaufgaben etc. anzubieten.» Bereits diese Woche findet bei den Studierenden im Abschlussjahr die letzte von drei geplanten Digitalmarketing-Wochen statt. Webinars, Tutorials und angeleitetes Selbststudium zu Marketing-Automation, Handyfilmproduktion und Analytics stehen auf dem Stundenplan. «Wir achten im Stundenplan der nächsten Wochen auch darauf, dass Platz für die Studierenden ist, die Inhalte in Ihrem Tempo zu absolvieren», präzisiert Oehy.

Bezüglich Prüfungen wurde vorerst entschieden, solche auf «die Zeit danach» zu verschieben, man werde aber gewisse Lernkontrollen auch durch alternative Leistungsnachweise ersetzen. «Unser Semester dauert bis Ende Juni, so dass wir noch etwas Zeit haben, alternative Szenarien aufzubauen», schliesst Oehy. Nun müsse alles so aufgegleist werden, dass jeder von zuhause auch lernen und arbeiten könne, was gerade in der Startphase viel mehr Koordinationsleistung mit sich bringe. Der aktuelle Prozess sei sehr intensiv, aber auch sehr lehrreich: «Was sich für mich als absolutes Plus zeigt, ist, dass wir auf ein super funktionierendes Team bauen können», sagt Oehy, «von IT über Sekretariat, Marketing, bis zu den Dozierenden sind alle äusserst engagiert und positiv.»

Angst vor langfristigen negativen Auswirkungen der Tourismusmisere auf ihren Schulbetrieb hat Oehy nicht, zumal es keine Branche gebe, die nicht betroffen sei. «Einige Praktikumsgeber, gerade im Eventbereich, haben aus verständlichen Gründen die Vertragsunterzeichnung mit zukünftigen Praktikanten on-hold gelegt, da sie erst das Ende der Situation abwarten möchten», erklärt Oehy. Sie geht auch davon aus, dass sich unser Leben und Arbeiten nachhaltig verändern wird.

Schweizer Handelsschule für Tourismus

Obwohl der Schulbetrieb wegen Corona-Virus ruhen muss, bildet das Tourismus-KV mit Hilfe von Skype, Moodle und Team Viewer bereits seit Montag weiter live aus, berichtet Schulleiter Bernard Kohli. Die Prüfungen werden online oder unter speziellen hygienischen Vorgaben durchgeführt. Das sei möglich, weil alle Lernenden mit einem konfigurierten Schulnotebook ausgerüstet sind und auch von zu Hause aus auf die Schulplattformen zurückgreifen können.

«Innerhalb von 48 Stunden haben die verlässlichen und experimentierfreudigen Lehrerinnen und Lehrer in Zusammenarbeit mit der Schulleitung ein erstes Konzept für den Fernunterricht aus der Taufe gehoben», berichtet Kohli. Getragen werde der Unterricht auf Distanz durch den Instant-Messaging-Dienst Skype, der den Klassenunterricht auf Entfernung ermöglicht.

Das zweite, technische Standbein, das Fernunterricht ermöglich heisst Moodle. Die 1999 in Australien gegründet Lernplattform stellt virtuelle Kursräume zur Verfügung. Beim Tourismus-KV stehe die Plattform bereits seit über zehn Jahren im Einsatz und werde im Schulunterricht täglich genutzt.

Mit Team Viewer wird auf eine weitere Software zugegriffen, die Screen Sharing und Video-Konferenzen ermöglicht. So werden die Klassen täglich morgens um neun Uhr per Konferenz zusammengeschaltet. Die Lehrer sitzen weiterhin im Schulzimmer und unterrichten ohne Publikum (Lernende). So finde eine Art effizienter Geister-Unterricht statt.

«So kann trotz der grossen Tourismuskrise weiterhin in die Ausbildung von jungen Reisetalenten investiert werden, damit der Branche die tatkräftigen Fachkräfte nicht ausgehen», schliesst Kohli.

(JCR)