Karriere

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Immer mehr «Johnny Controllettis» werden eingestellt. Bild: Adobe Stock

Mit spitzer Feder aufgespiesst: «Compliance»

Von Felix Frei

Psychologe Felix Frei greift wöchentlich einen zeitgeistigen Begriff aus der Managersprache auf und kommentiert mit böser Zunge.

Je lauter das Hohelied der Deregulation gesungen wird, umso regulierter wird die Realität. Je häufiger von Eigenverantwortung geredet wird, desto mehr «Johnny Controllettis» werden eingestellt. Bald wird man für die Gründung einer Quartiersbäckerei eine Person fürs Einkaufen und Aufbacken der Fertigwaren, eine Person fürs Verkaufen im Laden sowie sechs Juristen als Compliance Officers zur Überwachung der beiden Erstgenannten anstellen müssen ...

Compliance heisst, sich an die geltenden Regeln und Vorschriften zu halten. Je mehr also totale Compliance gefordert wird und je mehr Compliance Officers die Einhaltung aller Gebote und Verbote zu überprüfen haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Dinge im Argen liegen.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Druck auf maximale Ergebnisse so stark geworden ist, dass jeder versucht ist, seine Ziele notfalls auch auf schummrigen Wegen zu erreichen. Und dann braucht es zwangsläufig all die unternehmensinternen Polizisten, welche die Sünder möglichst schnappen sollen, bevor sie für ihre «Leistungen» auch noch Bonus kassiert haben. Doch kann man auch vermuten, dass die zunehmende Regelungsdichte es einem Normalsterblichen unmöglich macht, alle Regeln zu kennen. Und wie sollte er sie dann befolgen? Es gilt die Unschuldsvermutung.

Da man nun aber gleichzeitig immer wieder von neuen Vorfällen erfährt, die nicht hätten passieren dürfen, beginnt man ein wenig daran zu zweifeln, ob das zunehmende Setzen auf Überwachungspersonal der Weisheit letzter Schluss ist. Denn als herausforderungsliebender Manager wird man ja dann sogleich in seinem sportlichen Ehrgeiz angestachelt, möglichst raffinierte zwielichtige Abkürzungen zu suchen – um auch dem gewieftesten Compliance Officer ein Schnippchen schlagen zu können. Dies ist eine Dynamik, wie sie zwischen Cyberkriminellen und Polizei ebenso eingespielt ist wie auch zwischen den Erfindern strukturierter Finanzprodukte und den Steuerbehörden.

Vielleicht läge eine erfreulichere Zukunft im Modell «Bohmte». Bohmte ist jene niedersächsische Stadt, die eine massive Verkehrsberuhigung dadurch erreicht hat, dass sie sämtliche Verkehrsschilder abmontiert hat. Dadurch schaut wieder jeder auf jeden, und das Konzept «mehr Sicherheit durch weniger Regeln» hat Erfolg.

In den Unternehmen ist freilich eher damit zu rechnen, dass es bald die ersten Job-Inserate für Meta Compliance Officers geben wird: «Als MCO obliegt es Ihnen zu prüfen, ob alle Compliance Officers ihren Job auch wirklich machen.»