Karriere

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Das Alter besagt nichts über die geistige Offenheit oder Verschlossenheit einer Person. Bild: Adobe Stock

Entscheiden Sie sich für Ihr Alter!

Von Felix Frei

Sie dürfen dreimal raten, wer es in der heutigen Zeit einfacher hat: Die, die sich einfach alt werden lassen. Oder die, welche jung und neugierig, interessiert und interessant bleiben, schreibt Psychologe Felix Frei.

Eine Journalistin hat in ihrer Kolumne von einem Referat des CEO eines jungen Web-Unternehmens berichtet und erwähnt, der Referent hätte fast beiläufig Folgendes gesagt: «Ich habe diese Theorie, dass Menschen für sich eine stillschweigende Entscheidung treffen, ob sie jung und neugierig, interessiert und interessant bleiben, oder ob sie sich einfach alt werden lassen. Bei den meisten Leuten kann man das auf Anhieb erkennen.»

Diese Behauptung hat mich sofort überzeugt, und ich könnte namentlich viele Beispiele dafür nennen. Sie dürfen dreimal raten, wer es in der heutigen Zeit einfacher hat: Die, die sich einfach alt werden lassen. Oder die, welche jung und neugierig, interessiert und interessant bleiben – egal, wie viele Kerzen auf ihrer letzten Geburtstagstorte auszublasen waren.

Immer, wenn ich mehr oder weniger wissenschaftliche Ergebnisse darüber lese, wie «die» Alten oder «die» Jungen seien, habe ich Mühe, diese Ergebnisse in meinem Erfahrungsbereich (und in mir selbst) nachzuvollziehen. Ich kenne ebenso viele jung gebliebene Alte wie vorzeitig alt gewordene Junge. Und es gibt – wenn ich das von mir persönlich sagen darf – nebeneinander Lebensfelder, in denen ich mich so alt fühle, wie ich bin – oder sogar noch älter. Und andere Lebensfelder, in denen ich mich jünger fühle als manch ein Zwanzig- oder Dreissigjähriger.

Offenbar haben wir also selbst eine gewisse Verantwortung dafür, wenn wir uns für Neuerungen, Veränderungen, Bewegungen als zu alt empfinden. Die Kehrseite der Medaille lautet, dass es in unserer Hand liegt, die Sache zu wenden und uns ganz ohne Lifting zu verjüngen. Allerdings sollten wir es dann nicht einfach irgendwie geschehen lassen, ob wir uns bloss alt werden lassen oder ob wir jung und neugierig, interessiert und interessant bleiben wollen. Sondern wir sollten uns bewusst entscheiden.

Die Zahl der Kerzen ist egal

Natürlich ist es affig, wenn Ältere in jedem Lebensfeld wie Junge sein wollen. Doch darum geht es ja nicht. Auch wer in Würde zu altern versteht, kann seinen Geist offen halten. Oder besser: Gerade, wer seinen Geist offen zu halten versteht, wird in Würde altern können. Und umgekehrt.

Schlimm finde ich freilich, wenn ich jungen Menschen begegne, die weder neugierig noch interessiert – und damit absolut nicht interessant sind. Sie wissen ja nicht einmal, dass sie sich offenbar für vorzeitige Demenz entschieden haben.

Die korrekte Zahl der Kerzen auf der Geburtstagstorte besagt also eigentlich gar nichts. Und sie sollte uns nicht zu vorschnellen Schlüssen bezüglich der geistigen Offenheit oder Verschlossenheit des Jubilars verleiten.

Vielleicht fragen Sie sich selbst in einer stillen Stunde einmal, in welchem Lebensfeld Sie sich welches Alter geben würden. Und ob dies dem entspricht, das Sie in dieser Hinsicht wirklich haben möchten. Keine Angst: Sie kriegen die AHV nicht etwa später, bloss weil Sie geistig jung und offen bleiben.