Karriere

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Um was geht es da genau bei dieser Ankündigung? Bild: Adobe Stock

Nur eine gute Geschichte ist zukunftsweisend

Von Felix Frei

Geht es um Veränderungsprojekte, ist es eine wichtige Aufgabe des Managements, eine überzeugende Geschichte darüber zu erzählen, sagt Psychologe Felix Frei und nennt dabei auch die Rolle der Geführten.

Vielleicht geht es darauf zurück, dass wir Menschen vor ein paar Tausend Jahren Abend für Abend um ein Feuer herumsassen und uns gegenseitig Geschichten erzählten. Fernsehen, Bücher und iPad gab es ja noch nicht. Jedenfalls sind wir psychologisch so programmiert, dass wir die Dinge vor allem dann gut verstehen und nachvollziehen können, wenn wir sie als Teil einer Geschichte sehen, die für uns stimmig und glaubhaft ist.

Es geht so weit, dass wir (oder doch manche von uns) sogar alles Mögliche erfinden, nur damit eine Geschichte geschlossen und überzeugend wird; denken Sie an all die Verschwörungstheorien vom Kennedy-Mord über die Mondlandung bis zu 9/11. Das Bedürfnis nach stimmigen Geschichten ist so stark, dass ein guter Kommissar den Verdächtigen nur reden lassen muss, denn er wird immer mehr von sich preisgeben, einfach weil sonst seine Geschichte nicht schlüssig wird.

Stellen Sie sicher, die handlungsleitende Geschichte zu erfahren

Auf Führung und Veränderungsprojekte übertragen ist es deshalb eine wichtige Aufgabe des Managements, eine überzeugende Geschichte darüber erzählen zu können, wohin die Reise des Unternehmens gehen soll. «Wir müssen Kosten senken!» allein ist beispielsweise keine Geschichte. Die richtige Geschichte müsste berichten, warum dies nötig ist, wie es konkret gehen kann, wie das Unternehmen danach dasteht und funktioniert und was es dann wird tun können, was ohne die Kostensenkung nicht möglich wäre. Dabei stellt sich die Frage, welches die Rolle der Geführten in dieser Sache ist.

Nun, zunächst müssen Sie sicherstellen, dass Sie die für Sie handlungsleitende und sinnstiftende Geschichte erfahren – wenn sie denn Ihr Management nicht schon laut und deutlich verkündet hat. Dann müssen Sie die Geschichte verstehen. Und zwar so, dass Sie sie in eigenen Worten jemandem erzählen könnten – am Stammtisch etwa, vorausgesetzt, die Geschichte ist nicht geheim. Ersatzweise proben Sie es in einer Gedankenübung. Ihre Quellen für all das sind Ihr Chef, die Verlautbarungen und Informationen der Geschäftsleitung und so weiter. Weiter müssen Sie hartnäckig bleiben, wenn das, was Sie hören und lesen für Sie noch keine verständliche Geschichte ergibt. Einmal fragen reicht vielleicht nicht.

Vor allem aber müssen Sie sich davor hüten, mangels Informationen (oder mangels der Bereitschaft, sie zur Kenntnis zu nehmen) Dinge in Ihre Geschichte einzubauen, die bloss erfunden sind – erfunden, um zu beweisen, dass «die da oben» Schlechtes im Schilde führen oder einfach keine Ahnung haben, dass die Dinge sich sowieso zum Schlimmen entwickeln, dass es ohnehin schiefgehen wird und so weiter.

Eine Geschichte schlecht zu machen, obwohl es vielleicht eine gute gäbe, schadet dem Unternehmen, für das Sie viel Zeit Ihres Lebens einsetzen, schadet Ihrer Umgebung, weil es die Laune verdirbt, und schadet vor allem Ihnen selbst, weil Sie es sind, der damit in einer schlechten Geschichte spielt – Ihr (Arbeits-) Leben sollte schliesslich kein B-Movie sein. Wenn Sie es dagegen schaffen, Ihren Part im Unternehmen in eine stimmige gute Geschichte einzubetten, dann haben Sie ein zukunftsweisendes Ticket gewonnen.