Karriere

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Wer in all seinem Tun effizient und effektiv ist, kann ganz einfach mehr machen und mehr erreichen. Bild: Adobe Stock

Effizienz und Effektivität gelten auch persönlich

Von Felix Frei

Psychologe Felix Frei erklärt die beiden Begriffe und ihre Wichtigkeit für den Arbeitsalltag und das persönliche Tun.

Es ist gewiss unbestritten, dass für ein Unternehmen Effizienz und Effektivität wichtige Kriterien sind. Und wir dürfen bestimmt auch annehmen, dass sich Ihre Chefin freut, wenn Sie in Ihrer Arbeit durch besondere Effizienz und Effektivität auffallen, denn ein Unternehmen kann ja nicht maximal effizient und effektiv sein, wenn es nicht auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzeln sind. Analoges liesse sich überdies auch von Teams in Bezug auf ihre Zusammenarbeit sagen.

Effizienz und Effektivität sind freilich auch persönlich gute Richtgrössen für das eigene Tun. Sich darauf auszurichten, lohnt sich nicht nur im Beruf, sondern auch in vielem, was man ganz privat tut. Und in der beruflichen Arbeit dient es keineswegs nur der Firma, sondern auch einem selbst.

Eine feine Sache, müsste man meinen

Effizienz bedeutet, ein gewünschtes Resultat mit minimalem Aufwand zu erzielen. Effektivität heisst, die beabsichtigte Wirkung tatsächlich zu erzielen.

Wer in all seinem Tun effizient und effektiv ist, kann ganz einfach mehr machen und mehr erreichen. Eine feine Sache also, müsste man meinen. Bloss: Viele Leute bemühen sich überhaupt nicht darum, und zwar deshalb, weil bei ihnen bestimmte psychische oder soziale Mechanismen dominant sind, die jedes Optimieren von Effizienz und Effektivität unterlaufen. Zum Beispiel:

Manche Menschen meinen, erst ihr Aufwand mache den Wert ihres Tuns aus. Vermutlich meinen sie, dieser Aufwand würde ihr Umfeld beeindrucken und ihre Wichtigkeit unter Beweis stellen.

Manche Menschen wissen nicht, was sie mit gewonnener Zeit anfangen sollten. Es drohen Langeweile oder zusätzliche Aufgaben oder gar die Angst, plötzlich als entbehrlich zu gelten.

Manche Menschen lassen sich von der nicht immer weisen Weisheit verführen, wonach eben der Weg das Ziel sei. Manchmal ist aber auch das Ziel das Ziel.

Manche Menschen sind so in ihren Gewohnheiten gefangen, dass sie sich nicht einmal die Frage stellen, ob sie auch anders, nämlich merklich effizienter und/oder effektiver, handeln könnten.

Manche Menschen glauben, sie würden sich gegen fremden Leistungsdruck wappnen, wenn sie sich gerade nicht auf Effizienz und Effektivität ausrichten.

Die Liste liesse sich verlängern. Sie zeigt, dass Effizienz und Effektivität bei vielen Menschen sehr oft überhaupt nicht im Vordergrund stehen, sondern von ganz anderen Aspekten überlagert werden.

Schaffen Sie sich Klarheit darüber, wo Ihnen Effizienz und Effektivität persönlich wichtig sind und wo nicht. Es ist Ihre Verantwortung zu entscheiden, wo Ihnen Effizienz und Effektivität persönlich nützen und wo – wie zum Beispiel bei Spiel und Spass oder bei Liebe und Freundschaft – für Sie ganz anderes wichtiger ist.

Nur verwechseln sollten Sie die beiden Lebensbereiche nicht. Sonst riskieren Sie, den Preis für mangelnde Effizienz und Effektivität vor allem selbst zu bezahlen.