Karriere

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Nichts motiviert mehr und lässt die Zeit wie im Flug vergehen, als wenn man seine eigene Kompetenz erlebt, schreibt Felix Frei. Bild: Adobestock

Darin gut sein, ist das Wichtigste – egal, worin

Von Felix Frei

Es ist ein Genuss, Menschen bei ihrer Arbeit zuzusehen, findet Psychologe Felix Frei, wenn diese sichtlich davon motiviert sind, in dieser Arbeit ganz einfach gut zu sein.

Es zählt zu den Klassikern der Führungsliteratur, den Vorgesetzten abzuverlangen, dass sie den richtigen Menschen an den richtigen Platz setzen. Viele Vorgesetzte geben sich da auch alle Mühe – ungeachtet der Schwierigkeit, zu beurteilen, wer denn richtig sei, und erstaunlich unverdrossen auch angesichts der unübersehbaren Erfahrung, dass der Platz sich ja immer wieder ändert heutzutage.

Doch abgesehen von solchen Problemen: Ist es wirklich primär die Aufgabe Ihrer Chefin, zu beurteilen, wofür Sie der oder die Geeignetste sind? Kaum anzunehmen, dass Sie Ihre Chefin so viel besser kennt als Sie selbst. Entsprechend viele Fehlzuteilungen von Aufgaben gibt es auch – oder anders betrachtet: entsprechend viele inkompetente Leute trifft man ja immer mal wieder an.

Vielleicht wird die Sache dadurch erschwert, dass es für viele Leute ein Vertrauensbeweis ist, wenn man ihnen eine Aufgabe zutraut, von der sie eigentlich genau wüssten, dass sie dafür nicht richtig sind. Aber wenn meine Chefin mir das zutraut? Ich behaupte, dass fast jeder, den man ernsthaft fragte, ob er nicht Bundesrat werden wolle (und eine parlamentarische Mehrheit würde ihn unterstützen), spätestens anderntags vor dem Spiegel ein entsprechendes Talent in sich zu entdecken glaubte. Auch wenn er noch kurz davor niemals gezweifelt hätte, dafür völlig ungeeignet zu sein.

Alles Vertrauen, das Ihre Chefin in Sie setzt, in Ehren. Aber es darf Sie nicht an einer realistischen Selbsteinschätzung hindern. Einschliesslich der Einschätzung des eigenen Selbstvertrauens, das Sie immer als Korrekturfaktor einrechnen sollten: Je nachdem müssen Sie Ihre realistische Eignungsselbsteinschätzung also etwas auf- oder aber abrunden.

Motiviert, einfach gut zu sein

Warum aber sollte es so wichtig sein, ob nun Sie sich selbst oder aber Ihre Chefin Sie für geeignet hält? Hauptsache, die Einschätzung stimmt! Der Punkt ist der: Diese Einschätzung wird in beiden Fällen nur grob stimmen. Denn Aufgabe und Eignung stimmen niemals exakt miteinander überein. Also müssen Sie in Ihrer Arbeitstätigkeit stetig daran arbeiten, Ihre Eignung zu vervollkommnen. Und das werden Sie nur tun, wenn Sie selbst wirklich beweisen wollen, dass Sie der/die Geeignetste sind.

Es ist ein Genuss, Menschen bei ihrer Arbeit zuzusehen, wenn diese sichtlich davon motiviert sind, in dieser Arbeit ganz einfach gut zu sein. Und es ist grässlich, Leute zu sehen, die nur minimalistisch durch ihre Arbeit schlurfen. Beide Fälle hängen absolut nicht davon ab, wie «wichtig» oder interessant oder wie gut bezahlt die Arbeit ist. Sie erleben den Unterschied, wo immer Sie als Kunde davon betroffen sind – sei es im Restaurant oder am Schalter oder bei den Leuten von der Abteilung, auf deren Arbeit Sie in Ihrer Arbeit angewiesen sind.

Richtig gut sein zu wollen, kostet Kraft und Energie. Aber es gibt noch viel mehr Kraft und Energie.

Nichts motiviert mehr und lässt die Zeit wie im Flug vergehen, als wenn man seine eigene Kompetenz erlebt. Gut sein macht richtig Spass. Und es ist allein Ihre Sache. Warten Sie nicht auf Ihre Chefin!