Karriere

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Sie sollten Ihr eigenes Tun und Lassen auf das Gesamtunternehmen «hochrechnen». Und zwar, bevor Sie etwas tun oder lassen. Bild: Adobestock

Die Welt geht hinter dem Zaun noch weiter

Von Felix Frei

Was «unternehmerisch denken» für den einzelnen Mitarbeiter heisst, erklärt heute Psychologe Felix Frei – und stellt einige wichtige Fragen in den Raum.

Als der kleine Sohn des Bergbauern seinen Vater fragte, was denn wohl hinter dem Hügel sei, antwortete dieser: «Mir wei nid grüble». Auch manch eine Mitarbeiterin oder Chefin ist so gestrickt: Solche Leute wollen nicht darüber nachdenken, was jenseits ihres Gärtchens liegt und passiert. In einem Unternehmen ist dies heute aber schlicht nicht mehr zu akzeptieren.

Unternehmen und ihre Teilbereiche sind heute so stark vernetzt, dass fast jedes Tun in einer Ecke in einer anderen spürbar wird oder sogar starke Auswirkungen hat. Nehmen Sie von einem Fussballtor das Netz ab und verteilen Sie zehn Personen so, dass alle irgendwo das Netz anfassen. Wo immer nun eine davon an ihrem Stück oder Knoten zieht: alle anderen werden es realisieren.

Die Erfahrung mit der Stechfliege

Wenn heute Ihre Chefin von Ihnen verlangt, auch Sie müssten unternehmerisch denken, so heisst das nicht, dass Sie die Hausaufgaben der Geschäftsleitung machen müssten. Es heisst, dass Sie Ihr eigenes Tun und Lassen auf das Gesamtunternehmen «hochrechnen» müssen. Und zwar, bevor Sie etwas tun oder lassen.

Wenn Sie nun meinen, Sie seien viel zu klein und unbedeutend in der Firma, als dass Ihr Verhalten sich auf das grosse Ganze auswirken könnte, dann waren Sie noch nie allein in einem dunklen Zimmer im Bett – gemeinsam mit einer Stechfliege. Aber anders als Stechfliegen können Sie nicht nur Ärger, sondern ebenso viel Positives bei anderen bewirken.

Voraussetzung dafür ist es, über den Zaun zu schauen.

Für wen eigentlich machen Sie Ihre Arbeit, wer braucht sie? Achtung: falls Sie nicht zufällig Assistent sind, ist das wahrscheinlich nicht Ihre Chefin! Und was macht derjenige dann mit Ihrer Arbeit? Wie erfahren Sie, ob er sie so haben wollte?

Wie umgekehrt weiss jemand, der wiederum Ihnen zuliefert, was Sie wann und wie von ihm haben wollten oder wollen? Welche Funktion hat der Bereich, in dem Sie arbeiten, innerhalb des ganzen Unternehmens und welche anderen Bereiche oder externe Kunden hängen davon ab? Wie bereit und in der Lage ist Ihre Chefin, Ihnen all diese Fragen zu beantworten, falls Sie nicht schon selbst die nötigen Informationen haben?

Wie interessiert und hartnäckig sind Sie selbst, um bei Ihrer Chefin oder wem auch immer alle nötigen Informationen zu bekommen? Wie offen sind Sie, um jedem alle Fragen zu beantworten, die wiederum für seine Arbeit wichtig sind?

Bedenken Sie: Sie sind kein Bergbauer. Ihre Welt ist grösser als Ihr Hof. Schauen Sie über den Zaun!