Karriere

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Führung wird nicht einfach von Vorgesetzten gemacht. Führung ist ein Beziehungsgeschehen, an dem alle Beteiligten ihren Anteil haben. Bild: AdobeStock

Der Kopf ist rund ...

Von Felix Frei

Es gibt Menschen, die ihr Denken nie ändern. Was ein Perspektivenwechsel aber ermöglichen kann, erklärt Psychologe Felix Frei.

Ein bekannter Aphorismus von Francis Picabia, einem französischen Schriftsteller aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, lautet: «Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.»

Manche Menschen sind bekanntlich stolz darauf, ihr Denken nie zu ändern. Sie halten sich für linientreu und berufen sich gerne auf den gesunden Menschenverstand. Doch der ist ein sehr zwiespältiger Geselle. Manchmal beweist er tatsächlich ein gutes Augenmass und ist zu begrüssen. Nicht selten lässt er sich aber in den Dienst jener einspannen, die ihr Denken niemals überdenken wollen. Die nach dem Motto leben: Dort, wo ich bin, ist die Vernunft. Das ist weder gesund, noch zeugt es von besonders viel Verstand. Menschlich ist es vermutlich aber leider schon.

Solche Leute haben nie erfahren, dass der wohl beste Weg, sich persönlich weiterzuentwickeln, darin besteht, den Perspektivenwechsel zu üben und darüber zu erkennen, dass die Dinge je nach Standpunkt verflucht unterschiedlich aussehen können. Und zwar durchaus jedes Mal zu Recht.

Perspektivenwechsel ist anstrengend, aber gewinnbringend

Perspektivenwechsel bedeutet keineswegs, sein Denken so beliebig im Kopf drehen zu lassen, dass alles gleich gültig – und damit gleichgültig – wird. Perspektivenwechsel ist anstrengend, aber fast immer überaus gewinnbringend.

Nicht jeder Schädel ist rund. Manch einer ist ziemlich eckig und kantig. Das macht die Führungswirklichkeit ja so spannend – nicht selten aber auch sehr angespannt. Würden alle daran Beteiligten davon absehen, Andersdenkende primär als doof und uneinsichtig zu sehen, und würden sie versuchen zu verstehen, wie andere auf ihr Andersdenken kommen, dann könnte man voneinander lernen und gemeinsam weiterkommen.

Führung wird nicht einfach von Vorgesetzten gemacht. Führung ist ein Beziehungsgeschehen, an dem alle Beteiligten ihren Anteil haben. Es ist sinnlos, darüber zu rechten, welcher Anteil denn grösser sei: Jede und jeder trägt Verantwortung für den eigenen Anteil. Bis man die wahrnehmen kann, muss man den eigenen Anteil – und auch den aller anderen Beteiligten – überhaupt erst erkennen. Das ist schneller gefordert als eingelöst. Gut möglich, dass Ihnen beim angestrengten Drehen der Richtung des Denkens im runden Kopf gelegentlich etwas schwindelig wird. Aber das ist allemal ein besseres Zeichen als wenn Sie ganz zufällig immer zum raschen Schluss gelangen, Sie ganz allein hätten Recht.