Karriere

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Montagmorgen und sie sind schon da: der Nörgler, die Quasseltante, die Gerüchteverbreiterin, der Stänkerer, der hauptberuflich Unzufriedene, die Selbstinszenierin und die Unzuverlässige. Bild: AdobeStock

So mancher kann einem den Tag verderben

Von Felix Frei

Was tun gegen Selbstinszenierer, Quasseltanten, hauptberuflich Unzufriedene und Gerüchteverbreiter? Die Anleitung von Psychologe Felix Frei.

Der Tag, an dem der liebe Gott in der Gattung «Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter» die Spezies der Kolleginnen und Kollegen erschuf, war ein Montag. Der liebe Gott hatte ein etwas zu fideles Wochenende hinter sich, war etwas verkatert – und so schlampte er immer mal wieder. Die Folgen haben wir auszubaden. Manche Kolleginnen und Kollegen sind so, dass sie einem den ganzen Tag verderben können.

Da gibt es die Selbstinszenierer, die immer alles und immer alles besser wissen und nicht einmal rot werden, wenn sich erweist, dass sie Stuss geredet haben. Da gibt es die Quasseltanten, die reden wie ein Buch, in einem Tempo, das jeden Schnellzug hinter sich liesse, und dasselbige noch beschleunigen, wenn sie merken, dass sie schon längst jede Zuhörerin abgehängt haben.

Da gibt es die hauptberuflich Unzufriedenen, die nicht die Grösse haben, den Job zu wechseln, sondern sich in ihrem Unglück suhlen und alle anderen mit ihrer schlechten Stimmung anstecken. Da gibt es die Unzuverlässigen, die einem alles Mögliche zusagen und dann nichts davon einhalten. Da gibt es diejenigen, die schon weiland in der Primarschule die linke Heftseite aufgestellt haben, damit man ja nicht bei ihnen abschreiben konnte, wobei sie heute sorgsam darauf achten, dass keiner von ihnen die Informationen erhält, die er in seiner Arbeit dringend benötigte.

Da gibt es die Nörgler, die immer das Gefühl haben, andernorts sei alles viel besser – was sie freilich genauso hätten, wenn sie denn dort wären, aber sie gehen ja nicht dahin. Da gibt es die Gerüchteverbreiter, die immer nichts gesagt haben wollen, es aber ununterbrochen tun.

Kommt dazu, dass diese Montagsexemplare sich gegenseitig anziehen und zusammentun, was ihre stimmungsmässige Negativspirale nach unten weiter anheizt und ihr Ansteckungspotenzial vergrössert.

Ändern kann man die nicht

Was tun? Zunächst brauchen wir eine Einsicht: Was der liebe Gott verschlampt hat, können wir nicht geradebiegen. Will sagen, die Persönlichkeit von Erwachsenen ist ausgebacken. Man setzt auf ein Verliererpferd, wenn man versuchen will, die Persönlichkeit eines solchen Kollegen oder einer solchen Kollegin zu ändern (und Sie sollten solches auch nicht von Ihrer Chefin erwarten – die kann das auch nicht).

Was Sie tun können, ist sich abgrenzen. Klar sagen, was Sie stört. Ruhig und sachlich – aber deutlich. Widmen Sie diesen Leuten nicht zu viel Aufmerksamkeit. Hören Sie nicht zuerst ausführlichst den Waschweibergeschichten zu – denn dann können Sie sich nicht mehr abgrenzen. Sie wissen ja ganz genau, wenn so etwas losgeht. Sagen Sie den ewigen Stänkerern, sie sollen doch bitte so konsequent sein und Leine ziehen. Halten Sie sich lieber an Kolleginnen und Kollegen, mit denen es ein gutes Zusammensein und Zusammenarbeiten ist.

Ihre Chefin sollten Sie bei dieser Problematik übrigens aus dem Spiel lassen. Klagen bei Vorgesetzten über ärgerliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist wie Petzen beim Lehrer: Das gehört sich nicht.

Was aber, wenn Sie selbst – wann und warum auch immer – so ein Montagsexemplar geworden sind? Dann sollten Sie rechtzeitig die Reissleine ziehen und woanders einen Neuanfang suchen.

Scheidungen tun weh, sind aber nicht schlimm. Nicht selten verhelfen sie zu einem tollen Neustart.