Karriere

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Lob muss durch Ehrlichkeit gedeckt sein, und sie ist nur in angemessenen Portionen und im richtigen Moment wertvoll. Bild: Fotolia

Sie wollen Feedback, aber meinen Lob

Von Felix Frei

Eine heikle Währung sei Lob, schreibt Psychologe Felix Frei und rät, sich mit dem Feedbackerbeten zu mässigen.

Eine besonders zeitgemässe Form, sich selbst zu belügen, liegt in der Behauptung, man lege Wert auf Feedback. Möglichst ungeschminkt. Am liebsten kritisches, denn nur daraus lasse sich etwas lernen.

Dass sich die allermeisten, die das behaupten, selbst belügen, erkennt man daran, wie sie dann reagieren, wenn das Feedback tatsächlich kommt – mit Rechtfertigung: Das habe ich nicht so gemeint ... Das ist ein Missverständnis... Das musste ich so machen, weil...

Nichts von dem ist die Reaktion, wenn das Feedback aus reinem Lob bestand.

Es spricht absolut nichts dagegen, Lob zu lieben. Es wäre schön, wir alle würden viel mehr Gelegenheiten beim Schopf packen, um andere (selbst Ihre Chefin!) zu loben. Und man darf auch mit dem Zaunpfahl winken, wenn jemand nicht merkt, dass man jetzt ein Lob verdient hätte. Allerdings ist Lob eine heikle Währung – sie muss durch Ehrlichkeit gedeckt sein, und sie ist nur in angemessenen Portionen und im richtigen Moment wertvoll.

Wir wissen auch ohne Feedback, was Sache ist

Selbstredend gibt es auch Menschen, die Mühe haben mit diesem Währungsproblem, so dass sie erst und nur dann ein Feedback als glaubwürdig akzeptieren können, wenn es hinreichend negativ ist. Und Lob können sie gar nicht annehmen. Das ist ein sicherer Weg, sein Selbstbewusstsein zu ruinieren.

Meistens, wenn wir etwas falsch oder schlecht gemacht haben, wissen wir auch ohne Feedback, was Sache ist. In diesen Fällen Feedback zu erbeten, ist entweder masochistisch oder von einer naiven Hoffnung beseelt, der andere werde das vielleicht trotz allem viel freundlicher bewerten.

Und sehr oft, wenn man etwas nicht besonders gut gemacht hat, ist es halt eben so. Punkt. Und es gibt auch gar nichts daraus zu lernen, weil man bereits genau weiss, woran es lag. Auch ohne Feedback.

Was also das Feedbackgeben angeht, kommen Sie der Bitte um Feedback am besten so zuvor, dass Sie loben, was Sie aufrichtig loben können. Ungefragt. Feedback müsste – laut Lehrbuch – erbeten sein. Lob nicht.

Und was das Feedbackerbeten angeht, mässigen Sie sich. Machen Sie es nur dort, wo es vereinbart ist (zum Beispiel mit Kolleginnen, noch vor Ihrer Präsentation), oder dort, wo es zur Rolle gehört (vor allem mit Ihrer Chefin).

Und wenn Sie Lob wollen, dann sagen Sie das ruhig. Mit Charme und einem Augenzwinkern an einen wohlmeinenden Menschen adressiert, haben Sie beste Aussichten darauf, dass man schliesslich ein ganz gutes Gespräch darüber hat, worin denn nun Ihre Leistung bestand. Und Sie erhöhen die Chance, dass so ein Lob künftig auch mal spontan kommt.

Aber wenn man Sie dann lobt, dann nehmen Sie es auch an. Wenn Sie sich dann in Bescheidenheit verkriechen, statt Freude zu zeigen, dann haben Sie es verdient, nicht mehr gelobt zu werden.