Hotellerie

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Verzeichnen eine gute Halbjahresbilanz (von links): Finanzchef Saverio Alberti, Resortmanager Dominic Kutschera und CEO Hassan Kadbi in der Lobby des Hapimag-Resorts in Interlaken. Bild: TN

Bessere Zeiten für Hapimag

Von Gregor Waser

Das oft gescholtene Schweizer Timesharing-Unternehmen Hapimag hat einen Kulturwechsel eingeleitet sowie zahlreiche Massnahmen für die Zufriedenheit ihrer Aktionäre, die auch die Betten der 60 Resorts belegen – mit Erfolg. 

Die Hapimag-Konzernleitung hat die Ärmel hochgekrempelt. Herzlich ist die Begrüssung von CEO Hassan Kadbi, CFO Saverio Alberti und Resortmanager Dominic Kutschera. Sie empfangen im Hapimag-Resort in Interlaken Journalisten zum Halbjahres-Gespräch.

Gut drauf und auskunftsfreudig ist die Crew. Das war nicht immer so beim Timesharing-Ferienanbieter. Denn legendär sind die Generalversammlungen bei Hapimag, wo etliche der 130'000 Aktionäre – die Mitbesitzer und Gäste der Ferienanlagen — polternd ihren Unmut Kund taten über fehlende Aktionärsinfos und Sorgen zur Finanzlage des Unternehmens.

Doch seit Ende 2016 der gebürtige Libanese Kadbi die Geschäftsleitung von der einstigen Swissair-Managerin Marisabel Spitz übernommen hat, lautet die Devise: Kulturwechsel. Und das Unternehmen mit 60 Resorts in 16 Ländern ist derzeit gut in Fahrt.

Prozesse optimieren, Kosten reduzieren

Anfangs Jahr konnte Hapimag den höchsten Jahresgewinn seit 15 Jahren verkünden. 12,9 Millionen Euro betrug das Betriebsergebnis im Jahr 2017, 11,1 Millionen der konsolidierte Gewinn. Und nun fällt die Bilanz für das erste Halbjahr 2018 ebenfalls positiv aus: auf 8,3 Millionen Euro beläuft sich das Betriebsergebnis nach sechs Monaten.

Prozesse optimieren, Kosten reduzieren und die Fokussierung aufs Kerngeschäft Gastfreundschaft, lautet die Devise des 40-jährigen CEOs. «Wir wollen das Vertrauen unserer Aktionäre, die ja auch unsere Kunden und Gäste sind, zurückgewinnen – mit gutem Service und offener Kommunikation», erklärt Hassan Kadbi, der schon 2005 als Resortmanager in Bodrum zu Hapimag stiess. Er erläutert die Geschäftsentwicklung und Zahlendetails auf Englisch, hier sei er sattelfest, doch auch sein Deutsch ist gut.

Die neuen Services und Verbesserungen für die Aktionäre lässt Hapimag derzeit einiges kosten. Ab 2019 erhalten die Aktionäre einen Rabatt auf die Jahresbeiträge. Hierzu sind Mindereinnahmen von 2,6 Millionen Euro zur Seite gelegt. Ebenso verzichtet Hapimag künftig auf den Verkauf eigener Wohnpunkte im Umfang einer Million Franken. Dafür können die Aktionäre neuerdings online Wohnpunkte mit anderen Aktionären tauschen.

Stabilität bei der Mitgliederzahl

Draussen vor dem Meeting-Room ziehen dunkle Wolken auf. Nach Wochen der Trockenheit erlebt Interlaken an diesem Donnerstag den ersten heftigen Regen. Zwei junge Tischtennis-Spieler ziehen sich ins Resort zurück. Und der langjährige Finanzchef Saverio Alberti sagt lachend: «Die beiden Jungen haben wir nicht zur Show organisiert, wir verzeichnen tatsächlich eine Verjüngung unserer Gäste.»

Im Detail erklärt er, wie viel eine Hapimag-Aktie koset (3430 Franken die erste, weitere sind günstiger) und wieviele Wohnpunkte die Aktionäre erhalten (60 im Jahr) und wie günstig Ferien unter dem Strich ausfallen – insbesondere nach fünf, sechs Jahren. Viele Hapimag-Aktien seien mittlerweile vererbt worden, entsprechend verjüngt habe sich die Klientel.

Nachdem in den Vorjahren der Aktionärsbestand rückläufig war, will die Hapimag-Konzernleitung den aktuellen Stand von 130'000 zumindest halten und eine Stabilität bei der Mitgliederzahl erreichen. Schliesslich werden jährlich über 30 Millionen Euro in die Renovierung der Resorts gesteckt – der gute Viersterne-Standard und die Modernisierung im Resort in Interlaken verdeutlichen die Anstrengungen, den Hapimag-Gästen einen top Ferienaufenthalt zu bieten – sei es an direkten Lagen am Meer, in den Alpen oder in Städten.

Charmeoffensive mit der Honesty Bar

«Wir streben einen nachhaltigen Erfolg an», sagt Hassan Kadbi und diesen will er und seine Crew nicht nur mit Kosteneinsparungen und Prozessoptimierung erreichen, sondern auch mit Offenheit. Dazu gehört etwa der neugeschaffene Hapimag-Blog. Im Monatsrhythmus informiert Kadbi die Aktionäre über aktuelle Themen und Veränderungen. Und er stellte dabei fest: zunächst fielen einige Reaktionen wütend aus, später kritisch, heute konstruktiv. Kritisch werden die Aktionäre wohl weiterhin bleiben, was schliesslich in der Natur eines Aktionärs liegt, doch Offenheit scheint beim Zuger Unternehmen jedenfalls ein gutes Instrument nach turbulenten Jahren.

Nicht nur der CEO-Blog gehört dazu. Auch der Umzug von Baar nach Steinhausen. Am neuen Firmensitz sind keine schliessbaren Einzelbüros mehr angesagt. Sondern auch die Konzernleitung arbeitet am offenen Desk. «Das war zunächst schon gewohnheitsbedürftig», räumt Alberti ein, «doch mittlerweile haben wir uns an den neuen Umgang und den Lärmpegel im offenen Büro gut gewöhnt».

Und Hassan Kadbi führt durch die Lobby des Resorts und zeigt mit Stolz auf die neugeschaffene, unbediente Honesty Bar. Hier können Gäste rund um die Uhr Esswaren, Getränke und auch Souvenirs beziehen und ihre Konsumation auf einem Zettel aufschreiben und einwerfen – auf Vertrauensbasis.

Kadbi, der an der Kantonsgrenze Zug-Zürich lebt, hat sich dabei von den Bauernhöfen in seiner Umgebung, die Blumen und Eier so verkaufen, inspirieren lassen. «Die Einführung der Honesty Bars hat für einiges Stirnrunzeln gesorgt, an der Ehrlichkeit der Gäste wurde gezweifelt». Doch die fehlenden Beträge seien minimal. Die Differenz werde er aus dem Marketing-Budget bestreiten, lacht er. Die Gäste würden jedenfalls das Vertrauen mit der Schaffung der Honesty Bars sehr schätzen.