Hotellerie

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Jo&Joe ist einer der Vorreiter neuer Hoteltrends und bezeichnet sich als «Open House». Bild: Instagram.com/jo.and.joe

Expert Von Grätzl bis Jo&Joe – das steckt hinter den Hoteltrends

Von Michael Lidl

Hotelexperte Michael Lidl erklärt die Hoteltrends 2018 und sagt, welche Konzepte auf dem Vormarsch sind.

Megatrends. Sie sind vielfältig, komplex und verändern die Welt – langsam, aber dafür grundlegend und langfristig. New-Living, Sharing-Economy und Lifestyle sind die großen Trends, die sich vor allem auf die Hotelbranche auswirken. Der Sektor reagiert mit zunehmend kreativen Konzepten. Grätzl, Jo&Joe und Co. beweisen, dass der Hotelmarkt sich auf verschiedene Zielgruppen einlässt.

Grätzl und Chez Cliché: Die Antwort auf den Boom von AirBnB, Wimdu und Co.

Angebote wie AirBnB, die an den Sharing-Economy-Boom anknüpfen, erleben weiterhin einen regelrechten Höhenflug. Um keine Gäste an solche neuen Konzepte zu verlieren, mussten Hoteliers kreativ werden. Das haben sie geschafft und stützen sich zum Beispiel auf fragmentierte Hotels mit ganz eigenem Charme und viel Authentizität. Zwei Vorzeigebeispiele bietet Wien.

Das Grätzl-Hotel (Grätzl meint Stadtbezirke auf Wienerisch) verteilt alle Zimmer auf einen Stadtbezirk. Unterschiedliche Themen wie Gärtnerei, Hausmeisterraum oder Elektriker dienen als Leitfaden für die Einrichtung und tragen zur Authentizität dieses Konzeptes bei.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das andere Hauptstadthotel Chez Cliché, das sich dem Slogan «live like a local» verschreibt. Gäste schlafen hier in den «privaten» Wohnungen von starken Charakteren – allesamt frei erfunden. So erleben die Besucher der österreichischen Hauptstadt auserlesenes Design, Freizeitaktivitäten und pfiffige Accessoires gepaart mit umfangreichen Service-Leistungen durch die Mitarbeiter.

Mainstream – nein, danke: Individualisierung und Lifestyle auf dem Vormarsch

Hotelketten verabschieden sich zunehmend von ihren standardisierten Produkten. Gewünscht ist Individualisierung: Hoteliers nutzen lokale Besonderheiten zu ihrem Vorteil und schaffen Erlebnisse für ihre Besucher. Accor nimmt mit 25hours eine Lifestyle-Variante in ihr Portfolio auf. Die sogenannte «eigenwillige Wundertüte mit zeitgemässer Dienstleistung» schreibt sich ein Gästeerlebnis auf hohem Niveau und mit Wiedererkennungswert auf die Fahnen.

Zusätzlich ergibt sich aus der Symbiose von New-Living und Sharing-Economy das Prinzip des Co-Livings. Jo&Joe ist hier einer der Vorreiter und bezeichnet sich als «Open House». Im bekannten Hostel-Style werden sich Küchen und Wohnzimmer geteilt und verschiedene Schlafräume mixen Gäste miteinander. Hier steht der Design-Aspekt im Vordergrund und verleiht dem Hostelprinzip neuen Glanz. Eine App sorgt für mehr Interaktion im Haus und rückt die Community in den Mittelpunkt.

Die neuen Trendsetter: Influencer

Immer und überall erwarten Menschen, dass die Digitalisierung ihr Leben etwas besser und einfacher macht. So auch am Hotelmarkt: Neben Self-Check-Ins oder digitalen Schlüsseln auf Smartphones sollen noch mehr neue Entwicklungen für moderne Basic-Ausstattungen in Gästehäusern sorgen. Hier müssen sich Marketing und Sales an den Trends orientieren. Denn nicht nur sie verkaufen in Zukunft ihr Hotel oder ihre Marke – Influencer nehmen ihnen als die heutigen Trendsetter einiges an Arbeit ab. Sie erreichen und beeinflussen über Youtube, Instagram oder Blogs vor allem die junge Zielgruppe, die dem sogenannten «Word of Mouth» ihrer Idole grosses Vertrauen entgegenbringt.

Wo geht die Reise hin?

Mut zum Unkonventionellen heisst das Motto für Hoteliers, die sich auch zukünftig auf dem Markt behaupten wollen. Eine neue kreative Idee schafft oft einen Wettbewerbsvorteil und erschliesst auch neue Zielgruppen. Hier bauen Hotels auf Erlebnis, Authentizität und Lifestyle und machen diese zur Standardausstattung ihres Konzeptes.

Unterschiedliche und neue Lebensstile bieten häufig Inspiration. Diese aufzugreifen und anzusprechen wird die Herausforderung dieses Jahres sein. Allerdings ist eines sehr wichtig: Hoteliers sollten nicht blind auf andere Konzepte vertrauen. Jede Marke und jedes Hotel hat eigene Ansprüche und einen einzigartigen Charme, der sich auch im Konzept widerspiegeln sollte. Nur so bleiben sie auch zukünftig authentisch und individuell.