Hotellerie

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Bruno H. Schöpfer, Chef des Bürgenstock Resorts, freut sich über einen gelungenen Start. Bild: BEN HUGGLER PHOTOGRAPHY

«Es ist super angelaufen – besser als erträumt»

Nach neun Jahren Planungs- und Bauzeit hat vor wenigen Wochen mit dem Waldhotel Health & Medical Excellence das letzte der insgesamt vier Hotels auf dem Bürgenstock den Betrieb aufgenommen. Travelnews.ch konnte die Bürgenstock-Anlage testen und hat sich mit dem Managing Director Bruno H. Schöpfer über das Mega-Projekt unterhalten.

Herr Schöpfer, das Resort ist fertig. Wie geht es Ihnen?

Bruno H. Schöpfer: Sehr gut! Es ist super angelaufen – viel besser, als ich mir jemals erträumt hätte. Aber jetzt gibt es neue Herausforderungen.

Womit haben Sie gerade zu kämpfen?

Gerade hatten wir 84 Check-outs und 120 Check-ins in den beiden Hotels Bürgenstock und Palace. Das sauber zu managen ist eine heikle Sache. So passiert es schnell, dass es zu einem räumlichen Engpass in der Lobby kommt. Umso mehr, als dass die Erwartungen der Gäste bei einem neu eröffneten Resort riesig sind. Nun beginnt die Optimierungsphase.

Dieses Problem besteht im ganz neuen Waldhotel noch nicht.

Hier sind wir mit anderen Challenges als in den touristischen Häusern konfrontiert. An oberster Stelle steht die Personalsituation. Im Waldhotel muss sich das Team noch formieren und einspielen. Zu den touristischen Themen kommen medizinische Herausforderungen hinzu, die nicht zu unterschätzen sind.

Ist die Nachfrage nach dem medizinischen Zentrum auch so gut angelaufen?

Ja, wir sind sehr zufrieden und froh, dass wir es auf Anhieb mit 12 Betten auf die Spitalliste des Kantons Nidwalden geschafft haben. Dass uns die Krankenkassen akzeptieren – das war unser Weihnachtsgeschenk. So können wir der Bevölkerung ein nahes Reha-Angebot in den Bereichen muskuloskelettale (Bewegungsapparat), internistisch-onkologische (Krebsleiden) sowie psychosomatisch-sozialmedizinische (zum Beispiel eine Behandlung nach einem Burn-out) zur Verfügung stellen.

«Die ganzen Bewilligungsverfahren haben mir schlaflose Nächte beschert»

Sie haben die nun anstehenden Optimierungen angesprochen. Reichen die 550 Millionen Franken Investitionssumme aus?

Nein. Das wird knapp …

Wie wollen Sie das Ihren Investoren aus Katar beibringen?

Sie werden nicht erfreut sein. Aber das gehört dazu und wir werden sie sicher beschwichtigen können. Ich glaube, dass die Investoren (die Firma Katara Hospitality; Anm. d. Red.) sehr stolz sind auf das, was wir hier errichtet haben.

Waren die Vertreter schon vor Ort?

Nein, noch nicht.

Wann erwarten Sie den hohen Besuch?

Ich hoffe, dass sie zur offiziellen Eröffnung da sein werden. Aktuell laufen Gespräche bezüglich dem idealen Zeitpunkt für eine Eröffnungsfeier. Ein Datum steht noch nicht fest.

Wann denken Sie, müssen die Investoren keinen Scheck mehr schicken?

Unser Ziel besteht darin, ab 2020 rentabel zu arbeiten und einen ROI von drei Prozent zu erreichen.

Was hat Ihnen rückblickend schlaflose Nächte beschert?

Die ganzen Bewilligungsverfahren. Hierzulande hat man es mit innovativen Projekten schwierig, da sie einfach nicht mit den hiesigen Bauvorstellungen übereinpassen. Man wird mit Zonenplänen und Bauordnungen in ein «Mänteli» gezwängt, so dass auch die banalsten Sachen nicht realisierbar sind. Der Tourismus hat in der Schweiz einfach zu wenig Lobby.

Umso grösser dürfte Ihre Freude sein, dass sie so viele historische Gebäude in das Gesamtkonzept mit einbauen konnten.

Ja, umso schöner, wenn man das unter erschwerten Rahmenbedingungen schafft. Grosse Freude habe ich zum Beispiel am Spycher: hier konnten wir alle Themen wie Isolation, Brandschutz etc. lösen, ohne das Gebäude zu zerstören.

Was sind Ihre weiteren ganz persönlichen Highlights?

Die Aussicht – das versteht sich von selbst. Bei uns ist sogar die schlechte Seite Gold wert! Die Lakeview Lobby ist unique – wie auch das ganze Hoteldorf an sich weltweit einzigartig ist. Die Zimmer im Bürgenstock-Hotel mit Cheminée und Panorama begeistern mich jeden Tag aufs Neue. Mit dem medizinischen Konzept auf höchstem Niveau bieten wir etwas, was in der Schweiz seinesgleichen sucht. Auch das 10‘000-Quadratmeter-Spa und der überhängende Pool haben es schon ins Condé Nast geschafft …

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Blick aus einer Sitzecke auf den Spa-Bereich und den Vierwaldstättersee. Bild: TN

Herrscht schon bald Dichtestress im Pool?

In der ersten Phase gibt es immer einen Boom. Das ist normal. Aber es stimmt, dass uns die Nachfrage ein wenig überrollt hat. So haben wir den Wäsche-Verbrauch total unterschätzt und sind nun daran, zusätzlich Platz zu schaffen. Wir versuchen, die Balance bei den Gästen etwa über preisliche Anpassungen zu regulieren. Zudem geniesst der Hotelgast eine Vorzugsbehandlung. 

«Wir rechnen mit je 50 Prozent Schweizer und internationalen Gästen»

Auch die Restaurants sind sehr voll …

Ja, und das obwohl man mir immer vorgeworfen hat, es seien zu viele Restaurants geplant. Wie auch im Spa-Bereich besteht der Clinch zwischen Hotelgästen und externen Besuchern. Im Pool herrscht vor allem unter den asiatischen Gästen ein Wettbewerb um das beste Selfie.

Welches sind die wichtigsten Märkte?

Wir rechnen mit je 50 Prozent Schweizer und internationalen Gästen. Im internationalen Segment werden es im Juli und August vor allem Gäste aus dem arabischen Raum sein. Grosses Potenzial sehen wir bei den Individual-Touristen aus China und Indien. In Europa – nebst den Einheimischen – Deutsche und Briten. Hier spielt uns die Wechselkursentwicklung natürlich in die Hände.

Welche Rolle spielt das MICE-Geschäft?

Eine wichtige. Die Nachfrage von Firmen ist gross – gerade aus der Region. Wir liegen im Ballungszentrum vermögender potenziellen Kunden. Die Unternehmen bringen oft ihr ganzes internationales Management mit, was unseren Namen in die Welt trägt. Unser oberstes Ziel ist, dass wir unsere Gäste in der Umgebung zufriedenstellen – so kommt auch das Publikum aus der Ferne zu uns.

Und das schon bald mit dem nächsten Highlight – dem neuen Shuttle-Schiff…

Ja, wir wollen, dass so viele Gäste wie möglich mit dem Schiff und der Bürgenstock-Bahn anreisen. Ab Mai haben wir nun im Stunden-Takt unser eigenes Shuttle-Schiff ab Luzern. Ich bin optimistisch, dass 30 Prozent der Gäste auf diesem Weg anreisen.

Eines der Klinikzimmer im Waldhotel. Bild: TN

(TN)