Hotellerie

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Im thailändischen Sündenbabel Pattaya (Bild), aber auch anderswo im Land gibt es zahlreiche unlizensierte Hotels. Wer genug schmiert, dürfte aber kaum was zu befürchten haben. Bild: Pixabay

Thailands schwieriger Kampf gegen illegale Hotels

Vielen Hotels fehlt weiterhin eine Lizenz. Schliessungen werden angedroht. Allerdings verhindert die Korruption eine echte Bereinigung des Hotelsektors.

Thailand gehört zu den weltweit populärsten Reisedestinationen. Im letzten Jahr besuchten 32,6 Millionen Personen das Land des Lächelns, und spülten dabei laut den thailändischen Tourismusbehörden 1,654 Trillionen Baht (rund 44 Milliarden Franken) in die lokale Wirtschaft. Das entspricht 9 Prozent Wachstum, in einer für Thailand wirtschaftlich und auch politisch eher schwierigen Zeit.

Da diese Touristen alle untergebracht werden müssen, gibt es nebst den grossen, bekannten Hotels eine Unzahl von relativ kleinen Hotels und Pensionen und diversen Formen von «short-term accommodation services». Sicherlich nicht das, was von seriösen Thailand-Veranstaltern angeboten wird. Aber in einem Land mit vielen individuell und «ungeplant» Reisenden doch eine recht grosse Industrie für sich.

Das Problem: Viele dieser Hotels besitzen keine Hotellizenz. Und da spricht man nicht von einer kleinen Minderheit: Wie «TTG Asia» gestern berichtete, haben allein auf Phuket derzeit lediglich 429 von total 1724 Hotels eine gültige Lizenz. Das ist insofern relevant, als dass die aktuell an der Macht stehenden Militärs eine Deadline bis Ende Januar 2018 gegeben haben, um eine Hotellizenz einzuholen. Wer bis dann keine hat, muss mit  einer Schliessung rechnen. Punktuell werden schon jetzt landesweit Kontrollen durchgeführt und hier und dort auch Schliessungen verordnet; im Frühjahr machten Meldungen über Schliessungen von Hotels in Pattaya die Runde.

Klare Regeln, unklare Auslegung

Offensichtlich liegen die Probleme zumindest zum Teil auch bei den Behörden. Von den aktuell 1295 unlizensierten Hotels in Phuket haben 1007 ein Bewilligungsgesuch eingereicht, aber erst sechs eine Lizenz erhalten. 1001 warten also noch auf Bescheid, während 288 noch gar nicht erst ein Gesuch eingereicht haben. Offenbar gibt es Differenzen bei der Auslegung der Lizenzierungs-Regeln. Grundlegend ist eigentlich der «Building Control & Hotel Act» (Hotel Act B.E. 2547 [2004]), der für ganz Thailand gilt, auf lokaler oder provinzieller Ebene in den letzten Jahren jedoch weder strikt befolgt noch strikt durchgesetzt wurde.

Viele Hotelbetreiber, deren Gebäude nach dem Gesetz eigentlich nicht als «Hotel» durchgehen kann, betreiben ihr Business deshalb einfach weiter. Und obwohl die Behörden wie auch das Militär viel unternehmen, um die Verbreitung von unlizensierten Hotels zu verhindern, so nehmen diese zahlenmässig infolge der hohen Nachfrage der Touristen eben doch zu.

 Zwar sind die Regeln klar: Wer ein Hotel ohne Lizenz betreibt, riskiert eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr sowie scharfe Bussen, nämlich 20‘000 Baht (567 Franken) grundsätzlich sowie 10‘000 Baht (283 Franken) für jeden weiteren Tag bis zur Schliessung oder zum Erwerb einer Lizenz. Aber eben: Die Durchsetzung der Regeln ist ein Thema für sich.

Wer bezahlt, kann weitermachen

Eine Hotelfachfrau mit Schweizer Hintergrund, die in Pattaya tätig ist und nicht namentlich genannt werden möchte, bringt es gegenüber travelnews.ch so auf den Punkt: «Das letzte Resort, in dem ich arbeitete, war ein 36-Zimmer Boutiqueresort in Pattaya. Wir hatten keine Lizenz, hatten uns aber mit den lokalen Behörden seit Jahren arrangiert. Es fliesst immer Geld unter dem Tisch durch. Nach den Ankündigungen des Militärs stand plötzlich einmal das DSI, die Staatliche Sicherheitspolizei Thailands, im Hotel und drohte mit der Schliessung. Um dies zu umgehen, mussten wir wiederum Schmiergeld bezahlen. Ich verliess dann das Resort, als ich irgendwelche Papiere unterzeichnen sollte, deren Inhalt ich keineswegs zustimmte. Ein leitender Angestellter, ein Nordkoreaner, unterschrieb aber.»

Ihrer Einschätzung nach wird es in Pattaya, aber auch in Bangkok oder auf den Touristen-Inseln, immer wieder zu vereinzelten Schliessungen kommen – um zu zeigen, dass etwas unternommen wird. Grundsätzlich würden aber viele Hotels offen bleiben und weiterhin Schmiergeld zahlen. Sie verweist auch auf den Umstand, dass Prostitution in Thailand offiziell illegal ist, und es doch kaum je zur Schliessung von Gogo-Bars oder Massagesalons kommt. «Solange man bezahlt und nicht öffentlich ankämpft, also den Mund aufmacht, passiert kaum etwas», so ihr Fazit.

Seriöse Reiseveranstalter bieten Sicherheit

Zahlen des in Berlin ansässigen «Transparency International Index» unterstützen die Aussagen der Hotelmanagerin. Thailand befand sich Ende 2016 auf Rang 101 von 176 untersuchten Ländern, in Bezug auf die Verbreitung von Korruption, mit einer Punktzahl von 35, wobei 0 «sehr korrupt» und 100 «gar nicht korrupt» bedeutet. Wobei man hier noch anfügen muss, dass der globale Durchschnitt bei lausigen 43 Punkten lag, was darauf hinweist, dass im öffentlichen Sektor die Korruption weltweit ein endemisches Problem ist.

Und was bedeutet das jetzt für Thailand? Ende Januar wird es wohl immer noch sehr viele Hotels ohne Lizenzen geben. Was nicht heisst, dass es landesweit zu Schliessungen kommen wird, selbst wenn die etablierte Hotellerie das durchaus gerne sähe. Ein paar Hotels wird es pro forma treffen. Für Touristen empfiehlt es sich eigentlich, vom seriösen Reiseverantalter ausgesuchte Hotels, idealerweise solche mit bekannten Brands, zu buchen. Dort ist die Chance gering, doch mal einen der «Crackdowns» von Militär oder Behördenpolizei miterleben zu müssen.

(JCR)