Hotellerie

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Der Hotelkonzern bietet jetzt auch Flüge: Grosse Konzerne, die unter eigener Marke mit White-Label-Partnern Pauschalreisen anbieten, machen das Leben der Reisebüros schwer. Bild: Screenshot Accor

Ist bald jeder Dienstleister auch ein OTA?

Accor Hotels verkauft neuerdings «Flug & Hotel»-Angebote über seine Website. Immer mehr Dienstleister bündeln immer mehr Leistungen – mit Folgen für den klassischen Vertrieb.

Seit Montag verkauft der Hotelriese Accor auf seiner Website Reisepackages, also Kombinationen aus Flug und Hotel. Vorläufig zwar erst im französischen Heimmarkt und mit beschränktem Angebot (180 Hotels in 30 Flugzielen), doch dürfte es sich dabei um einen Test handeln, dem im Erfolgsfall ein grösseres Rollout folgt. Accor selber bezeichnet die neuen Reiseveranstalter-Aktivitäten als «Experiment im französischen Markt». Für den Verkauf der Flugtickets kooperiert Accor mit der OTA MisterFly.

Eigentlich war schon lange bekannt, dass Accor vom einfachen «Lieferanten» von Hotelzimmern zum integrierten Reiseunternehmen mutieren will. Und Accor ist ja längst nicht das erste Unternehmen, das diesen Schritt vollzieht – viele Airlines wie Lufthansa oder Ryanair haben «Ferien-Divisionen», über welche nicht nur Flüge, sondern ganze Reise-Arrangements inklusive Hotel und teils auch Mietwagen gebucht werden können.

Accor geht gar noch einen Schritt weiter: Laut «L’Echo Touristique» hat Accor kürzlich Anteile von Noctis übernehmen, einer Firma, welche sich auf die Online-Vermittlung von Events und Touren spezialisiert hat. Mit anderen Worten: Accor ist daran, die eigene Website in eine eigentliche OTA umzugestalten.

Zersplitterung des Reisevertriebs hält an

Für Reisebüros und Reiseveranstalter ist längst klar: Die Anzahl Mitbewerber steigt exponentiell, wenn jeder Lieferant auch zum Pauschalreiseanbieter wird. Die neue, umstrittene und weiterhin wild debattierte EU-Pauschalreiserichtlinie, welche 2018 in Kraft treten wird, dürfte an dieser Entwicklung nichts ändern. 

Oder anders gesagt: Die Zersplitterung der Reisebranche nimmt weiter zu. Besonders im Online-Sektor, wo sich reine OTA wie Expedia mit klassischen touristischen Vertriebsgesellschaften sowie Metasearchern und Vergleichsportalen und nun eben auch Airlines und Hotelketten um Kundschaft streiten. Vielfach ist kaum mehr ersichtlich, wer eigentlich hinter den Angeboten steckt. Da kommt eine bekannte Marke, die Vertrauen erweckt, zu Gute - und deshalb haben Giganten wie Accor gut Karten. Letztlich gewinnt, wer den besten Content und Service hat, online und/oder offline.

(JCR)