Hotellerie

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Unten die Bar, oben die Zimmer – die Distillery im Londoner Stadtteil Notting Hill.

B&B steht jetzt auch für «Bed and Beverage»

Wenn man von der Bar nur noch ins Zimmer gleich daneben gehen muss – die neue Beherbergungsform entwickelt sich zum Trend.

Wer den Begriff «B&B» hört, denkt wohl an das, wofür dieses Kürzel bislang gestanden hat, nämlich «Bed & Breakfast». Das sind hotelähnliche Übernachtungsmöglichkeiten in einem Privathaus inklusive Frühstück – manchmal einfach, manchmal wunderbar gemütlich, meist mit nur wenigen Zimmern und in der Regel sind sie preiswert.

Nun schicken sich in den USA gewisse Anbieter an, dem Begriff «B&B» eine andere Bedeutung zu geben: Nämlich «Beds & Beverages». Kurz gesagt geht es hier um Bars, welche auch gleich Zimmer vermieten. Der offensichtliche Vorteil liegt darin, dass man es vom Barhocker nicht mehr weit ins Bett hat. Teils kommen diese B&Bs aber auch gleich mit einer eigenen Full-Service-Bar im Zimmer einher. Ein Konzept, das manche Nachahmer auf den Plan rufen dürfte. Wir haben mal drei solche Angebote unter die Lupe genommen:

In Los Angeles hat im letzten September das The Rooms at the Walker Inn eröffnet. Es liegt im zentralen Stadtteil Koreatown. Das Walker Inn ist eine über L.A. hinaus bekannte Lounge-Bar, welche dem Normandie Club angegliedert ist und wo man nur auf Reservation zugelassen wird, da es nur 26 Plätze gibt. Dort werden zehn verschieden gestaltete Zimmer vermietet, welche über der Bar liegen und direkt von dieser aus erreicht werden können. Eigentlich sind es Zimmer, welche dem zugehörigen 20er-Jahre-Hotel Normandie angegliedert waren, aber separiert und speziell ausgestattet wurden.

In jedem Zimmer hat es eine eigene, gut gefüllte Bar, mitsamt Mixern und verschiedenen Zutaten, die es für das richtige Cocktail braucht. Hinter dem B&B steckt unter anderem David Kaplan, der bereits die Kult-Bars Death & Co. (New York) und Skyfall (im Delano Las Vegas) verantwortete. Sein Idee war, dass Gäste nicht nur 2-3 Stunden in der Bar sein sollten, sondern gleich den ganzen Abend und die Nacht da verbringen sollten. Die Zimmerpreise starten bei 195 Dollar, also rund 10% höher als vergleichbare Zimmer im Hotel Normandie. Dafür gibt es ja beim Checkout ein Advil, also ein (Kopf-)Schmerzmittel, gratis dazu.

Im noblen Londoner Stadtteil Notting Hill verfolgt die Distillery ein ähnliches Konzept. Auf Strassenebene liegt die Bar namens Resting Room, wo man sich einstimmen kann. Dann geht’s ein Stockwerk aufwärts ins Restaurant GinTonica, dessen Spezialität natürlich G&Ts sind. Auf der obersten Etage stehen dann drei Boutique-Hotel-Zimmer für jene zur Verfügung, die nicht mehr nach Hause wollen/können. Das Gebäude ist im viktorianischen Stil eingerichtet und setzt auf Klasse; der Gin wird in bauchigen, runden Gläsern serviert. Im Keller gibt’s übrigens auch noch eine Attraktion, die «Ginstitute Experience», wo man alles über die beliebte Wacholder-Spirituose erfährt, inklusive Tasting.

Hinter diesen B&Bs stecken junge und innovative Köpfe

Auch in Paris gibt es so ein B&B, mit dem klingenden Namen Grand Pigalle Hotel. Es liegt im 9. Arrondissement unweit der berühmten Place Pigalle, will sich aber vom antiquierten Postkarten-Paris distanzieren. Es wurde bereits 2015 eröffnet und verfügt über ein hochkarätiges italienisches Restaurant sowie eine fantastische Weinbar. Die 37 Zimmer haben allesamt einen Getränkekart mit sämtlichen Flaschen und Ingredienzen, um sich auch im Zimmer tolle Cocktails mixen zu können. Grundsatz hier ist die Mischung aus «kultiviert und komfortabel».

Das Grand Pigalle Hotel erhält nun bald ein Schwesterhotel in London. Im Stadtteil Covent Garden eröffnet in Kürze das Henrietta Hotel, wo 18 Zimmer für die Gäste der 60-plätzigen Cocktail Bar und des Restaurant Henrietta (wo Michelin-Koch Ollie Dabbous die Kelle schwingt) bereit stehen.

Der Experimental Cocktail Club, welcher hinter den beiden letztgenannten Häusern steht, hat noch ein drittes Haus, welches allerdings weniger als B&B bezeichnet werden kann. Es handelt sich um das Hotel Covell, am Hollywood Boulevard in Los Feliz, einem Stadtteil von Los Angeles Das Hotel bietet fünf wunderbar eingerichtete Suiten mit viel Holz, Designstücken und Vintage-Glamour. Sie haben auch eine Kitchenette. Für die Getränke muss man allerdings zur nahe gelegenen Sunset Junction gehen.

(JCR)