Hotellerie

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Hotel Bahia, Cala Santandria Menorca: Erst mal klicken ist nicht falsch, denn… Bilder: Internaut / Screenshot / Pixabay

Hotelbuchung clever planen in drei Schritten: klicken, kabeln, kombinieren

Von Andreas Güntert

Nicht nur auf Hotelplattformen vertrauen. Selber aktiv werden: Hier kommt der Ratgeber Hotelbuchung mit Tipps und Tricks. Drei Schritte sind es, die Dich ans Ziel bringen. Nicht unbedingt zum billigsten Angebot. Aber zum besten.

Wenn ich Dir hier einen Ratgeber zur Hotelbuchung schmackhaft machen will, könnte Deine erste Reaktion sein: Hey Alter, braucht es das überhaupt?

Und wahrscheinlich wirst Du gleich noch diese Frage in den Raum werfen: Findet man zum Thema Hotelbuchung nicht sowieso online schon alles auf gängigen Hotelplattformen?

Das sind natürlich zwei gute Fragen. Lass mich so antworten: Ja, das braucht es. Ich werde Dir gleich sagen, warum das so ist.

Ein Teil davon steckt schon in der Antwort auf die zweite Frage: Hotelplattformen bieten zwar online vieles. Aber nicht alles, was Du brauchst, um das beste Angebot zu finden.

Ratgeber Hotelbuchung: Die Klick-Phase

Damit will ich nichts Grundsätzliches sagen gegen Hotelplattformen. An dieser Stelle jedenfalls noch nicht. In einer ersten Phase leisten sie gute Dienste. Wenn es etwa darum geht, das Angebot zu sichten.

Nichts Leichteres, sich auf einem grossen Portal wie Booking.com oder – etwas spezifischer – bei einem der kleineren und spezialisierteren Portälchen – einen Überblick zu verschaffen.

….wir erhalten so auch gleich einen Überblick zu anderen Angeboten in der Nähe. Bild: Screenshot

In dieser Hinsicht leisten Portale wie Booking, Ebookers, Expedia, HRS etc Grossartiges. Ich schaue mir ein Hotel wie etwa das oben gezeigte Bahia auf Menorca für die gewünschten Daten auf Booking* an, klicke auf «Karte anzeigen» – und schon habe ich eine Übersicht zu anderen Hotels in der Nähe, zu Preisen und Verfügbarkeiten.

Was die weltumspannenden Hotelportale, die sogenannten Online Travel Agencies (OTA) auf die Beine gestellt haben, wie sie hunderttausende Hotels der Welt für ihre Kunden kartographieren, alles gleich in zig Sprachen übersetzen und Buchungen einfach und sicher bis in den hintersten Winkel des Planeten ermöglichen: Grossartig. Soll man also gleich dort buchen? Nein.

Hotelbuchung Ratgeber: Bitte gleich mal Kabeln

Man macht nichts Falsches, wenn man sich zunächst auch mal noch die Website des Hotels anschaut. Vielleicht werden Direktbucher ja mit besonderen Angeboten angesprochen. Oder es gibt sonstige Vorteile, die es so online nicht gibt.

Wenn das gewünschte Hotel geographisch in Deiner Nähe liegt, wenn es zu Deinem Telefon-Preisplan passt und wenn Du der örtlichen Sprache einigermassen mächtig bist, würde ich immer zuerst einmal anrufen. Also Kabeln. Und dies aus zwei Gründen, die einen Nutzen stiften können.

Ja, ruf ihn an. Oder sie. Wer weiss, was sie Dir in ihrem Hotel bieten können.

Beim direkten Anruf erfährt man erstens – wenn denn die Leute vor Ort kundig, kompetent und kundenorientiert sind – mehr zum gesamten Angebot, zum kompletten Package. Zweitens ist es natürlich so, dass sich Hotelportale ihre Leistung vom Hotel vergüten lassen.

Je nach Land, Konkurrenzsituation und Lage des Hotels kann diese Kommission irgendwo zwischen 12 und 20 Prozent liegen, mit Ausreissern gegen oben und unten.

Der Preis ist heiss. Aber manchmal auch lauwarm

Ob Hotels auf ihren Websites die Preise unter jene der auf der Hotelplattformen angegebenen Raten senken dürfen, war und ist weltweit ein politischer Zankapfel. Von «Knebelverträgen» und «Paritätsklauseln» ist die Rede, in der Schweiz wird schon lange darüber verhandelt.

Im Grundsatz steht die preisliche Freiheit der Hoteliers gegen die Geschäftslogik der Hotelplattformen, die für ihre Leistung entlöhnt und nicht unterboten werden wollen. Der Preis ist also heiss. Was mich aber als Gast interessiert: Vielleicht gibt es auch eine lauwarme Variante, ein Angebot irgendwo dazwischen? Auch deshalb lohnt es sich, Kontakt aufzunehmen mit dem Hotel.

Buchung steht, Schlüssel auch: Manchmal bringt ein ein Sondereffort etwas Besonders.

Für mich geht es beim Anruf ins Hotel nicht darum, das billigste Angebot zu finden. Sondern das beste Angebot. Was bedeuten kann, dass man mir vielleicht zum gleichen Preis wie auf dem Hotelportal ein Zimmer-Upgrade spendiert.

Oder dass man mir sagt, welche besonderen Zimmerkategorien es gibt, die man auf dem Portal schon gar nicht angeboten bekommt. Oder ob vielleicht ein Zimmertyp, der auf dem Portal schon als ausverkauft gemeldet ist, für meine Daten doch noch vorrätig ist.

Und wie sag ich das am Telefon?

Am besten in voller Ehrlichkeit und Transparenz. Indem man sagt, zu welchem Preis man auf der Plattform reservieren könnte und ob es im Hotel zu jener Zeit allenfalls ein anderes oder besseres Angebot gibt.

Oder indem man seine Bedürfnisse schildert (lärmarme Lage, viel Platz im Zimmer, Verbindungstüre, Balkon, grosses Bad etc) und so herausfindet, ob es einen besonders geeigneten Zimmertyp gibt dafür.

Sehr gut so, sie weiss Bescheid. Vielleicht kommt es zu einem guten Deal für beide Seiten. Bild: Pixabay

Wer den Preis angibt, der auf der Plattform für das Standard-Angebot ausgelobt wird, lanciert damit auch einen Steilpass für einen allfälligen Preisvorteil oder ein Upgrading, ohne dass man dafür gleich in aggressive Preisverhandlungen steigen müsste.

Wie darauf reagiert wird, ist natürlich von Hotel zu Hotel und von Mensch zu Mensch verschieden. In den letzten Jahren habe ich alles erlebt. Leute, die gute Vorschlägen machen, aber auch solche, die weder Verhandlungsgeschick noch Kompetenz haben.

Und wenn sich nichts machen lässt?

In letzter Zeit aber, scheint mir, ist das Bewusstsein um die Chance, dass man hier einen zukünftigen Gast am Telefon hat, grösser geworden. Man lässt mit sich reden. Auch ein Zeichen von Gastfreundschaft.

Und ein Zeichen, das mir zeigt: Wenn Hoteliers ihre Leute an der Front gut informieren, wenn sie ihnen bezüglich Hotelbuchung Kompetenzen und einen gewissen Freiraum geben, kommt das letztlich beiden zugute, Gast und Hotel.

Wenn sich aber bezüglich attraktiver Hotelbuchung rein gar nichts machen lässt, wenn weder Verständnis noch Witterung auf ein Geschäft vorhanden ist? Dann tue ich das, was mir hilflose Rezeptionisten immer mal wieder – heute seltener als früher – am Telefon sagen: «Dann buchen Sie doch gleich auf dem Hotelportal.»

In diesem Fall würde ich das wohl tun. Aber zuerst noch auf einem Metaportal wie Trivago nachschauen, ob und wie Preise in der Online-Sphäre für das betreffende Haus zur betreffenden Zeit voneinander abweichen.

Hotelbuchung: Klicken, Kabeln, Kombinieren

Manchmal lässt sich ein Hotel-Aufenthalt buchungstechnisch auch kombinieren. Reise ich für längere Zeit in ein fernes Land, wo ich noch nie war, vertraue ich wohl eher auf einen spezialisierten Reiseveranstalter.

Was mich aber nicht daran hindern sollte, auch diesen Preis einmal kurz auf einer Plattform gegenzuchecken.

Seid willkommen! Besonders in der Nebensaison.

Eine andere Möglichkeit, ein gutes Angebot zu erhalten, ist natürlich immer das Berücksichtigen der Saisonalität. Wer dann reisen kann, wenn es nicht gerade alle anderen tun, stösst beim Anrufen bestimmt auf mehr Entgegenkommen als zur Hochsaison.

Wer in der Suchmaschine seine Destination und «Events Calendar» eingibt, erfährt in der Regel schnell, wann – neben der üblichen Ferienzeiten – besonders viele Menschen anreisen. Besonders vorsichtige Traveler und Touristen checken vorab auch, ob irgendwelche Kongresse stattfinden, welche die ganze Stadt blockieren.

Corona: Darf man Hotelzimmer doppelt buchen?

Zumindest lief es in der Vergangenheit mit Menschenmassen in Städten jeweils so – bis dann Corona kam. Was uns zu einem zweitletzten Thema bringt: Darf man Hotelzimmer für Ferien und Urlaub doppelt buchen? Gerade in diesen unsicheren Zeiten, da noch nicht restlos geklärt ist, wie die Pandemie unser Reiseverhalten beeinflusst, kommt es oft zu Mehrfach-Reservationen.

Gäste wollen sich bis zur letzten Minute alle Möglichkeiten offen lassen, buchen via Hotel-Plattform beispielsweise ein Hotel im Inland und eines im Ausland. Aufgrund der flexiblen Annullationsfristen und Stornierungsbedingungen können sie bis kurz vor Anreise in einem Hotel noch kostenfrei stornieren.

Eine Besonderheit im Reisejahr 2021: Hotels werden doppelt und mehrfach gebucht.

Verboten ist das nicht. Und ich kann mir Fälle vorstellen, bei denen ein solches Vorgehen Reisenden wichtig ist, weil sie auf grösstmögliche Flexibilität angewiesen sind. Empfehlen würde ich es trotzdem nicht.

Einfach deshalb, weil das Hotel am Schluss der ganzen Business-Futterkette steht. Das Hotel, das Gäste empfängt, umsorgt und unterbringt, ist letztlich der Betrieb, der die touristische Leistung erbringt. Bucht eine grosse Anzahl von Gästen doppelt und storniert im letzten Moment, raubt das dem Leistungserbringer einen grossen Teil der Planungssicherheit.

*Übrigens: Warum hier Booking oft erwähnt wird

Vielleicht ist Dir anfangs aufgefallen, dass immer mal wieder von Booking die Rede ist. Man könnte ja eigentlich auch von anderen Reise- und Hotelplattformen sprechen.

Natürlich berichtet der Internaut unabhängig, er ist keinem Unternehmen irgend etwas schuldig. Es ist nur so: Der Name Booking steht in unseren Breiten fast schon prototypisch für das Thema der Hotelplattformen. So wird auch der politische Vorstoss in der Schweiz, der Hoteliers die Online-Preishoheit verleihen will, als «Lex Booking» apostrophiert.

Wie gut Booking im Vergleich mit anderen Hotelportalen abschneidet, hat dieser Tage übrigens das Deutsche Institut für Servicequalität (DISQ) ermittelt. Die Studie lässt sich hier einsehen. Sie zeigt unter anderem auch dies: Selbst ein Unternehmen, das zum generischen Begriff geworden ist, kann sich noch verbessern.