Hotellerie

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Die beliebte Plattform Couchsurfing für die Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten kostet neuerdings für Nutzer. Bild: Dan Meyers

Sogar Couchsurfing kostet jetzt

Von Nina Wild

Die gegenwärtige Pandemie hat auch die Übernachtungs-Plattform Couchsurfing hart getroffen. Neu wird ein Mitglieder-Beitrag erhoben, um die Community am Leben zu halten.

Der dreiwöchige Mexiko-Trip steht vor der Tür. Die einzigen Fixpunkte sind der Beginn der Reise im Süden des Landes an der Pazifikküste und der Rückflug in die Schweiz ab Mexiko-City. Zeit, das verstaubte Couchsurfing-Konto wieder auszugraben und hoffentlich so nette und hilfsbereite Menschen wie damals im Jahr 2019 in El Salvador, Kolumbien und Guatemala kennenzulernen. Denn genau diese Begegnungen machen das Erkunden fremder Länder doch so besonders, oder?

Bislang waren sich die Nutzer der App gewohnt, dass das Suchen nach Gastgebern oder Leuten zum abhängen kostenlos ist. Mit der Corona-Pandemie und dem fast gänzlichen Einbruch der Reisetätigkeit hat sich dies nun aber geändert. Beim Starten der Applikation ploppt ein Fenster auf: «Aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 benötigen wir deine sofortige Hilfe, um Couchsurfing am Leben zu erhalten», steht da geschrieben. Deshalb wird bereits seit Mai 2020 ein monatlicher Beitrag von 2,39 Euro oder ein Jahresbeitrag von 14,29 Euro von Usern eingefordert. Dies gilt jedoch nicht für Mitglieder aus allen Ländern, sondern nur diejenigen, für welche der Beitrag tragbar ist. Für Menschen in Entwicklungsländern ist der Zugang weiterhin kostenlos – ihre Beiträge sollen mit diesen aus den reicheren Ländern kompensiert werden.

Weiter heisst es: «Wir alle sind Mitglieder von Couchsurfing und glauben an etwas Grösseres als Geld, Besitz und Stellung. Es hat mehr als 14 Jahre gedauert, bis die Couchsurfing-Community zusammengekommen ist. Ohne deine sofortige Hilfe wird diese Gemeinschaft für immer verloren gehen.» Wer nicht bezahlt hat auch keinen Zugriff mehr auf sein Profil, kann keine Übernachtungsanfragen an Gastgeber senden oder Reisende einladen. «Mit deinem Mitgliedsbeitrag unterstützt du Couchsurfing während der COVID-19-Pandemie und darüber hinaus und hilfst uns, diese Community zu schützen. Diese Entscheidung mussten wir treffen, auch wenn sie uns nicht leicht gefallen ist», steht auf der Website weiter.

Ausserdem warnen die Betreiber, dass sie bald nicht mehr in der Lage sein werden, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Dies, obwohl die Teams verkleinert wurden, die Löhne minimiert sowie die Büros abgeschafft wurden und alle zu 100 Prozent von zuhause aus arbeiten. Ausserdem wurden bei der US-Regierung Hilfsgelder beantragt, welche im Rahmen des Cares Act auch bereitgestellt werden.

Keine freiwillige Hilfe von Mitgliedern

Im Jahr 2014 hat Couchsurfing begonnen, Werbung von Drittanbietern auf der Plattform zu schalten. Dies war notwendig, um die Kosten zu decken. Mit den neuen Mitgliederbeiträgen verschwinden diese Werbeanzeigen nun wieder. Ausserdem können neu unlimitiert Übernachtungsanfragen sowie Nachrichten an andere User gesendet werden und Couchsurfing arbeitet daran, die Kosten für die Verifizierung von Mitgliedern zu senken. Zu guter Letzt arbeitet das Unternehmen auch am Ausbau der Smartphone-App und Website, um die Nutzung attraktiver zu machen. Und diese Kostenbarriere schützt vielleicht sogar von dubiosen Mitgliedern in der Community. Denn diese gab und gibt es natürlich auch, weshalb bei der Suche nach einer Übernachtungsgelegenheit immer ein wenig Vorsicht geboten ist.

Bis vor der Einführung der Mitgliederbeiträge haben nicht einmal vier Prozent der User Couchsurfing freiwillig mit Beiträgen oder Spenden unterstützt. Aber das Unternehmen hat schliesslich auch nicht aktiv darum gebeten. Und sind wir einmal ehrlich: Rund drei Franken im Monat nimmt man doch gerne in Kauf, um im Gegenzug weiterhin von tollen Erfahrungen mit fremden Menschen vom ganzen Planeten profitieren zu können und das bereiste Land aus den Augen von Locals kennenzulernen, oder? Und für die Betreiber stellt das ein gutes finanzielles Polster in Aussicht, denn im November 2018 zählte die Community 12 Millionen Mitglieder.