Hotellerie

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Als Rezeptionist/in ist man meist die erste Ansprechperson für ankommende Hotelgäste. Bild: Schweiz Tourismus / Jasmin Frei

«Leider ist davon auszugehen, dass weitere Hotels Konkurs anmelden müssen»

Von Nadia Imbaumgarten

Wie sieht die finanzielle Situation der Schweizer Hotels aus und wie steht es um die Nachfrage nach Lehrstellen in der Hotellerie? Travelnews hat beim Dachverband der Schweizer Beherbergungsbetriebe nachgefragt.

Die Hotellerie hat es in der Corona-Pandemie besonders schwer. Die Hotelbetten sind vermehrt leer, das Restaurant für auswärtige Gäste geschlossen und Hotellerie- und Gastro-Lehrlinge können durch die aktuellen Umstände weniger Praxiserfahrung sammeln.

Hinzu kommt, dass bereits einige Hotels aufgrund der Pandemie-Auswirkungen die Türen schliessen mussten. Zudem erzählt uns Patric Schönberg, Leiter Kommunikation bei HotellerieSuisse, dass davon auszugehen ist, dass weitere Hotels Konkurs anmelden müssen. «Die Wahrscheinlichkeit eines Konkurses in der Hotellerie wird momentan höher geschätzt als noch im November 2020. Während im November 8 Prozent der Hotelbetriebe eine Konkurswahrscheinlichkeit von 61 Prozent und mehr angaben, rechnen gegen Ende Januar 2021 bereits 10 Prozent mit einem solch hohen Konkursrisiko. Die Zahlen zeigen, dass sich die Situation seit der letzten Umfrage zugespitzt hat. Damit sind zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr. Um Konkurse auf breiter Front zu verhindern, ist die rasche Auszahlung von Härtefallhilfen in Form von A-fonds-perdu-Beiträgen entscheidend.»

Vor allem die Stadthotellerie leidet massiv unter den Corona-Massnahmen. «Die Stadthotels werden sehr oft von Businessleuten besucht oder sind stark abhängig von Messen. Da diese Themen auf Grund der Pandemie in den Hintergrund treten oder Messen wie die Baselworld annulliert werden mussten, leidet die Stadthotellerie ganz besonders.» Doch seien auch nicht alle Schweizer Feriendestinationen gleich gut besucht.

Schwerer Start in die Arbeitswelt

Patric Schönberg, Leiter Kommunikation HotellerieSuisse.

Jeden Sommer beginnen tausende Menschen ihre Ausbildung in den Schweizer Hotels und Restaurants und schnuppern damit erste Arbeitswelt-Luft. So auch im kommenden Sommer 2021 wieder. Da stellt sich uns allerdings die Frage, ob denn das Interesse an einer Lehre in der Hotellerie noch vorhanden ist? Gerade jetzt, wo deutlich weniger Gäste ihre Ferien in den Hotels verbringen und die Arbeiten oft nicht normal ausgeführt werden können. «Bei unseren Webinaren über die Berufe der Hotellerie & Gastronomie melden sich immer Interessierte an, jedoch können die Webinare den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Auch von BIZ Zentren erhalten wir Feedbacks, dass das Interesse für die Branche noch da ist», erklärt Schönberg.

Jedoch sei es tatsächlich so, dass von den Lehrbetrieben die Rückmeldung komme, dass weniger Anfragen für Schnupperlehren eintreffen, wie Schönberg weiter ausführt, «was aber angesichts der Erschwernis der Berufserkundung in der momentanen Situation nicht erstaunt». Zu diesem Thema sei eine Umfrage bei den Mitgliedern von HotellerieSuisse am laufen. Die ersten Ergebnisse werden für März erwartet.

Das generelle Image der Branche muss besser werden

HotellerieSuisse setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein, die Dienstleistungsberufe im Hotel attraktiver zu machen, sei dies auf politischer Ebene oder gemeinsam mit Sozial- oder Branchenpartnern. «Es ist nicht nur ein Thema, die Branchenberufe attraktiver zu machen, sondern generell das Image der Branche, und die Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Wertschätzung und Lohn, zu verbessern.»

Damit dies gelingt, engagiert sich HotellerieSuisse auf diverse Arten. So verantwortet der Dachverband gemeinsam mit GastroSuisse den Auftritt berufehotelgastro.ch, um die Berufe der Branche gegenüber dem Nachwuchs zu positionieren. Zudem führt der Verband Webinare durch, ruft Angebote für Lehrpersonen ins Leben, ist aktiv an Berufswahlmessen tätig und veranstaltete, vor Corona, einen schweizweiten Tag der offenen Hoteltüren («Please Disturb»), um allen Interessierten einen Einblick in den Hotelalltag zu ermöglichen.

Zudem macht HotellerieSuisse Schnuppercamps in Hotels für Jugendliche und setzt sich für neue Berufe in der Branche ein, die den Puls der Zeit treffen, wie zum Beispiel Hotel-Kommunikationsfachleute. Dieser Einsatz sei wichtig, denn Schönberg ist sich sicher: «Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften wird auch künftig da sein. Daher setzt sich der Verband auf verschiedensten Ebenen dafür ein, diese der Branche zur Verfügung stellen zu können.»