Hotellerie

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Ein Jahr zum Vergessen für die Hotellerie

Jahresrückblick, 4. Teil: Hotellerie. Die Einreiserestriktionen und der Gästewunsch nach Distanz haben den nationalen und internationalen Hotels in diesem Jahr immens zugesetzt – einige Profiteure standen zur Stelle.

Das Jahr begann für Freunde toller Hotels mit einem Schock. Die Southern Ocean Lodge auf Kangaroo Island, ein Juwel für Reisende im australischen Bundesstaat South Australia, wurde bei den heftigen Buschbränden zerstört.

Ansonsten war zu Beginn des Jahres viel Aufbruchstimmung und Investitionslust in der weltweiten Hotellerie auszumachen. Das Fünf-Sterne-Resort Atmosphere Kanifushi auf den Malediven eröffnete vierzig brandneue Wasservillen, mit dem Robinson Club Cabo Verde eröffnete das erste Haus der Premium-Clubmarke auf den Kapverden, Hilton eröffnete mit Tempo seinen 18. Brand und Iberostar befand sich auf Wachstumskurs und kündete elf neue Häuser an.

Ab Mitte März stand die nationale und internationale Hotellerie dann ganz im Bann der Corona-Krise. «Diese Krise werden nicht alle überleben», stellte Schweiz-Tourismus-Direktor Martin Nydegger bereits am 9. März fest. Am 5. April zog mit Accor eine der weltweit grössten Hotelketten die Reissleine und gab bekannt, zwei Drittel der total 5000 Häuser vorübergehend zu schliessen. Und die TUI sorgte bei vielen thailändischen Hotels für Ärger wegen verzögerter Zahlungen.

Wie schlimm es insbesondere den Stadthotels in diesem Jahr ging, schilderte im Interview Michael Schneiter, General Manager im Holiday Inn Messe Zürich: «An einigen Tagen im Juni haben wir keinen einzigen Gast». Noch ist das Holiday Inn am Leben. Im Gegensatz zu zahlreichen weiteren Häusern in Zürich, die Liste der Pleite gegangenen Häuser wird immer länger: Atlantis by Giardino, Hotel X-tra, Swissôtel, Ascot, Backpacker Biber.

Hier nervt dich kein anderer Tourist

Die Abkehr von städtischen Hotels und die generelle Skepsis gegenüber Frühstückssälen und Begegnungen im Lift hat im Jahr des Distanzhaltens und des Maskentragens die verbliebenen Ferien- und Reisewilligen verstärkt in Ferienwohnungen und Airbnb-Wohnungen gespült. E-Domizil jubelt: nach einem Rekordsommer verzeichnete der Ferienhausvermieter auch einen guten Herbst. Bei Interhome, dem Fewo-Anbieter aus dem Hause Hotelplan, war wegen den fehlenden ausländischen Gästen der Sommer nur so lala. Und der TCS verzeichnete im Sommer mehr Gäste auf den Campingplätzen als im Vorjahr – und verlängerte kurzerhand die Saison.

Und neue Trends? Ja, die gab es auch. Beim Blick auf das Angebot von Airbnb fielen etwa abgelegene Behausungen auf – wir titelten: hier nervt dich kein anderer Tourist. Generell stehen die Aussichten für Airbnb gut, Invostoren reissen sich um die Aktien. Das Online-Portal für die Buchung und Vermietung von Unterkünften profitiert von einem durch die Pandemie veränderten Reiseverhalten. Und eine schöne Übernachtungsform – von Schweizern erfunden – entdeckten wir in Portugal: den Sharebus.

Doch unter dem Strich war es ein Jahr zum Vergessen. Die Schweizer Hotels erwarten einen Rückgang um einen Drittel der Gäste in diesem Jahr, ein Ausfall von 13,3 Millionen Logiernächten.


Jahresrückblick 2020:

(TN)