Hotellerie

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Online-Buchungsplattformen wie Booking.com haben immer mehr Marktmacht. Bild: Adobe Stock

«OTA's verbieten den Hotels, auf der eigenen Website günstigere Preise anzubieten»

Immer mehr Reisende buchen ihr Hotel über Online-Buchungsportale wie Booking.com oder Expedia anstatt direkt über den Anbieter, besagt die kürzlich veröffentlichte Hotrec-Studie. Travelnews hat bei Hotellerie Suisse nachgefragt, was diese Entwicklung für Hoteliers bedeutet - und wie die Betriebe unabhängiger werden können.

Online-Buchungsportale wie Booking.com, Expedia und HRS Group gewinnen  immer mehr an Bedeutung, wie die aktuelle, zweijährliche Studie von Hotrec Hospitality Europe aufzeigt. Im Jahr 2013 betrug der Marktanteil der OTA's noch 19,7 Prozent - 2019 sind es bereits 29,9 Prozent. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Direktbuchungen über die Hotels kontinuierlich ab. Im Jahr 2013 wurden noch 57,6 Prozent der Buchungen direkt über den Anbieter abgewickelt. Sechs Jahre später sind es mit 45,5 Prozent weniger als die Hälfte.

Es ist also dringend notwendig, dass die Hotels ihre Direktbuchungen wieder steigern können. Doch wie gelingt das? Vinzenz van den Berg, Fachmitarbeiter Kommunikation bei Hotellerie Suisse hat Tipps: «Bei direkten Buchungen beim Hotel können die Hotels besser auf die Bedürfnisse der Gäste eingehen. Bei Direktbuchungen (nicht online) können die Hotels günstigere Preise anbieten oder diese mit weiteren Sonderangeboten, Upgrades, günstigeren Stornierungsbedingungen oder weiteren attraktiven Leistungen verknüpfen.» Dazu laufe derzeit eine Kampagne, mit welcher der Verband die Hotels unterstützen will.

Die drei Hauptakteure auf dem Markt der Online-Reisevermittler sind Booking Holding, Expedia Group und die HRS, mit einem aggregierten Marktanteil von 92 Prozent. Das einflussreichste Online-Buchungsportal in Europa ist mit Abstand die Booking Holding, zu welcher Booking.com und Agoda gehören. Der Marktanteil beläuft sich auf 68,4 Prozent und ist in den vergangenen sechs Jahren um mehr als 14 Prozent gestiegen. Die Portale der Expedia Group, namentlich etwa Expedia, Hotels.com, eBookers, Orbitz Travel konnten ihre Marktanteile von 16,3 Prozent in Europa in den letzten vier Jahren halten. Die HRS Group verzeichnete in Europa einen stetigen Rückgang der Marktanteile von 16,6 Prozent im Jahr 2013 auf 7,2 Prozent im Jahr 2019.

Van den Berg sieht hierbei das grösste Problem darin, dass die Online Travel Angencies den Onlinemarkt beherrschen und die Portale so Abhängigkeiten schaffen und die Regeln diktieren. «Sie verbieten den Hotels, auf der hoteleigenen Website dem Gast günstigere Preise anzubieten. Weiter können sie laufend zum Nachteil des Hotels die Geschäftsbedingungen ändern. Während Corona kam es vor, dass sie die Geschäftsbedingungen beinahe alle zwei Tage geändert haben. Ausserdem verlangen sie hohe Kommissionen, die die Margen der Hotels auffressen.» Der Verband HotellerieSuisse sei im engen Austausch mit den Online-Plattformen und versuche, faire Bedingungen für alle Beteiligten auszuhandeln.

Abhängigkeit verringern

Diese immer grösser werdende Marktmacht führt aber auch zu starker Abhängigkeit der Hotellerie - und nicht selten zu Konflikten. Von den 2800 befragten Hotels in Europa geben 56 Prozent an, sich von den OTAs unter Druck gesetzt zu fühlen, deren Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. Freiwillig würden sie solche Stornierungsbedingungen oder Sonderrabatte nämlich nicht annehmen. Hinzu kommt, dass 60 Prozent der befragten Betriebe schon einmal Meinungsverschiedenheiten mit den Portalen hatten. Bei lediglich einem Viertel (26 Prozent) konnte eine einvernehmliche und faire Lösung gefunden werden. Was tun, wenn es zu Konflikten kommt? «Die Beziehung zwischen den Hotels und den OTA basiert auf einer Partnerschaft. Da die Hotels die Leistungsträger der OTA darstellen, erwarten wir hier eine dialogfähige, konstruktive und kollaborative Zusammenarbeit, die auf Augenhöhe stattfindet», sagt Van den Berg.

Es ist wichtig für die Hotelbetriebe, wieder unabhängiger zu werden. Doch ist das in diesem Marktumfeld überhaupt noch möglich? «Im stets wachsenden und sich ändernden digitalen Umfeld ist es für die Hotels sicher wichtig, dass sie sich ideal platzieren und auch die Preise selbst bestimmen können. So ist es den Betrieben möglich, sich von den grossen digitalen Plattformen abzuheben und den Gästen bei direkten Buchungen einen Mehrwert zu bieten», erklärt Van den Berg. Darüber hinaus setze sich der Verband politisch für die Hotelbetriebe ein, um die Bedingungen im Online-Bereich fairer zu gestalten. Dazu gehört beispielsweise, dass Hotels die Preise selbst bestimmen können - aufgrund der AGB's ist dies momentan jedoch nicht möglich. «Mit unseren Bemühungen möchten wir den Wettbewerb fördern. Das Hotel kann darüber hinaus so die direkte Buchung stärken und Abhängigkeiten zu den Buchungsplattformen verringern. Dieses Vorgehen ist auch bereits im Parlament bearbeitet worden», erklärt der Kommunikationsspezialist weiter und führt aus, «der Bundesrat hat schon im Jahr 2017 den Auftrag erhalten, einen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten. Die zweijährige Frist für eine Antwort hat er im September 2019 verstreichen lassen. Weshalb der Bundesrat so lange wartet, wissen wir nicht.»

Trotz all der Missgunst sieht Van den Berg auch Chancen in der Zusammenarbeit zwischen OTA's und Hotels: «Die OTA bieten den Hotels eine Plattform, wo sie von vielen potenziellen Kunden gesehen und gefunden werden. Die Digitalisierung schreitet stets voran und die OTA bieten eine grosse Marketingplattform, die den Hotels natürlich grosse Sichtbarkeit bietet.»

(NWI)