Hotellerie

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v.l. Bike-Guide Silas Rüegg, Yoga-Lehrerin Rose Brandner und Sharebus-Gründer Michael Kunz kümmern sich aktuell um das Wohl der Gäste im Sharebus. Alle Bilder: Michael Kunz

Sharebus, das erste fahrende Hostel für Sportfreaks

Von Nina Wild

Der Schweizer Michael Kunz lebt seit zehn Jahren in seinem Bus. Nun hat er sich dazu entschieden, das Gefährt in ein fahrendes Hostel zu verwandeln und empfängt seit dem 20. Juni Gäste in Portugal. Travelnews hat nachgefragt, was es mit dem «Sharebus» auf sich hat und für welche Gäste sich diese einzigartige Reiseform besonders eignet.

Er ist ein Lebenskünstler der anderen Art: Vor zehn Jahren hat sich Michael Kunz dazu entschieden, voll und ganz in seinem Bus zu leben. Auf seiner Marokko-Reise im vergangenen Winter kam ihm dann die zündende Idee: Wieso nicht den Bus in ein Hostel umbauen und darin Gäste empfangen? Nach monatelangen Umbauarbeiten begrüsst der Schweizer am 20. Juni 2020 die ersten Reisenden im «Sharebus» in Portugal. Im Travelnews-Interview erläutert der Gründer, was der Bus bietet und welche Zielgruppe er mit diesem besonderen Ferienerlebnis ansprechen möchte.


Herr Kunz, seit dem 20. Juni empfangen Sie im Sharebus in Portugal Gäste – sind Sie zufrieden mit dem Buchungsstart?

Michael Kunz: Ja, wobei es durchaus bereits mehr Buchungen sein dürften. Das kommt uns aber auch zu Gute, da wir so noch einige Optimierungen vornehmen können. Mein Traum ist es, vom Freizeitsportler bis zum Profisportler jeden anzusprechen und das wir alle zusammen eine unvergessliche Zeit haben. Unsere ersten Buchungen bestätigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben Buchungen von Persönlichkeiten wie zum Beispiel Andri und Gian Ragettli, David Hablützel oder Petra Klingler und darum bin ich sehr zufrieden.

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf das Projekt?

Klar merken wir das und haben auch einige Buchungen, die verschoben wurden. Im Sharebus selbst merkt man aber gar nichts davon.

Wie ist die Idee mit dem «fahrenden Hostel» überhaupt entstanden?

Als ich letzten Winter in Marokko am Surfen war und mir klar wurde, dass ich nicht viel brauche, um glücklich zu sein. Seit zehn Jahren habe ich meine eigene Firma in der Schweiz geleitet und obwohl ich viel arbeitete, blieb mir weder viel Geld zum Leben, noch hatte ich besonders viel Zeit, meinen Lieblingssportarten nachzugehen. Mir kam dann die Idee, mit meinem Bus herumzureisen, in welchem ich schon seit zehn Jahren lebe. Damit ich das finanzieren kann, könnte ich ja Gäste aufnehmen, damit man sich die laufenden Kosten teilen kann. Also habe ich mich entschlossen, einen Teil meiner Firma in der Schweiz zu verkaufen. Als ich dann kurz in die Schweiz zurück wollte, brach das Coronavirus aus und ich hatte genügend Zeit, um das ganze Projekt professionell aufzuziehen.

«Die Begeisterung für Sport ist im Sharebus zentral.»

Welche Zielgruppe wollen Sie ansprechen?

Unsere Zielgruppe sind motivierte Freizeitsportler bis zu Profi-Athleten. Bei uns steht der Sport im Mittelpunkt und wir sind jeweils den ganzen Tag unterwegs, um etwas zu erleben. Partygäste sind hier sicher am falschen Ort und Alkohol ist hier im Bus ein Tabu - die Erfahrung hat uns gezeigt, dass dadurch das sportliche Erlebnis eher ausgebremst wird.

Was dürfen Reisende bei einem Aufenthalt im Sharebus erwarten?

Die Reisenden dürfen abwechslungsreiche Ferien erwarten, welche Sie täglich selber mit Aktivitäten wie Biken, Surfen, Yoga, Motorradtouren oder Skaten gestalten können. Um die Sportarten auszuführen, haben wir professionelle Guides mit an Bord geholt, die mit den Reisenden Touren durchführen oder Kurse geben - je nach Level und Erfahrung, welche die Gäste bereits mitbringen. Im Bereich Surfing versuchen wir mit lokalen Surfschulen zusammenzuarbeiten. In unserem Bus haben wir das nötige Sportequipment im High-End Segment, um unseren Gästen maximalen Spass zu garantieren. Dazu gehören brandneue Motorräder der Marke KTM, Bikes von Santa Cruz Bikes, Surfbretter und natürlich für die Sicherheit auch die nötige Schutzausrüstung.

Der Bus ist so ausgestattet wie ein Haus auf vier Rädern: Er hat eine Grundfläche von 2,5 auf zwölf Meter und das auf drei Etagen. Wenn wir einen passenden Standplatz gefunden haben, können wir ihn auf 16 Meter Länge ausweiten und um drei Meter erhöhen. Das dauert nur etwa zehn Minuten. Ausgestattet ist er mit Küche, Duschen, Schlafplätzen - also alles, was ein normales Hostel auch bieten würde.

Welche Leistungen sind im Übernachtungspreis inbegriffen?

Das Frühstück ist im Übernachtungspreis dabei. Alle anderen Kosten werden aufgeteilt - daher kommt auch der Name Sharebus.

Wie ist das Unternehmen in Bezug auf Mitarbeitende aufgestellt?

Der Sharebus beschäftigt keine festen Angestellten. Die Bike- und Motorrad-Guides sind Menschen, die über längere Zeit mit uns reisen und mithelfen. Diese wechseln aber im Laufe der Zeit, weil sie beispielsweise zurück in die Schweiz gehen. Als Gegenleistung für die Mithilfe erhalten sie Kost und Logie. Sie sind begeisterte Sportler/Innen, die ihren Lifestyle durch die Mitarbeit bei uns leben können. Ferien mit uns kann man sich so vorstellen wie wenn man mit Freunden im eigenen Camper in die Ferien geht - nur grösser und mit dem nötigen Equipment für das Ausüben der Lieblingssportarten im Gepäck.

Über welche Kanäle ist das Angebot buchbar?

Am einfachsten über die Homepage. Erreichbar sind wir telefonisch, via Whatsapp, Facebook und über Instagram. Wobei die Preise und Angebote auf der Webseite am übersichtlichsten sind.

Arbeiten Sie auch mit Schweizer Reisebüros zusammen oder sind in Zukunft Partnerschaften geplant?

Vorerst nicht. Da unsere Kapazitäten begrenzt sind, ist es uns wichtig, dass das Angebot exklusiv ist. Wir wollen unsere Gäste aussuchen, weil im Sharebus auf sehr engem Raum gelebt und erlebt wird und eine gute Atmosphäre deshalb umso wichtiger ist. Die Begeisterung für Sport ist zentral im Sharebus. Deshalb wäre beispielsweise ein All-Inclusive Tourist, der gerne Ruhe und Luxus mag, bei uns am falschen Ort. Die Bedürfnisse unserer potenziellen Gäste im Voraus persönlich abzuklären, um das Wohlbefinden all unserer Gäste zu sichern, ist uns ein Anliegen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort?

Der Sharebus ist noch sehr jung, wir haben einige Partner in Portugal. Wir bauen unser Partnernetz vor Ort aus, um auch die Locals zu unterstützten. Das ist uns ein wichtiges Anliegen. Grundsätzlich ist der Sharebus aber eigenständig.

«Ferien mit uns kann man sich so vorstellen, wie wenn man mit Freunden im eigenen Camper in die Ferien geht»

Wie profitiert die lokale Bevölkerung vom Projekt?

Wir vermitteln unsere Gäste an lokale Hostels und Surfcamps, wenn der Sharebus überlastet ist. Ausserdem profitieren die Surfschulen von den Reisenden. Wir setzten auf kleine, lokale Lebensmittellieferanten. Wir bieten bewusst keine Vollpension an und verweisen die Gäste an die naheliegenden Restaurants. Die lokalen Geschäfte profitieren natürlich auch von unseren Gästen.

Der Sharebus ist ja quasi immer unterwegs und macht Halt an verschiedenen Orten. Wie funktioniert das mit den Bewilligungen?

Im Moment sind wir in Portugal. Dort darf man grundsätzlich überall Campieren, weshalb es eigentlich nie ein Problem ist, einen Standplatz zu finden. Es kam aber schon vor, dass wir von der Polizei höflich gebeten wurden, den Platz in den kommenden Tagen zu verlassen. Sie haben uns geholfen, eine offizielle Parkbewilligung zu erhalten. Wir vertrauen darauf, dass wir auch weiterhin willkommen sind. Wir halten die Stellplätze sauber, bringen Touristen und verhalten uns rücksichtsvoll. Langfristig können wir uns auch vorstellen in Spanien, Frankreich oder Marokko unterwegs zu sein. Wann dies der Fall sein wird, hängt aber auch davon ab, wie sich die ganze Situation mit dem Coronavirus entwickelt. Wenn es soweit ist, werden wir uns natürlich um die nötigen Bewilligungen kümmern. Wir informieren uns vorweg über die jeweiligen Bestimmungen in den Ländern.

Wieso haben Sie sich für das Projekt gerade Portugal ausgesucht?

Das Land haben wir uns für den Start ausgesucht, weil ich hier viele Orte bereits gut kenne. In den letzten fünf Jahren verbrachte ich jedes Jahr einen Monat in Portugal. Seit dem letzten Jahr bin ich fast durchgehend hier. Portugal ist der perfekte Ort in Europa, um alle meine Lieblingsportarten auszuüben: Surfen, Biken und Enduro fahren. Für jeden Sport findet sich der ideale Spot. Das soll jetzt auch unseren Gästen zu Gute kommen.

Welche Auslastung streben Sie für den Bus an?

Der Bus hat mit den Begleitfahrzeugen eine Kapazität von bis zu zwanzig Personen. Reisen zwanzig Personen mit, müssen sich die Gäste gut untereinander kennen - dies könnte zum Beispiel ein Verein sein. Unser Ziel ist es, mit durchschnittlich zehn Personen zu reisen.

Wie sind Sie im Bereich Online-Marketing aufgestellt?

Wir setzen vor allem auf Social Media. Einerseits arbeiten wir mit Instagram und Facebook. Weiter konnten wir Sponsoren für uns gewinnen, die uns unter anderem die Motorräder, Bikes oder Kleider zur Verfügung stellen und über ihre Social-Media-Kanäle für uns Werbung machen. Anderseits posten Top-Athleten wie Andri und Gian Ragettli - welche alleine auf Instagram eine halbe Million Follower und auf Youtube über vier Millionen Klicks pro Video verzeichnen - für uns Storys, Videoblogs und Beiträge.

Haben Sie weitere Projekte in der Pipeline?

Projekte wie ein Trip nach Kanada mit dem Sharebus oder eine Vintage-Camper-Vermietung könnte ich mir in ferner Zukunft vorstellen. Erstmal will ich aber den Sharebus fliegen lassen.