Hotellerie

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Das Chedi in Andermatt kam vergleichsweise gut durch die Krise. Bild: (c) The Chedi Andermatt

«Die Buchungszahlen rund um das Reopening waren gut»

Der General Manager des The Chedi Andermatt, Jean-Yves Blatt, äussert sich über Corona, die Luxushotellerie im Allgemeinen - und über den Pragmatismus der Schweizer.

Jean-Yves Blatt

Das Nobelhotel The Chedi in Andermatt, eine der feinsten Adressen der Schweiz, hat schon vor mehreren Wochen den Betrieb wieder aufgenommen - lange vor diversen Lockerungsschritten, geschweige denn Grenzöffnungen. Aktuell, nachdem man sich wieder mehr oder weniger frei in Europa bewegen kann, lockt das Hotel mit speziellen, international ausgericheten «Summer Moments» auch wieder vermehrt ausländische Gäste in die Schweizer Alpen.

Wie hat das Chedi die schwierige Zeit gemeistert? Was darf/muss man in Bezug auf Sicherheitsmassnahmen erwarten? General Manager Jean-Yves Blatt nimmt Stellung.


Herr Blatt, in den letzten Wochen gab es lange Diskussionen, wie und wann die Hotellerie bereit für den Neustart ist. Sie waren eines der ersten Hotels in Europa, das bereits am 8. Mai eröffnet hat. Denken Sie, die Reiseindustrie ist soweit?

Das The Chedi Andermatt ist aktuell das einzige Fünf-Sterne-Deluxe Hotel in den Schweizer Bergen, das schon geöffnet hat. Die Buchungszahlen rund um das Reopening waren gut, mit einer Auslastung von mehr als 50 Prozent. Sicherlich auch, weil wir als Mountain Retreat ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Für mich scheint es so, als hätten die Menschen angefangen, das Leben mit dem Virus als neue Realität zu sehen und sich eine neue Normalität aufgebaut. Die Reiseindustrie muss das gleiche machen. Wir können nicht länger auf eine Zeit «danach» warten, sondern müssen lernen, eine neue und bleibende Normalität des Reisens zu schaffen. Die Dinge werden nicht einfach besser, sie werden anders. Und ich glaube fest daran, dass der Hospitality-Bereich dieses Motto Realität werden lassen kann.

Ihr Reopening hat sich mit dem schrittweisen Abbau der Massnahmen in der Schweiz und in anderen Teilen Europas überschnitten. Welche Auswirkungen hatte das auf Ihre Buchungsanfragen?

Die Reaktionen auf unser Reopening waren sehr gut. Was kurzfristige Anfragen betrifft, konnten wir grosses Interesse und entsprechende Buchungszahlen aus dem heimischen Markt verzeichnen. Aber wir haben auch schon die ersten längerfristigen Buchungen aus anderen Märkten erhalten. Um das Risiko für unsere Gäste zu minimieren, haben wir unsere Stornierungsbedingungen entsprechend angepasst. Alles in allem zeigen uns die Reaktionen, dass die Zuversicht und das Vertrauen immer noch da sind.

Es gibt weiterhin Bedenken über einen erneuten Anstieg der Infektionen. Was müssen Sie als Hotelier bedenken?

Meiner Meinung nach sind die Massnahmen der Schweizer Regierung streng, aber sinnvoll. Diese beinhalten zum Beispiel, dass nur eine bestimmte Anzahl an Personen im Restaurant erlaubt ist oder generelle Hygiene-Richtlinien. Ganz pragmatisch gesehen, sind sie einfach die Basis, mit der wir nun arbeiten müssen. Jetzt muss jeder Hotelier entscheiden, ob er unter den gegebenen Bedingungen wiedereröffnen kann. Nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch im Hinblick darauf, ob sich die Massnahmen in die jeweilige Hotelphilosophie integrieren lassen. Eine Plexiglas-Scheibe an der Rezeption ist in einem Fünf-Sterne-Hotel unter Umständen mehr «sichtbar» als in einem Business-Hotel, wo der persönliche Service ohnehin nicht so wichtig ist.

«Wir müssen beweisen, dass Reisen in Zeiten wie diesen nicht nur möglich, sondern sicher ist.»

Wie haben Sie die Massnahmen umgesetzt?

Zunächst haben wir die Vorgaben der Schweizer Regierung als Basis genommen. Dann haben wir auch beobachtet, was andere – nicht nur im Hotelbereich – machen, um das Virus zu bekämpfen. Denn das ist, was wir tatsächlich tun müssen: Nicht nur mit den Bedingungen leben, sondern den Schutz unserer Mitarbeiter und Gäste zur obersten Priorität machen. Darauf aufbauend haben wir eine einheitliche und standardisierte Vorgehensweise im Falle einer Pandemie entwickelt. Dieses wiederum fusst auf einem Hotel-spezifischen Schutz- und Sicherheitskonzept, das wir am Beispiel der aktuellen Pandemie entwickelt haben und das vom Kanton freigegeben wurde.

Was machen Sie darüber hinaus, um Gäste und Mitarbeiter zu schützen? Wie haben Sie Ihre Arbeitsabläufe angepasst?

Sicherlich haben wir unsere Abläufe verändert. Denn wir müssen beweisen, dass Reisen in Zeiten wie diesen nicht nur möglich, sondern sicher ist. Und wir als Hoteliers wissen am besten, was im laufenden Betrieb wichtig ist. Also haben wir uns mit unseren Experten aus den verschiedenen Fachbereichen zusammengesetzt und ein umfassendes Sicherheitskonzept ausgearbeitet.

Einige der Massnahmen sind logisch und sollten ohnehin Standard in jedem guten Hotel sein. Regelmässiges Händewaschen und -desinfizieren, zum Beispiel. Neu ist, dass unsere Mitarbeiter in Küche und Service, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, nun verpflichtend Masken und Handschuhe tragen. Ähnliches gilt für unsere Therapeuten im The Spa & Health Club, die Schutz-Masken aus Acryl über dem gesamten Gesicht sowie Handschuhe tragen. Unseren Gästen empfehlen wir während ihrer Anwendung ebenfalls das Tragen einer Maske, die wir natürlich gerne bereitstellen. Andere Massnahmen, wie das korrekte Prozedere beim Roomservice oder die Umgestaltung der Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter, geschehen weitestgehend unbemerkt für den Gast, sind aber genauso wichtig.

Das The Chedi Andermatt ist dafür bekannt, bis ins letzte Detail perfekt organisiert zu sein – wo bemerken die Gäste Veränderungen aufgrund der aktuellen Situation?

Wir ziehen kleine Veränderungen grösseren Einschränkungen vor. Also Abstand und die Vermeidung von Körperkontakt anstelle von physischen Barrieren und sorgfältige logistische Planung anstelle der Schliessung von Spa und Restaurants. Aber es gibt natürlich Punkte, die unsere Gäste bemerken: Etwa À-la-Carte-Gerichte anstelle eines Buffets oder dass nur Gruppen bis zu einer bestimmen Personenzahl in Spa und Restaurant erlaubt sind. Darüber hinaus ist in einigen Bereichen, etwa bei Massagen, nötig, dass unsere Mitarbeiter Masken tragen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Und Treatments müssen vorab reserviert werden. Ausserdem finden Gäste in den verschiedenen Bereichen unseres Hotels Desinfektionsmittelspender.

Wie gelingt es Ihnen, die Hygienemassnahmen mit den Ansprüchen eines Luxushotels zu vereinen?

Unser Standard ist genauso hoch wie zuvor. Unser Ziel ist es daher, unseren Gästen ein Gefühl von Sicherheit zu geben, ohne, dass sie die Veränderungen zu sehr bemerken. Wo wir erkennbare Veränderungen haben, etwa im F&B-Bereich, erklären wir sie. Etwa, dass Gäste an unserer Bar ihre Getränke nur im Glas und nicht mit einer gesonderten Flasche serviert bekommen. Oder dass wir nur vorab verpackte Snacks anbieten können. Aber die meisten Massnahmen geschehen im Hintergrund oder konnten so umgesetzt werden, dass wir auf Trennscheiben und die Schliessung einzelner Bereiche verzichten können.

«Allein schon aus Umwelt-Gründen mussten und müssen wir weiterhin Wege finden, um fremde Kulturen zu entdecken, ohne extrem weit zu reisen.»

Gibt es Bereiche oder Experiences, die Gäste momentan nicht nutzen können?

Wir haben Glück und dürfen nicht nur alle Gästezimmer nutzen, sondern unsere Gäste auch in allen übrigen Teilen des Hotels begrüssen. Das ist ein Vorteil, den Hoteliers in anderen Ländern teilweise nicht haben. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir dieses Privileg der Abnahme der Infektionszahlen in der Schweiz zu verdanken haben. Daher muss es weiterhin unser oberstes Ziel bleiben, diesen Status durch ein strenges Umsetzen aller Massnahmen weiter zu halten.

Wo wir noch etwas länger warten müssen, ist in Bereichen, bei denen wir auf externe Dienstleister angewiesen sind. Das betrifft einige unserer Experiences und unser neues Restaurant The Japanese by The Chedi Andermatt.

Das Konzept des Hotels verbindet fernöstliche Kultur mit Regionalität. Inwieweit ist das jetzt gerade interessant?

Mit unserem Konzept haben wir schon vor Corona einen Nerv getroffen. Denn allein schon aus Umwelt-Gründen, mussten und müssen wir weiterhin Wege finden, um fremde Kulturen zu entdecken, ohne extrem weit zu reisen. Gerade in der Situation jetzt können wir mit unserem Konzept das Fernweh unserer Gäste befriedigen und gleichzeitig die Sicherheit bieten, die eine Fernreise nicht bieten kann. Bei aller Internationalität möchten wir aber nicht unsere Wurzeln hier in den Schweizer Bergen vergessen. Daher bringen wir auch immer regionale Konzepte ein.

Erst im Dezember hatten Sie mit dem The Japanese by The Chedi Andermatt das höchste japanische Restaurant der Schweiz eröffnet. Was sind die Pläne für das Reopening?

Wir stehen schon in den Startlöchern. Das The Japanese by The Chedi Andermatt wird mit dem Start des Gütsch-Express wiedereröffnen. Sobald die SkiArena Andermatt-Sedrun-Disentis am 4. Juli ihren Betrieb wieder aufnimmt, wird auch der höchste Japaner der Schweiz seine Pforten öffnen. Aber es geht nicht darum, einfach wieder die Tür aufzusperren. Wir wollen uns weiter verbessern. Ein besonderes Highlight diesen Sommer werden daher unsere Gerichte mit Wagyu-Rind sein. Das Besondere: Unser Küchenchef Dietmar Sawyere hat die Rinder zusammen mit einem örtlichen Bauern hier im Urserental aufgezogen.

Haben Sie eine Veränderung bei den Gästen bemerkt?

In manchen Zeiten spüren wir unsere Lage stärker als in anderen. Gerade in den letzten Wochen haben wir den typischen Schweizer Pragmatismus erlebt. Die Gäste waren verständnisvoll, sehr entspannt. Dafür sind wir dankbar. Jetzt ist es an uns, Gästen aus anderen Ländern wie Deutschland oder Österreich zu versichern, dass Andermatt nicht nur schön, sondern auch sicher ist.

(JCR)