Hotellerie

Jury_wesley-tingey.jpg
Bei Epidemie zahlen, nicht aber bei Pandemie? Nicht mit GastroSuisse: Der Verband hat sich deswegen mit den grossen Versicherern angelegt. Bild: Wesley Tingey

Versicherungen müssen wegen Corona zahlen

Müssen Epidemieversicherungen für die durch das Coronavirus verursachten Schäden bei Gastrobetrieben aufkommen? GastroSuisse hat ein Rechtsguthaben vorgelegt, welches dies bejaht - und nun auch Rückendeckung vom Ombudsman für Privatversicherung erhalten.

Mal angenommen, sie haben eine Epidemieversicherung abgeschlossen, doch sie erhalten kein Geld, weil im Fall von Corona eine Pandemie vorliegt. Würden Sie dies akzeptieren? GastroSuisse, der Verband für Hotellerie und Restauration in der Schweiz, ging deswegen den grossen Versicherern an den Kragen. Diese Woche wurde bereits ein Rechtsgutachten vorgelegt, welches GastroSuisse zusammen mit dem Wirteverband Basel-Stadt bei einer renommierten, auf Versicherungsrecht spezialisierten Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben hat. Dieses kam zum Schluss: Epidemieversicherungen müssen für die durch das Coronavirus verursachten Schäden aufkommen.

Inzwischen erhält GastroSuisse Rückendeckung vom Ombudsman für Privatversicherung, Prof. Dr. Walter Fellmann. Dieser hält in einem eigenen Gutachten fest: «Nach meiner Einschätzung liegt somit kein Ausschluss vor, der bei grundsätzlicher Deckung von Epidemien Pandemien in bestimmter, unzweideutiger Fassung von der Versicherung ausschliessen würde. Nach Art. 33 VVG ist der Ausschluss daher nicht gültig.» Das heisst letztlich: Aus entsprechenden Epidemieversicherungen ergibt sich eine Zahlungspflicht.

Nach der behördlich angeordneten Schliessung der Restaurationsbetriebe im März 2020 hatten sich Gesellschaften wie die Basler Versicherung, Esurance und Mobiliar kooperativ bereit erklärt, für den durch das Coronavirus verursachten Schaden aufzukommen. Auch die Helvetia hatte ihren Versicherten ein substantielles Angebot unterbreitet. Insbesondere die AXA, Generali und TSM wollten sich aber bis vor kurzem ihrer Leistungspflicht noch völlig entziehen. Von weiteren Versicherungen wie etwa der Zurich Versicherung erwartet GastroSuisse, dass sie nachbessern und ihre bisherigen geringen «Solidaritätsbeiträge» mit einer weiteren angemessenen Zahlung ergänzen.

Unterdessen wurden intensive Verhandlungen mit mehreren Versicherungen aufgenommen. Führen diese Verhandlungen nicht zu vernünftigen Lösungen, so wird es zwangsläufig zu Prozessen kommen. Weiter würde evaluiert, welche branchenfreundlichen Versicherungen den Mitgliedern zukünftig noch zu empfehlen wären.

(JCR)