Hotellerie

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Mit der Auszeichnung anerkannt Icomos die seit über 80 Jahren erfolgte aufwendige Pflege und liebevolle Fortführung des Hotels «Chesa Grischuna». Bilder: Icomos

Das Historische Hotel des Jahres steht in Klosters

Das 1938 erbaute Hotel «Chesa Grischuna», in dem viele Künstler ihre Handschrift hinterliessen, wurde als Gesamtkunstwerk und für seinen historischen Originalzustand ausgezeichnet.

Im Rahmen des wichtigsten Branchentreffens der Hotellerie und der Restauration, an der Fachmesse Igeho in Basel, sind die begehrten Auszeichnungen für den Titel «Historisches Hotel/Restaurant des Jahres» verliehen worden. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Tourismus und Gastgewerbe, viele Vertreterinnen und Vertreter der Denkmalpflege sowie Freunde der historischen Hotels und Restaurants aus der ganzen Schweiz nahmen an der Verleihung auf dem Igeho Campus teil.

Eröffnet wurde der Anlass durch Andreas Züllig, Gastgeber des Hotels  Schweizerhof Lenzerheide und Präsident HotellerieSuisse. Er unterstrich die Bedeutung von Tradition und Geschichte in der Beherbergung: einerseits als Positionierungsfaktor für einen Betrieb, andererseits als einmalige Erlebniswelt für den Gast.

Mit der «Chesa Grischuna» in Klosters wird ein 1938 erbautes, aussergewöhnliches Hotel gewürdigt, das ein Gesamtkunstwerk darstellt – von der Architektur bis zu den Accessoires – und zu welchem berühmte Künstler ihre Beiträge geliefert haben. Das «Historische Hotel des Jahres 2020» ist in der Umbruchphase Ende der 1930er Jahre bewusst in einem der Tradition verpflichtendem Heimatstil geschaffen worden. Mit der Auszeichnung gleichsam anerkannt wird die seit über 80 Jahren erfolgte aufwendige Pflege und liebevolle Fortführung des Hotels, das es dem Gast ermöglicht, in eine eigene Welt einzutauchen.

In der «Chesa Grischuna» trifft man ein in sich stimmiges Hotelkonzept an, das mit einer hervorragenden Küche punktet.

Das Gebäude hat dezent Patina angesetzt und hebt sich im Ortsbild wohltuend ab. Bemerkenswert ist, dass sogar Türen und Fenster als kompletter historischer Originalbestand vorhanden sind. Man trifft in der "Chesa Grischuna" ein in sich stimmiges Hotelkonzept an, das mit einer hervorragenden Küche punktet, die auch heute prominente auswärtige Gäste ebenso wie einheimische Besucher anzieht.

Historisches Restaurant des Jahres 2020: Rössli hü, Root LU

Ein traditionsreiches barockes Gasthaus, scheinbar dem Untergang geweiht, erlebt eine Renaissance: das ist die Geschichte des Gasthauses «Rössli hü», «Historisches Restaurant des Jahres 2020». Das Rössli wurde 1751 als stattlicher Blockbau neu erbaut und war damals die wichtigste Wirtschaft im Dorf. 1994 schloss das Restaurantund der drohende Abbruch konnte nur knapp verhindert werden. Nach langen 23 Jahren begann die Renovation dieses geschichtsträchtigen Hauses.

«Historisches Restaurant des Jahres 2020»: das Restaurant Rössli hü in Root LU.

Nicht nur baulich, auch betrieblich wird Modernes und Altbewährtes gekonnt miteinander verheiratet. Das zeigt sich auch an den Zubereitungsarten, die – ganz im Zeichen der Zeit – der Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit verpflichtet sind. Regionale Produkte werden verarbeitet, wenn sie Saison haben, und mittels traditioneller Methoden konserviert: mit Salz, Zucker, Essig, Öl oder mittels Einkochen, Dörren, Räuchern und Fermentieren. Sie erscheinen in dieser Form auf der Speisekarte und prägen ein Gastronomiekonzept, das sorgfältig auf das Haus abgestimmt ist.

Spezialpreis 2020: Les Wagons, Bistro und Bar, Winterthur ZH

Der Spezialpreis des Jahres 2020 zeichnet ein in mehrfacher Hinsicht  gelungenes Umnutzungsprojekt in Winterthur aus. Es handelt sich um ein Bistro-Ensemble aus einer Komposition der ehemaligen elektrischen Uetlibergbahn von 1923, einem neuen Betonperron sowie einem wiederverwendeten Dach eines ehemaligen Velounterstands. Triebwagen und Personenwagen dienen dem Empfang der Gäste, im Gepäckwagen ist die Küche untergebracht, und der Ausbau eines zusätzlichen Holzwagens als Kühlraum ist im Gange.

Eine Komposition der ehemaligen elektrischen Uetlibergbahn erhält den Spezialpreis.

Stimmig ist auch der Ort: angrenzend an die Gleisanlagen der SBB und in einem Quartier, das in der Vergangenheit eine Lokomotivfabrik beherbergte. «Les Wagons» wurden im November 2015 eröffnet. Damit wurde die alte Uetlibergbahn der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Die Liebe zum Detail prägt auch das gastronomische Angebot, das auf einem Konzept der kurzen Wege basiert. So stammen beispielsweise Früchte und Gemüse vom lokalen Markt, das Fleisch aus Metzgereien der Region, während das Brot selber gebacken wird.

Die Auszeichnung «Das historische Restaurant/Hotel des Jahres», mit der alljährlich gastgewerbliche Betriebe für die Erhaltung und Pflegehistorischer Bausubstanz gewürdigt werden, ist bereits zum 24. Mal inFolge verliehen worden. Sie wird getragen von ICOMOS Suisse, der Landesgruppe des Internationalen Rats für Denkmalpflege, in Zusammenarbeit mit GastroSuisse, HotellerieSuisse und Schweiz Tourismus. Eine Jury, bestehend aus Expertinnen und Experten von Denkmalpflege, Architektur, Geschichte, Hotellerie und Restauration, kürt die Nominierten und die Preisträger aufgrund der eingereichten Bewerbungen und nach Besuchen vor Ort. Die Auszeichnung wird jeweils im Herbst für das Folgejahr verliehen.

(TN)