Hotellerie

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Gäste treffen bei einem Airbnb-Anbieter ein: Der Vermittlungsdienst soll zumindest beim EBITDA profitabel sein. Bild: Airbnb

Wer will Aktien von Airbnb?

Der Vermittlungsdienst geht 2020 an die Börse. Trotz riesiger Umsätze und hohem Firmenwert könnten die Anleger vorsichtig sein.

Dieser Schritt war schon lange erwartet worden: Airbnb hat gestern in einer kurzen Mitteilung wissen lassen, dass im kommenden Jahr der Börsengang angestrebt wird. Ein genaues Datum wird darin vom Home-Sharing-Unternehmen ebenso wenig bekannt gegeben wie weitere finanzielle Details.

Das gleichermassen beliebte wie verhasste Unternehmen wurde erst 2008 von Joe Gebbia und Brian Chesky in San Francisco gegründet. Nach anfänglichen Problemen, Investoren zu finden, schaffte es Airbnb, sich Gelder zu sichern, und hat seitdem eine beispiellose Erfolgsgeschichte verzeichnet, von welcher die Gründer und frühen Investoren nun profitieren wollen. Die letzte Bewertung geht aufs Jahr 2017 zurück; damals bewertete Renaissance Capital das Unternehmen mit 31 Milliarden Dollar. Seitdem dürfte Airbnb noch deutlich an Wert zugelegt haben.

Die letzten bekannten Zahlen dürfen sich von Airbnb, einem der Motoren der «Sharing Economy», durchaus sehen lassen. Jede Sekunde checken sechs Gäste in einer via Airbnb vermittelten Unterkunft ein; aktuell sind auf Airbnb 7 Millionen Unterkünfte in über 100'000 Städten weltweit zu finden. Über 1000 Städte bieten mehr als 1000 Airbnb-Unterkünfte - 2011 waren es erst 12. Aus Sicht der potenziellen Investoren interessant: Airbnb behauptet, dass das Unternehmen 2017 und 2018 vor Steuern und Amortisierungen, also beim EBITDA, profitabel war. Genaue Zahlen wurden nicht genannt und wie hoch letztlich der Nettoverlust war, weiss auch niemand. Und obwohl Airbnb angab, im zweiten Quartal 2019 deutlich über eine Milliarde Dollar Umsatz gemacht zu haben, war nicht klar, ob daraus auch ein Quartalsgewinn resultierte.

Trotz dem Hype um den Börsengang könnten Investoren folglich vorsichtig sein. In diesem Jahr gingen bereits weitere Giganten der «Sharing Economy» wie Uber oder Lyft an die Börse. Beide machen weiterhin Verluste und beide werden an der Börse aktuell deutlich unter dem Emissionspreis gehandelt. Es wird also entscheidend sein, ob Airbnb die Anleger überzeugen kann, dass man demnächst profitabel wird.

Breiter aufgestellt für bessere Umsätze

Airbnb hat sich in den vergangenen Jahren jedenfalls schon mal für den Börsengang schön gemacht. Nachdem man die Grenzen des «Couchsurfings für Junge» erreicht hatte, wurden Boutique-Hotels und Destinationsangebote («Trips») ins Portfolio aufgenommen. 2017 dann wurde Luxury Retreats übernommen, um auch im High-End-Sektor präsent zu sein. Erst im Mai dieses Jahres wurde Hotel Tonight gekauft, um auch im Last-Minute-Hotel-Geschäft mitzumischen. Und im August wurde Urbandoor übernommen, welche «serviced apartments» für Geschäftsreisende anbietet - und war schon davor aktiv auf Geschäftsreisende zugegangen.

Airbnb hat damit auch die Hotellerie grundlegend verändert. Grosse Ketten wurden dazu gezwungen, weitere Märkte und Angebote zu bearbeiten - Marriott beispielsweise bietet nun ebenfalls Homesharing-Angebote an. Allerdings hat Airbnb auch viele Feinde erhalten - in Barcelona beispielsweise wird das Unternehmen beschuldigt, wesentlich am Overtourism und an steigenden Mietpreisen beteiligt zu sein. Ebenso haben Geschichten über randalierende Airbnb-Gäste dem Image des Unternehmens geschadet. Trotzdem ist Airbnb ein nicht mehr wegzudenkender Player im globalen Übernachtungsgeschäft - und folglich für viele Anleger interessant.

(JCR)