Hotellerie

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Gegenstände, welche den Gästen im Hotel zur Verfügung gestellt werden, sind deswegen nicht automatisch deren Eigentum... Bild: Adobe Stock

Landen die Hotel-Pantoffeln unter dem Weihnachtsbaum?

Dass in Hotels Gegenstände geklaut werden, ist hinlänglich bekannt. Ebookers hat dazu nun eine Umfrage bei Schweizern durchgeführt: Mit Resultaten, welche übliche Vermutungen stützen.

Ist das Mitnehmen von Gegenständen aus dem Hotelzimmer ein totales No-go oder ein Kavaliersdelikt? Auch wir haben uns schon mehrfach mit dieser Frage auseiandergesetzt; zuletzt hiess es, die Schweizer klauen am liebsten den Föhn. Klar ist, dass das Klauen aus dem Hotelzimmer eines jener Verbote ist, welche kaum jemand zu befolgen scheint. Ob Wellness-Produkte, Kugelschreiber, Föhn oder sogar Plastiksäcke der Hotelreinigung: Hotelgäste räumen während ihrer Ferien teilweise regelrecht die Zimmer leer. Oder bereiten sie sich schon frühzeitig auf Weihnachten vor und sorgen mit den geklauten Gegenständen für Freude unter dem Christbaum?

Die Schweizer unterscheiden sich jedenfalls keineswegs von Hotelgästen aus anderen Ländern. Das Portal Ebookers wollte es genau wissen und lancierte eine grosse Befragung bei 1000 Schweizerinnen und Schwizern. Die Resultate überraschen eigentlich nicht: Wellness-Produkte, Kugelschreiber, Notizblock und Pantoffeln verschwinden immer wieder im Gepäck von Herr und Frau Schweizer.

Frauen klauen mehr Wellness-Produkte als Männer

Shampoo, Körperseife, Bodylotion: Das sind Standard-Wellness-Produkte in Hotels - nicht selten sehr hochwertig oder aus lokaler Produktion. Angebrochene Tuben/Flaschen kann man natürlich mitnehmen, aber gleich alles wegräumen? Hier langen im Speziellen die Frauen gerne zu: Knapp jede dritte Befragte hat bei ihrem letzten Hotelaufenthalt Wellness-Produkte mitgehen lassen. Ganz erpicht auf die exquisiten Wundercremen und -seifen sind die Nordwest- (33%) und die Westschweizer (31%).

Westschweizer entwenden öfters Kugelschreiber und Pantoffeln

Das Produkt, welches am zweitmeisten eingesteckt wird, ist der Kugelschreiber (20%). Knapp jeder fünfte der befragten Schweizer liess in seinen letzten Ferien einen Kugelschreiber mitgehen. Bewusst oder aus Versehen, sei dahingestellt. Es scheint, dass im Speziellen die Westschweizer von dem Schreibgerät in den Hotelzimmern sehr angetan sind. Über 25 Prozent der Befragten gaben an, dass sie beim letzten Hotelaufenthalt einen Stift mitgehen liessen. Fast gleichauf mit dem Kugelschreiber folgen auf Platz 3 Notizblock und Pantoffeln/Flip-Flops. Speziell Zweitgenanntes scheint ein begehrtes Objekt bei den Westschweizern zu sein. Knapp 20 Prozent aller Befragten haben beim letzten Aufenthalt die bequemen Treter mit Hotellogo als Souvenir mit nach Hause genommen.

Männer hängen mehr am Hotelzimmerschlüssel als Frauen

Interessante Erkenntnisse folgen auf den hinteren Rängen der Rangliste. Zum Beispiel beim Zimmerschlüssel. Da dies beim Check-out kaum zurückverlangt wird, schaffen es rund 3 Prozent aller Befragten, den mehrheitlich elektronischen Türöffner aus dem Hotel rauszuschmuggeln. Während die Frauen auf die Wellness-Produkte schielen, scheint das Schlüsselthema klare Männersache (5%) zu sein. Und welche Gruppe ist mal wieder ganz vorne dabei: die Romands. Zusammen mit den Nordwest- und Ostschweizern belegen sie die Plätze 1 bis 3.

Die Handtücher und die Kleiderbügel sind Männersache

Im Ranking weit oben sind auch die Plastiksäcke der Hotelreinigung, das Schuhputzzeug, die Handtücher und die Bademäntel. Also alle Artikel, welche nicht niet- und nagelfest sind, sind hierzulande begehrt. Entgegen den allgemeinen Gerüchten sind Bademäntel eher auf den hinteren Rängen in der Rangliste, dies hat wohl damit zu tun, dass die Schweizerinnen und Schweizer im Leben nur einmal einen Mantel stibitzen oder sich die Hotels entsprechend abgesichert haben. Auch der Kleiderbügel und der Haartrockner scheinen für einzelne im Fokus der Begierde zu sein. Kleiderbügel? Ja, Kleiderbügel. Und auch hier bedienen sich die Herren öfter als die Frauen.

Was übrigens auch beim Föhn der Fall ist. Tendenziell nehmen die Männer mehr Föhns mit nach Hause als die Frauen. Könnte vielleicht auch im Zusammenhang mit den bevorstehenden Weihnachten stehen...

Ab wann ist von Klauen die Rede?

Die Studie von Ebookers mag unterhaltsam sein - sie besagt eigentlich nur, dass die Grenze zwischen den kleinen Aufmerksamkeiten vom Hotel, die man bedenkenlos mitnehmen kann, und dem echten Diebstahl irgendwie fliessend ist. Ab welchem Geldwert ist es Klauen? Weiss überhaupt jemand, wie teuer die Kosmetika sind? Wie hoch sind die «Schäden» für das Hotel aufgrund mitgenommener Gegenstände jedes Jahr, und wie werden solche Kosten abgefedert? Im Grundpreis, im Marketingbudget, als Abschreiber?

Eine Umfrage zum Diebstahl, welche nicht nur nach den gestohlenen Gegenständen, sondern auch nach dem Gewissen fragt, wäre eigentlich wünschenswerter.

(JCR)