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Blick über die irische Stadt Cork, die als aufstrebende Food-Destination gilt. Bild: Adobe Stock

So will Irland zurück ins Scheinwerferlicht

Reto Suter

Nach einem schwachen Tourismusjahr 2025 macht sich in Irland Aufbruchstimmung breit – angeheizt durch eine neue Strategie und grosse Ambitionen. Rückenwind versprechen dabei auch publikumsstarke Höhepunkte wie der heutige Saint Patrick’s Day, der die Insel ins internationale Rampenlicht rückt.

Während Europas Tourismus 2025 vielerorts Rekorde schrieb, stand Irland im Regen. Als einziges Land neben Rumänien verzeichnete es einen leichten Rückgang bei den Übernachtungszahlen. Ausschlaggebend war vor allem das schwache erste Halbjahr mit deutlichen Einbussen. Zwar zogen die Zahlen ab dem Sommer wieder an, doch das frühe Minus liess sich nicht mehr wettmachen.

Jetzt soll sich der Aufwärtstrend fortsetzen. Die irische Regierung hat Ende 2025 eine neue nationale Tourismusstrategie festgelegt. Der Titel: «A New Era for Irish Tourism». Sie definiert eine langfristige Vision für Wachstum, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit und enthält rund 70 konkrete Massnahmen, um die Branche zu stärken. Ziel ist es, Besucherzahlen und Einnahmen zu steigern, regionale Entwicklung zu fördern und Irland als führende Reisedestination in Europa zu positionieren.

Grosses Augenmerk auf den deutschsprachigen Raum

Der deutschsprachige Markt gilt als Schlüssel, und gerade in der Schweiz wittern Irlands Touristiker noch reichlich Luft nach oben. Für 2025 liegen die definitiven Zahlen noch nicht vor, aber die detaillierte Auswertung für 2024 zeigt: Gerade einmal 95'000 Schweizerinnen und Schweizer reisten auf die gesamte Insel – also nach Irland und Nordirland. Das reichte nur für Rang 12.

Noch ernüchternder fällt die Bilanz bei den Logiernächten aus: 740'000 Übernachtungen bedeuten lediglich Platz 13. Kurz gesagt: Die Schweiz ist da – aber längst noch nicht da, wo Irland sie gerne hätte. Deshalb hat Tourism Ireland seine Vermarktung neu ausgerichtet. Nadine Lehmann, zuvor während vier Jahren ausschliesslich für den deutschen Markt zuständig, betreut seit vergangenem Herbst neu auch Österreich und die Schweiz. Damit ist der deutschsprachige Markt gebündelt.

«Wir wollen gezielt wachsen, aber über Qualität», sagt Lehmann im Gespräch mit Travelnews. Der Fokus liege auf einem Premium-Ansatz, auf authentischen Erlebnissen, die im Gedächtnis bleiben. Irland positioniere sich dabei bewusst auch als Zweit- oder Drittferienziel: kurze Auszeiten, grosse Wirkung. «In vier oder fünf Tagen kann man unglaublich viel erleben», so Lehmann.

Nadine Lehmann ist bei Tourism Ireland zuständig für den deutschsprachigen Markt. Bild: TN

Gerade Schweizer Reisende seien dafür ideal, naturverbunden und offen für Kurztrips. Lehmann betont, dass die irische Insel genau das biete: leere Strände, Weite, Energie tanken – ob beim Reiten, Wandern oder auf dem Hausboot. Highlights sollen noch stärker ins Schaufenster: neben dem Nationalfeiertag Saint Patrick's Day, der heute Dienstag (17. März 2026) gefeiert wird, auch Halloween, dessen Ursprünge in Irland liegen.

Ein wachsender Trumpf ist die Kulinarik. Viele Gäste seien überrascht, wie gut Irland schmecke, sagt Lehmann – von Austernfarmen über Brotbacken bis zu einer lebendigen Foodie-Szene in Belfast oder dem English Market in Cork. Gleichzeitig bleibe das Angebot oft erschwinglich.

Und dann ist da noch die berühmte Gastfreundschaft. «Wenn man in Irland nach dem Weg fragt, wird man nicht nur informiert, man wird hingebracht», berichtet Lehmann. Wer ein Pub betrete, sei sofort Teil der Gemeinschaft.

Neben Dublin rücken auch Orte wie Portmarnock oder Malahide stärker in den Fokus – gut erreichbar, auch ohne Auto. Oder gleich die Kombination Dublin–Belfast. Klar ist: Irland hat viel zu erzählen. Und will, dass die Schweiz genauer hinhört.