Here & There
«Bei der nächsten Ferienplanung lohnt sich für Schweizer ein Blick in den Nordosten»
Reto SuterIn der Schweiz stammt rund die Hälfte der Gäste im Tourismus aus dem Ausland. In Deutschland sieht das anders aus: Nur etwa 16 Prozent der Besucherinnen und Besucher sind international. Ein krasses Beispiel ist das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Dort kommen gerade einmal knapp vier Prozent der Gäste aus dem Ausland. Das soll sich ändern.
Einer, der diese Entwicklung vorantreiben will, ist Peter Kranz, seit 1. Oktober 2025 Geschäftsführer der MV Tourismus GmbH. «Mecklenburg-Vorpommern soll auf der touristischen Landkarte wieder sichtbarer werden – auch international», sagt er im Gespräch mit Travelnews und richtet seinen Blick dabei unter anderem auf die Schweiz.
Erreichbarkeit als Schlüssel zum Erfolg
Die Schweiz spielt für Mecklenburg-Vorpommern unter den internationalen Märkten bereits heute eine wichtige Rolle – allerdings auf bescheidenem Niveau. Im Jahr 2025 registrierte das Bundesland gut 40’000 Ankünfte von Schweizer Gästen, was zu rund 137’000 Logiernächten führte.
Das entspricht in etwa den Schweizer Übernachtungszahlen des Kantons Uri, obwohl Mecklenburg-Vorpommern flächenmässig mehr als 20 Mal grösser ist. Dennoch war die Schweiz mit diesen Werten die Nummer 1 der internationalen Märkte.
Ein kleiner Schritt in Richtung mehr Sichtbarkeit wurde 2025 gemacht: Nach sechs Jahren Unterbruch erhielt die Region wieder eine direkte Flugverbindung in die Schweiz. Die Swiss flog in den Sommermonaten von Zürich nach Heringsdorf auf der Insel Usedom. Auch im Sommer 2026 wird diese Verbindung wieder angeboten – jeweils samstags zwischen Ende Juni und Ende August.
Doch dabei soll es nicht bleiben. «Wir möchten auch auf der Schiene besser an die Länder in unserem Süden angebunden werden», sagt Kranz. Sein Argument: «Wir müssen in die Köpfe der Menschen bringen, dass wir in acht, zehn oder vielleicht zwölf Stunden erreichbar sind – also in einer Distanz, die viele auch für Ferien am Mittelmeer in Kauf nehmen.» Eine gute Erreichbarkeit sei letztlich der Schlüssel für mehr internationale Gäste.
Weite Landschaften, Festivals und Fischbrötchen
Warum sollten Schweizerinnen und Schweizer ausgerechnet nach Mecklenburg-Vorpommern reisen? Für Kranz liegt die Antwort auf der Hand: der Kontrast. «Wer aus einem Land der Berge kommt, findet bei uns eine Landschaft der unendlichen Weite.» Oder, wie er mit einem Schmunzeln sagt: «In Mecklenburg-Vorpommern siehst du am Freitag, wer am Sonntag zu Besuch kommt.»
Und dann gerät er ins Schwärmen. Von der rund 2000 Kilometer langen Ostseeküste, von Inseln wie Rügen und Usedom, von Halbinseln wie Fischland-Darß-Zingst – und von einem überraschend vielfältigen Kultur- und Veranstaltungsangebot.
Dazu gehören etwa die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, eines der grössten Klassikfestivals Deutschlands, bei dem Konzerte in Schlössern, Kirchen und Gutshäusern stattfinden.
Ganz andere Töne schlägt das Airbeat One Festival an – eines der grössten Festivals für elektronische Musik in Europa, das jedes Jahr auf dem Flugplatz von Neustadt-Glewe stattfindet. Sportlich spektakulär wird es beim Sail GP, einer Art Formel 1 des Segelsports, dessen Rennen vor Sassnitz Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer anziehen.
Auch kulinarisch hat das Bundesland einiges zu bieten. Sieben Sterne-Restaurants stehen für gehobene Küche, dazu kommen zahlreiche Fischspezialitäten aus der Ostsee. Zudem erwähnt Kranz den Unternehmer und Gastronomen Mathias Schilling, der mit innovativen Konzepten für regionale und saisonale Küche steht.
Aber auch einfache Gerichte haben ihren Reiz. «Haben Sie sich schon einmal in Warnemünde ein Fischbrötchen von einer Möwe klauen lassen?», sagt Kranz lachend. «Das sind Erlebnisse, die man gerne mitnimmt.»
Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern seien den Schweizerinnen und Schweizern gar nicht so unähnlich, findet er: bodenständig und ihrer Region eng verbunden. «Sie sehen vieles gelassen, ohne immer gleich grosses Aufheben zu machen.»
Für Kranz ist deshalb klar: «Bei der nächsten Ferienplanung lohnt sich für Schweizerinnen und Schweizer ein Blick in den Nordosten.» Und auch die Einheimischen müssten sich keine Sorgen machen. «Selbst wenn wir eines Tages acht Prozent internationale Gäste erreichen, bleibt das absolut verträglich.»