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Messeleiterin Deborah Rothe packt mit an: 2025 war sie undercover an der Zutrittskontrolle im Einsatz. Bild: Messe Berlin

«Genau dieses Berliner Lebensgefühl möchten wir auf die ITB übertragen»

Reto Suter

Wenn die ITB Berlin Geburtstag feiert, wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Messeleiterin Deborah Rothe gibt Einblicke in die Jubiläumsausgabe, spricht über globale Strahlkraft und verrät, welche neuen Begegnungsorte das Messe-Erlebnis 2026 prägen werden.

Die ITB Berlin schreibt 2026 ein besonderes Kapitel: Zum 60-Jahr-Jubiläum präsentiert sich die weltweit führende Messe der Tourismusbranche international und facettenreich. Über 170 Länder sind vertreten, der Ticketverkauf läuft auf Hochtouren.

Offizielles Gastland ist Angola – ein Symbol für die wachsende globale Vielfalt. Wie blickt Messeleiterin Deborah Rothe auf die Jubiläumsausgabe vom 3. bis 5. März 2026? Was macht sie stolz und worauf freut sie sich besonders? Travelnews hat nachgefragt.

Frau Rothe, die ITB Berlin feiert ihr 60-jähriges Bestehen. Welche besonderen Highlights erwarten die Besucherinnen und Besucher?

Deborah Rothe: Zum Jubiläum haben wir auf dem gesamten Messegelände ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das Nostalgie, Gemeinschaft und Zukunftsperspektiven verbindet. Teilnehmende dürfen sich auf interaktive Fotospots im VW Bulli in Halle 23, eine Zeitreise mit dem «Back to the Future»-DeLorean in Halle 21 sowie auf visionäre Reiseideen in der ITB-Rakete freuen. Kreative Formate wie «Malen nach Zahlen» und die Polaroid-Station «Say ITB» laden zum Mitmachen ein. Ergänzt wird das Jubiläumsjahr durch die ITB Global Travel Collection, Ausstellungen zu touristischen Meilensteinen und ikonischen europäischen Plakaten sowie Aktionen wie «60 Seconds Cheer to the Travel Industry» und «Faces of ITB». Ein weiterer Höhepunkt ist die Afterwork-Party «Cheers to 60 Years of Legacy» am Dienstagabend mit dem Gastland Angola – inklusive Signature-Drink in den ITB-Farben und DJ.

Wie stark ist die Nachfrage der Aussteller für die Ausgabe 2026?

Wir sind bereits vollständig ausgebucht und führen sogar Wartelisten. Insgesamt werden Unternehmen aus mehr als 160 Ländern vertreten sein – damit bewegen wir uns auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Besonders erfreulich ist auch die Entwicklung auf Besucherseite: Die Ticketverkäufe liegen über dem Vorjahr, was uns sehr optimistisch stimmt. Insgesamt bin ich mit dem aktuellen Stand äusserst zufrieden.

Gibt es Rückkehrer oder Neuaussteller, über die Sie sich besonders freuen?

Ein erfreuliches Comeback feiern Bhutan und Benin, die beide seit über zehn Jahren nicht mehr an der ITB Berlin vertreten waren. Gleichzeitig gewinnt der Technologiesektor für uns weiter an Bedeutung. So präsentiert sich etwa die Zahlungslösung Revolut erstmals auf der Messe. Darüber hinaus gibt es mehrere weitere Unternehmen, die in Berlin ihre Premiere feiern und neue Impulse setzen dürften.

Welche Destinationen setzen 2026 besonders grosse Akzente?

Thailand stellt in diesem Jahr mit über 2000 Quadratmetern die grösste Länderpräsenz. Ebenfalls mit beeindruckenden Auftritten vertreten sind Ägypten, die Türkei und Italien. Diese grosse Präsenz unterstreicht die internationale Strahlkraft der ITB Berlin.

«Ein beliebtes Reiseland, das in diesem Jahr mit einem Länderstand fehlt, ist Vietnam»

Welche Rolle spielt die Schweiz an der ITB Berlin 2026?

Die Schweiz ist erneut stark vertreten und präsentiert sich im Hub 27, unserer sogenannten Alpenhalle. Aktuell beteiligen sich über 40 Partner – ein Niveau, das in etwa dem Vorjahr entspricht. Flächenmässig fällt der Auftritt zwar etwas kompakter aus, doch als eine der wichtigsten Ländervertretungen bleibt die Schweiz ein zentraler Bestandteil der Messe. Wir hoffen natürlich, dass diese Präsenz auch künftig mindestens auf diesem Level bleibt.

Auf Schweizer Reisemessen waren die USA zuletzt kaum sichtbar. Wie zeigt sich das Land in Berlin?

Die Vereinigten Staaten treten an der ITB breit auf. In Halle 3.1 präsentieren sich neben American Airlines zahlreiche Destinationen und Anbieter – darunter Explore Fairbanks in Alaska, die Las Vegas Convention and Visitors Authority, Visit Detroit, die Florida Keys, Visit Tampa Bay sowie Travel Texas. Ergänzt wird das Angebot durch spezialisierte Unternehmen wie Rocky Mountaineer oder Cruise America / Cruise Canada. Insgesamt ergibt sich ein vielfältiges Schaufenster, das die touristische Bandbreite der USA passend widerspiegelt.

Gibt es Destinationen, deren Abwesenheit Sie besonders bedauern?

Insgesamt bin ich mit unserem Aussteller-Mix sehr zufrieden. Ein beliebtes Reiseland, das in diesem Jahr mit einem Länderstand fehlt, ist Vietnam – in diesem Fall aus Budgetgründen. Dafür sind die Vietnam Association of Tourism and Culture sowie weitere Aussteller aus dem Land vertreten. Ich gehe jedoch davon aus, dass eine Teilnahme für 2027 erneut geprüft wird. Ebenfalls schade ist, dass das Saarland und Schleswig-Holstein diesmal nicht vertreten sind. Doch erfahrungsgemäss kann sich das bereits im kommenden Jahr wieder ändern

Ein Blick zurück: Seit Jahrzehnten gilt die ITB Berlin als zentraler Treffpunkt der internationalen Reisebranche. Bild: Messe Berlin

Angola ist 2026 offizielles Gastland der ITB Berlin. Worauf dürfen sich die Besucherinnen und Besucher freuen?

Dass Angola nach rund zehn Jahren Pause zurückkehrt – und gleich als Gastland auftritt – freut uns ganz besonders. Unter dem Claim «Visit Angola – Rhythm of Life» möchte sich das Land als verantwortungsvolle und nachhaltige Destination positionieren. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf ein lebendiges Programm mit Musik, Tanz, Kunst und Kulinarik freuen, das die kulturelle Vielfalt Angolas erlebbar macht. Gleichzeitig rückt der Auftritt auch die Naturlandschaften in den Fokus: von der rund 1600 Kilometer langen Atlantikküste über weite Wüstengebiete und Nationalparks bis hin zu den spektakulären Kalandula-Wasserfällen. Ziel ist es, ein umfassendes Bild dieses noch wenig bekannten Reiseziels zu vermitteln.

Mit dem African Travel Hub erhält der Kontinent eine neue Plattform in Halle 21. Was steckt dahinter?

Wir möchten möglichst vielen Destinationen eine Teilnahme an der ITB ermöglichen – unabhängig von ihrer finanziellen Ausgangslage. Während einige Länder mit grossen, individuell gestalteten Ständen auftreten, fehlt anderen dafür das Budget. Genau hier setzt der African Travel Hub an: Er bietet kleineren Ausstellern eine niederschwellige Präsenz in Form kompakter Counter, die eine unkomplizierte Kontaktaufnahme vor Ort ermöglichen. Auf diese Weise schaffen wir gemeinsame Sichtbarkeit und erleichtern afrikanischen Anbietern den Zugang zum internationalen Branchenpublikum.

Neu ist auch der ITB Späti. Viele Schweizerinnen und Schweizer können sich jedoch nicht allzu viel darunter vorstellen. Erzählen Sie mir mehr!

(lacht) Spätis – kurz für Spätverkaufsstellen – sind kleine Kioske, die in Berlin oft bis tief in die Nacht geöffnet haben und alles bieten, was man spontan brauchen könnte: von Getränken über Snacks bis hin zu Alltagsartikeln. Sie sind Treffpunkt, Nahversorger und Kult zugleich. Genau dieses Berliner Lebensgefühl möchten wir auf die ITB Berlin übertragen. Der ITB Späti in Halle 7.2c wird ein ungezwungener Ort für Begegnungen sein – ideal zum Netzwerken, als Start- und Endpunkt unserer Guided Tours oder für Unternehmens-Pitches und Happy Hours. Auch ein tägliches Bingo gehört dazu. Gleich am ersten Messetag entsteht dort zudem ein Kunstwerk aus Tape. Kurz gesagt: eine Zone, die inspiriert, verbindet und gleichzeitig Spass macht.

Worauf freuen Sie sich bei der ITB-Ausgabe 2026 am meisten?

Der Späti liegt mir besonders am Herzen, weil er für mich Berliner Kultur in ihrer authentischsten Form widerspiegelt. Gleichzeitig blicke ich mit grosser Vorfreude auf die Eröffnungsgala mit unserem Gastland Angola. Zu den Gastländern entwickelt sich über die Monate der Vorbereitung stets eine enge Zusammenarbeit, die ich als sehr bereichernd empfinde. Ich habe bereits viel über Angola gelernt – und freue mich nun darauf, dieses facettenreiche Land an der ITB Berlin live zu erleben.