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Ramadan erleben: Was den Fastenmonat für Reisende besonders macht
Heute Abend, 17. Februar 2026, beginnt für fast zwei Milliarden Musliminnen und Muslime der heilige Fastenmonat Ramadan. Zwischen Marokko im Westen und Indonesien im Fernen Osten, über Ägypten, die Türkei und die vielen weiteren muslimisch geprägten Länder hinweg, gilt während dieser Zeit: Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird auf Essen, Trinken, Rauchen, sexuelle Aktivitäten sowie bewusst schlechtes Verhalten verzichtet. Es ist eine Zeit der Einkehr, Ruhe und Selbstreflexion.
Einige Touristen mag eine Reise in ein muslimisches Land während des Ramadan abschrecken. Dabei stellen sich oft Fragen wie: Kann ich tagsüber essen oder trinken? Haben Restaurants überhaupt geöffnet? Muss ich mich anders kleiden? Lohnt es sich überhaupt, in dieser Zeit dorthin zu reisen?
Tatsächlich pflegt nicht jedes muslimisch geprägte Land dieselben Regelungen für Touristen während des Fastenmonats – es bedarf also einer individuellen Vorbereitung. Mit den nötigen Informationen und Rücksicht kann eine Reise während der muslimischen Fastenzeit zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. «Am Abend nach dem Fastenbrechen erwachen die Städte erst richtig zum Leben. Der Tagesrhythmus kehrt sich komplett – das erlebt man nur im Ramadan», sagt Reto Amin vom Nahost-Spezialisten Amin Travel.
Kein Essen und Trinken in der Öffentlichkeit
Der Ramadan ist eine spirituelle Zeit und respektvolles Verhalten wird während dieses Monats besonders geschätzt. Indonesien ist das Land mit den meisten Muslimen weltweit. Rund 87 Prozent der Indonesierinnen und Indonesier gehören dem muslimischen Glauben an – knapp 240 Millionen Menschen. Während des Ramadan gilt in den stark muslimisch geprägten Regionen in Indonesien: Tagsüber nicht demonstrativ in der Öffentlichkeit zu essen, zu trinken oder zu rauchen. Viele Restaurants haben zwar geöffnet, bedienen jedoch tagsüber eingeschränkter und diskreter hinter Vorhängen.
In Ländern wie Ägypten, Marokko, Tunesien oder der Türkei ist der Verzicht auf Essen und Trinken in der Öffentlichkeit freiwillig, wird aber als Geste der Höflichkeit gewertet und sollte dementsprechend befolgt werden. In Jordanien werden Touristen ausdrücklich gebeten, das Rauchen, Essen und Trinken in der Öffentlichkeit als Zeichen des Respekts komplett zu unterlassen.
Im Oman bleiben laut den Behörden die meisten Restaurants und Cafés tagsüber geschlossen. Grundsätzlich gilt aber: In touristischen Gegenden lassen sich Restaurants finden, wo man auch tagsüber essen kann. Auch in den Hotels ist dies normalerweise uneingeschränkt möglich.
In sämtlichen Ländern wird zudem geschätzt, wenn sich Touristinnen und Touristen respektvoll kleiden, sprich etwas bedeckter und zurückhaltender als sonst.
Geänderte Öffnungszeiten
In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind die Supermärkte zu den gewohnten Zeiten geöffnet, Einkaufszentren bleiben bis spät in die Nacht geöffnet, wie man auf der Webseite des Tourismusministeriums erfährt. Nicht-Muslime finden im Restaurant auch tagsüber designierte Bereiche, in denen gegessen und getrunken werden kann, sodass die Fastenden nicht gestört werden. Hier muss beachtet werden, dass einige Restaurants geänderte Öffnungszeiten haben oder tagsüber geschlossen sind. Touristenattraktionen folgen den üblichen Öffnungszeiten.
Aber Achtung: In den Vereinigten Arabischen Emiraten ändern sich während des Ramadans die Öffnungszeiten für gebührenpflichtige Parkplätze. Informationen zu Parkzeiten, Gebühren und Zahlungsmethoden finden sich an den Parkautomaten in den jeweiligen Parkbereichen.
In Albanien und den anderen muslimischen Gegenden im Balkan wird man als Tourist weniger vom Ramadan bemerken. Es gibt so gut wie keine Einschränkungen, die Restaurants sind geöffnet und es gelten keine besonderen Regelungen.
Es lassen sich also keine allgemeinen Aussagen treffen, da je nach Reiseland unterschiedliche Gepflogenheiten gelten. Eine gute Vorbereitung und das Informieren über die Destination vor der Abreise sind daher unerlässlich.
Frühe Planung ist essenziell
Die Tourismusbehörden der Vereinigten Arabischen Emirate weisen darauf hin, dass es am Abend, insbesondere nach dem Fastenbrechen, schwierig sein kann, ein Taxi zu finden. Dies gilt auch für alle anderen Länder. Es wird empfohlen, Taxifahrten vorab zu buchen. Auch die Fernbusse sind während Ramadan bereits Tage vorher ausgebucht, auch dort gilt es, frühzeitig zu buchen. Hinzu kommt, dass öffentliche Verkehrsmittel seltener fahren und meist nur am Nachmittag, was die Auslastung zusätzlich noch erhöht.
Es bedarf zudem besonderer Vorsicht auf den Strassen, da der Verkehr während des Ramadans nach Sonnenuntergang besonders dicht und die Unfallrate statistisch gesehen am höchsten ist.
Auch wenn die Tage im Ramadan ruhig oder eintönig wirken können, wird dies durch die lebendige Atmosphäre nach Einbruch der Dunkelheit ausgeglichen. Geschäfte, Cafés und Restaurants sind die ganze Nacht über geöffnet.
Der Fastenmonat endet voraussichtlich am 19. März 2026 mit der Sichtung der Neumondsichel. Während des dreitägigen Festes nach Ramadan («Eid al-Fitr») bleiben viele Geschäfte ganz geschlossen.
Ein besonderes Erlebnis
Trotz der ein oder anderen Einschränkung kann der Fastenmonat Ramadan eine Gelegenheit sein, besondere Einblicke in das Leben der Einheimischen zu erlangen. Touristinnen und Touristen sind in allen Ländern herzlich eingeladen, die einzigartige spirituelle und soziale Atmosphäre zu geniessen.
In Ägypten gilt der Ramadan als besonders speziell. Überall in den Strassen werden Zelte und Tische aufgestellt, Lichterketten, Ballone und Fähnchen aufgehängt. Jung, alt, arm und reich kommen zusammen, um das Fastenbrechen zu zelebrieren. «Die Stimmung ist im Ramadan sehr speziell, als ob bei uns ein Monat lang Weihnachten wäre», so Amin.
In diesem Sinne: Ramadan Kareem!