Here & There
Kommentar Ein ganz schwacher Auftritt der Schweizer Reisebüros
Reto SuterOb es nun die offiziell 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer inklusive VIP-Gäste waren oder die effektiv anwesenden rund 65 Reiseprofis, spielt letztlich keine Rolle. Fakt ist: Was die Reisebüro-Landschaft am Donnerstag am «Visit USA Island Hopping», dem wichtigsten USA-Weiterbildungsevent der Schweiz ablieferte, war ein Trauerspiel.
Viele Stühle im Zürcher Volkshaus blieben leer, die Teilnehmerzahl hat sich innert Jahresfrist praktisch halbiert – und das, obwohl das Angebot einmal mehr überzeugte. 24 Aussteller präsentierten sich, von grossen Schweizer Veranstaltern über Airlines bis hin zu US-Destinationen. Die diesjährige Partnerregion Boston reiste gleich mit einer elfköpfigen Delegation an, um Stadt und Umgebung zu promoten.
Doch in vielen Reisebüros scheint das Urteil bereits gefällt: USA, nein danke! Schuld daran ist die Politik von Präsident Donald Trump. Diese Haltung wirkt auf den ersten Blick prinzipientreu, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Doppelmoral.
Denn während man demonstrativ Distanz zu den Vereinigten Staaten markiert, verkauft man gleichzeitig ohne erkennbares Unbehagen Reisen in Länder, deren politische Realität deutlich weniger mit westlichen Wertvorstellungen vereinbar ist. Kulturreise nach Saudi-Arabien? Sehr gerne. Roundtrip oder Badeferien in Tansania trotz gewaltsamer Unruhen? Offenbar kein Problem.
Wer den Wissensvorsprung aufgibt, verliert den Mehrwert
Dabei bleiben die Vereinigten Staaten mit Abstand die beliebteste Fernreisedestination der Schweizerinnen und Schweizer. Gerade jetzt, mit sich verändernden Einreisebestimmungen und steigenden Preisen bei touristischen Leistungen wie Nationalparks, wäre es wichtiger denn je, sich aus erster Hand zu informieren.
Eine der zentralen Qualitäten von Reisebüros war schon immer ihr Wissensvorsprung. Wer ihn leichtfertig aufgibt, verzichtet auf genau den Mehrwert, den Kundinnen und Kunden erwarten dürfen.
Auch die üblichen Ausreden überzeugen nicht. Zu viele Events? Hauptbuchungszeit? Das war schon immer so. Weiterbildung gehört zum Geschäft – oder sollte es zumindest.
Wer einem solchen Event fernbleibt, trifft nicht die US-Politik, sondern die touristischen Partner in den USA – und letztlich auch die eigene Beratungsqualität. Persönliche Befindlichkeiten über Professionalität zu stellen, ist nicht nur kurzsichtig. Es ist für eine Branche, die vom Entdecken lebt, ein erstaunlich provinzielles Signal.