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Die Kathedrale der Geburt des Herrn gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der moldawischen Hauptstadt Chisinau und liegt in einem Park mitten im Zentrum der Stadt. Bild: Adobe Stock

Vergessenes Europa: Warum dieses Land jetzt alle überraschen könnte

Moldawien zählt zu den am wenigsten bereisten Ländern Europas – und genau das macht seinen Reiz aus. Travelnews zeigt, warum das Land gerade für Schweizer Reisende besonders interessant ist.

Massentourismus ist in Moldawien ein Fremdwort. Nicht umsonst wird der Nachbarstaat der Ukraine und Rumäniens gerne als das «am wenigsten bereiste Land Europas» bezeichnet. Dabei gibt es in Moldawien viel Spannendes zu entdecken – und das ganz ohne Schlange stehen und kommerzialisierte Touristenattraktionen. Das Land lockt mit echten Erlebnissen, kurzen Reisewegen und lokaler Gastronomie.

An der diesjährigen Fespo in der Messe Zürich war Moldawien erstmals präsent, um seine Vorzüge anzupreisen. Travelnews hat mit Elena Stepanov, der Geschäftsführerin der National Inbound and Domestic Tourism Association of Moldova (Antrim), gesprochen und erfahren, was Touristinnen und Touristen in Moldawien alles erleben können und wieso das Land gerade für Schweizer Reisende besonders attraktiv ist.

Das Land des Weins

«Moldawien ist das Land des Weins und der Trauben», erklärt Stepanov gleich zu Beginn des Gesprächs. Der Weintourismus ist das Steckenpferd des Landes. Die mehr als 200 Weingüter produzieren aber nicht nur moldawischen Wein, sondern verbinden die Produktionsstätten mit zahlreichen touristischen Aktivitäten. Viele der Weingüter bieten Übernachtungsmöglichkeiten und verschiedene Kurse, wie beispielsweise zur Weinherstellung, an.

In der Nähe der Hauptstadt Chisinau gibt es gar zwei Weinkellereien, die es in Guinness-Buch der Rekorde geschafft haben. Dabei handelt es sich um die zwei grössten unterirdischen Weinkellereien der Welt – Milestii Mici und Cricova.

Beide Keller ähneln unterirdischen Städten, sind über 100 Kilometer lang und lagern mehrere Millionen Weinflaschen. Die Stollen gehen bis zu 80 Meter in die Tiefe und können besichtigt werden: Touren beinhalten Zugfahrten durch die Tunnel, Besichtigungen der Sammlungen und Weinverkostungen in speziell gestalteten Sälen.

Die unterirdischen Gänge der Weinkellerei Cricova erstrecken sich über 120 Kilometer. Bild: Adobe Stock

Zu gutem Wein gehört auch gutes Essen. Viele Gasthäuser legen Wert darauf, saisonal und frisch zu kochen. Die Zutaten stammen dabei aus der eigenen Landwirtschaft, so Stepanov. Besonders in ländlichen Gegenden erwartet Touristen ein Gesamterlebnis aus regionaler Küche, Tradition und Einblicken in die Kultur.

Lebendige Hauptstadt

Die moldawische Hauptstadt Chisinau ist eine ideales City-Break-Ziel für einen Drei-Tages-Trip. Die Stadt hat viele Grünflächen und bietet gerade in den wärmeren Monaten schöne Pärke, wie den Dendrariu-Park oder den Valea-Morilor-Park. Entlang des Stefan-cel-Mare-Boulevard reihen sich Geschäfte, Cafés und historische Gebäude.

Das Wahrzeichen der Stadt, die Kathedrale der Geburt des Herrn und der Triumphbogen, liegen zentral und lassen sich gut zu Fuss erkunden. Museen wie das Nationalmuseum für Ethnografie und Naturgeschichte geben Einblicke in die Geschichte des Landes.

Chisinau ist eine sehr lebendige Stadt und bietet ein abwechslungsreiches Nachtleben mit Theateraufführungen, Opern, Bars und verschiedenen Clubs. In den Sommermonaten feiern die Moldawier gerne Festivals. Zu Eröffnung der Grillsaison wird im Valea Trandafirilor Park ein BBQ-Festival veranstaltet, das typischerweise im Mai stattfindet. Der Event bietet talentierte Köche, herzhafte Fleischspezialitäten und Live-Musik.

Elena Stepanov, Geschäftsführerin National Inbound and Domestic Tourism Association of Moldova (Antrim), stellte sich den Fragen von Travelnews an der Fespo in Zürich. Bild: TN

Eine Stunde von der Hauptstadt entfernt findet zudem jedes Jahr das DescOpera, ein Open-Air-Opernfestival, im Orheiul Vechi Naturreservat statt. Das Naturreservat beherbergt eine einzigartige archäologische Landschaft und bietet eine unvergleichliche Kulisse für eine Oper. Und natürlich darf auch das Wein-Festival im Oktober nicht fehlen, an dem über 100 Weinkellereien ihre Produkte präsentieren.

Auch Ruhesuchende kommen in Moldawien auf ihre Kosten. Die Natur ist weniger alpin als in der Schweiz, bietet aber eine grosse Vielfalt: Canyons, Wälder, Wasserfälle, Vogelgebiete und kaum frequentierte Wanderwege.

Ausflug nach Transnistrien

Während sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Moldawien in der Näher der Hauptstadt befinden, gibt es auch die Möglichkeit, einen Tagesausflug nach Transnistrien zu machen. «Jeder zweite Tourist möchte diese Region besuchen», sagt Elena Stepanov. Der abtrünniger Landesteil an der Grenze zur Ukraine zieht die ausländischen Gäste magisch an. Es sei ein besonderes Erlebnis, und mit einer Zeitreise zu vergleichen.

Die alten Gebäude und Denkmäler der Region sind eng mit der russischen Geschichte verbunden und erinnern an die Sowjetzeit – so auch die Restaurants und die lokale Küche. Während in Moldawien eine Form von Rumänisch gesprochen wird, sprechen die Einwohner Transnistriens russisch. Bezahlt wird mit dem transnistrische Rubel und nicht mit dem moldauischen Leu.

Das Parlamentsgebäude mit dem Lenin-Denkmal davor prägt das Stadtbild der transnistrischen Stadt Tiraspol. Bild: Adobe Stock

Die Sicherheitsbedenken gewisser Touristen aufgrund der geografischen Lage seien verständlich aber völlig unbegründet, sagt Stepanov. Moldawien und insbesondere auch Transnistrien seien total sicher, obwohl sie an der ukrainischen Grenze liegen. Moldawien sei auch für Alleinreisende ein unbedenkliches Reiseziel.

Direktflüge ab Basel

Ab April 2026 verbindet Wizz Air die moldawische Hauptstadt Chisinau und Basel mit einem Direktflug von rund zweieinhalb Stunden. Einen Monat später folgt dann die Airline Sky Up mit derselben Verbindung. Einmal in Moldawien angekommen, sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, auch ausserhalb der Stadt, bestens an den öffentlichen Verkehr angeschlossen.

Authentische Erlebnisse, lokale und traditionelle Gastronomie sowie kurze Reisewege machen Moldawien zu einer idealen Alternative für herkömmliche und überlaufene Touristenziele. Zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis kommen Touristinnen und Touristen in den Genuss von unterirdischen Weinkellern, traditionellen Dörfern, Naturreservaten und lokaler Küche. Wer authentische osteuropäische Kultur sucht, ist in Moldawien genau richtig.

(MLD)