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Die Ferienmesse Bern behauptet sich gegen den digitalen Trend
Mögen sich immer mehr Leute online und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ihre Reisepläne aufbereiten lassen, die Berechtigung einer physischen, erlebbaren Ferienmesse verschwindet nicht. Die letzten vier Tage in der Bernexpo haben gezeigt, dass es nach wie vor ein interessiertes Publikum gibt, das direkt vor Ort im persönlichen Gespräch die eigenen, schlummernden Ferienideen konkretisieren möchte.
Wie im Vorjahr haben rund 20'000 Besucherinnen und Besucher die Ferienmessse besucht. Kleiner geworden ist das Ausstellerfeld, grosszügiger die begehbaren Flächen. Lag die Ausstellerzahl vor der Pandemie noch bei 240, schrumpfte sie in den letzten beiden Jahren auf 170, nun sind es noch rund 160. Weniger Aussteller sollten es bei der nächsten Austragung nicht werden, sonst ist ein Kipppunkt erreicht.
Travelnews war vor Ort und hat mit Ausstellenden wie Reiselustigen gesprochen. Stephan Stalder von Take it Travel räumt ein, dass er sich gewisse Sorgen mache, wenn die Messe immer kleiner werde. Eine Besucherin aus der Stadt Bern zeigt sich erstaunt und erinnert sich, dass sich die Messe vor wenigen Jahren noch auf drei Stockwerken ausbreitete, jetzt nur noch auf einem. Auch die Höhe der Eintrittspreise (15 Franken online, 17 Franken an der Tageskasse) stellt sie in Frage, sollte die Messe noch kleiner werden.
Vorteile einer kleineren Messe
Alessandra Schnyder von Latin America Tours und Thomas Meier von Manta Reisen sehen auch Vorteile einer kleineren Messe, so bleibe ein grösseres Stück vom Kuchen für sie übrig, wenn Mitbewerber auf eine Teilnahme verzichten würden. Zum Besuchervolumen sagt Thomas Meier: «Wichtiger als die Quantität ist die Qualität der Besucher und wie gut wir es schaffen, das Interesse zu konvertieren.»
Bei der Qualität der Besucherinnen und Besuchern ist von mehreren Ausstellern zu hören, dass die Gespräche in Bern relaxter und mit grösserem Tiefgang erfolgen als jene an der Fespo Zürich. Das konkrete Interesse für eine nächste Reise schürt die Ferienmesse Bern zudem mit einem ausgebauten Kino-Angebot: in total zehn Vortragssälen informierten Veranstalter wie Para Tours, Insight Reisen, Dreamtime Travel oder Aktivferien über die Faszinationen und Besonderheiten ihrer Destinationen. Auf die total 300 Reisevorträge folgte oft am Stand ein persönliches Gespräch.
Patricia Marsolo von Thai Airways lobt das Berner Publikum: «Die Qualität der Besucherinnen und Besucher hier ist jedes Jahr sehr gut und die Gespräche sind nachhaltig – es gibt Leute, die im November buchen und sich dabei auf das gute Gespräch vom Januar beziehen.»
Positiv fällt das Fazit von Messeleiter Mario Kovacevic aus: «Die Ferienmesse Bern hat auch in diesem Jahr gezeigt, wie wichtig diese Messe für die Ausstellenden und auch das Berner Publikum ist. Die Stimmung war durchwegs sehr positiv, die Hallen waren konstant gut besucht und vor allem die Qualität der Gespräche mit den Besuchenden überzeugte auf hohem Niveau. Für uns ist das ein klares Zeichen, dass die Messe auch künftig für Besucherinnen und Besucher sowie Ausstellende relevant bleibt.»
Interaktion und Austausch
Nach längerer Abwesenheit wieder mal an der Ferienmesse Bern dabei war Globetrotter Travel Service anlässlich des 50-jährigen Jubiläums. Globetrotter-CEO André Lüthi findet, es gehe an der Messe nicht primär um unmittelbare Buchungen, sondern darum, Vertrauen aufzubauen und Kompetenz zu zeigen: «Für eine erfolgreiche Messe ist es wichtig, dass die Aussteller die Interaktion und den Austausch suchen».
Gerade zu diesem Punkt sagt eine Messe-Besucherin zu Travelnews: «Ich habe das Gefühl, die Leute sprechen einem zu wenig an.»
Die Ferienmesse Bern 2026 zeigte eindrücklich auf, dass das persönliche Gespräch bei der Reiseplanung weiterhin sehr wichtig ist. Eine Message, die auch die Ausstellenden der Fespo Zürich von dieser Woche freuen dürfte. Doch sie sollten sich im Klaren sein: am Stand zu sitzen und in den Laptop schauen, sollten sie nur sporadisch – raustreten, auf die Leute zugehen, das Gespräch über kommende Reisepläne suchen, sollte die Devise lauten, um nach vier Messetagen von einem erfolgreichen Messeauftritt sprechen zu können.